Stadtohr

Stadtrundgang Amberg · Station 4 von 16

Paulanerkloster Amberg

· kloster, barock, bier, säkularisation

Ausführlich

Sie stehen vor dem ehemaligen Paulanerkloster, das ursprünglich dem heiligen Joseph geweiht war. Die Paulaner kamen auf Bitten von Kurfürst Maximilian 1627 nach Bayern, zuerst nach München und nach Neudeck an der Au. In Neunburg vorm Wald übernahmen sie 1638 die Seelsorge, doch dort gab es bald Beschwerden über ihre Lebens- und Amtsführung. Auf Initiative der Kurfürstenwitwe Maria Anna kamen schließlich drei Patres nach Amberg. 1652 wurde das Kloster gegründet. Als Unterkunft erwarben die Paulaner das Metzberger'sche Haus, dazu bekamen sie ein Fischwasser und eine Wasserleitung vom Schloss. Als Kloster anerkannt wurden sie erst 1671. Mit dem Bau eigener Klostergebäude begannen sie 1692, nachdem sie einige Bürgerhäuser erworben hatten. Die Leitung hatte der Amberger Baumeister Wolfgang Dientzenhofer. Den Stuck im Refraktorium schuf Paul d'Aglio. Die Kirche entstand von 1717 bis 1719, vermutlich noch nach Dientzenhofers Plänen. Die Fundamente waren schon 1709 gelegt, doch die Zerstörungen im Spanischen Erbfolgekrieg hatten den Bau verzögert. Geweiht wurde die Kirche am 29. August 1729. 1759 begannen die Paulaner, zwei Türme anzubauen. Die beiden Türme wurden 1819 wieder abgebrochen. Die Paulaner arbeiteten vor allem als Militärseelsorger. Daneben betrieben sie eine Klosterbrauerei, und das führte zu großen Verwerfungen mit der Stadt. Eine Geschichte führt von hier nach München. Der Braumeister Valentin Stephan Still trat 1773 als Laienbruder in den Amberger Konvent ein und wechselte schon im folgenden Jahr in das Kloster Neudeck in München. Dort ersann er ein Starkbier, das zuerst Heilig-Vater-Bier hieß und heute als Salvator von der Münchener Paulanerbrauerei gebraut wird. An ihn erinnert die Figur des Bruder Barnabas, des Festredners bei der Starkbierprobe auf dem Nockherberg. 1803 wurde das Kloster im Zuge der Säkularisation aufgelöst. Es lebten nur noch drei Patres und ein Laienbruder hier. Die Bibliothek wurde sofort versteigert. Die Klostergebäude dienten als Lazarett. Die Kirche war bis 1812 Garnisonskirche, danach wurde sie profaniert und als Salzmagazin genutzt. 1850 zog man eine Zwischendecke ein, und der obere Teil wurde der protestantischen Gemeinde als Gottesdienstraum überlassen. 1862 erwarb die protestantische Gemeinde die gesamte Kirche als Pfarrkirche, für 12.000 Gulden. 1925 wurden die übrigen Gebäude zum Amtsgericht, das bis heute hier untergebracht ist.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem ehemaligen Paulanerkloster. Die Paulaner gründeten es 1652, die Kirche wurde 1729 geweiht. 1803 wurde das Kloster aufgelöst, 1862 kaufte die evangelische Gemeinde die Kirche. In den Klostergebäuden sitzt seit 1925 das Amtsgericht.

Für Kinder

Hier lebten früher Mönche, die Paulaner. Sie begleiteten Soldaten als Seelsorger und brauten Bier. Mit der Stadt gab es deshalb großen Streit. Der Laienbruder Valentin Still ging später nach München und erfand dort ein starkes Bier, das heute Salvator heißt. 1759 bauten die Mönche zwei Türme an die Kirche, 1819 wurden sie wieder abgebrochen. Nach der Auflösung des Klosters lagerte in der Kirche sogar Salz. Kannst du dir vorstellen, dass in einer Kirche Salz gelagert wird? Hier war das so.

Quellen

Koordinaten: 49.444444444, 11.860277777 · auf der Karte

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