Stadtohr

Stadtrundgang Aachen · Station 9 von 16

Wehrhafter Schmied

1909 · brunnen, sage, denkmal

Ausführlich

Sie stehen vor dem Brunnendenkmal Wehrhafter Schmied, in der Jakobstraße an der Ecke zur Klappergasse, vor der Kind-Jesu-Kapelle des Klosters der Schwestern vom armen Kinde Jesus. Diese Station hat zwei Denkmäler, und das erste war eine Strafe. An dieser Stelle stand bis zur Säkularisation im Jahr 1802 das Weißfrauenkloster. Vor diesem Kloster wurde Graf Wilhelm IV. von Jülich 1278 während eines Aufruhrs getötet. Zur Sühne für den Tod des Grafen musste die Stadt Aachen ein Schmerzensgeld zahlen, vier Sühnealtäre errichten und an dieser Stelle ein Sühnedenkmal aufstellen. Es bestand aus vier Sandsteinpfeilern, die ein Gewölbe trugen, auf dem sich ein eisernes Kreuz erhob. Dieses Denkmal verfiel, und der Verfall ist bezeichnend: 1666 stürzte das Gewölbe ein, 1702 fielen zwei Pfeiler um. Die Stadt Aachen sah sich nicht verpflichtet, es wieder instand zu setzen. So blieb es als Ruine stehen und wurde um 1800 entfernt. Jetzt zum zweiten Denkmal, das die Erzählung umdreht. 1907 schrieb der Verschönerungsverein einen Wettbewerb aus. Der Brunnen wurde am 27. Juli 1909 aufgestellt. Die Figur zeigt heroisch überhöht einen Schmied in Arbeitskleidung mit Lederschürze, in der rechten Hand einen großen Hammer, dessen Kopf hinter seinen Füßen auf dem Sockel ruht. Wo früher die Stadt einen Grafen büßen musste, steht jetzt sein sagenhafter Totschläger in Bronze. Die Figur hat zwei Kriege überstanden, und wie, ist eine Geschichte für sich. Gegen eine drohende Beschlagnahme gegen Ende des Ersten Weltkrieges setzten sich die Aachener Stadtverordneten am 30. August 1918 erfolgreich zur Wehr. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Figur demontiert, entging aber der Metallspende, also dem Einschmelzen. Unter ungeklärten Umständen gelangte sie zur Waggonfabrik Talbot, an deren Verwaltungsgebäude an der Jülicher Straße sie als Wachtposten zu stehen kam. Später wurde sie im Suermondt-Museum eingelagert und restauriert. Am 7. Mai 1947 wurde sie ohne Zeremonie wieder an ihrem alten Platz aufgestellt. Am 21. Dezember 1962 versetzte man den Brunnen auf einen neuen, etwas höheren Unterbau, näher an der Kapelle. Am 18. Dezember 1976 wurde die Figur nachts vom Sockel gestürzt und beschädigt, nach der Reparatur aber wieder aufgestellt. Und die Fabrik, die sie im Krieg bewacht hat, kommt noch einmal vor. Am 18. Oktober 2012 wurde bekannt, dass der Schienenfahrzeughersteller Bombardier als Eigentümer der ehemaligen Waggonfabrik Talbot den Betrieb in Aachen mit etwa vierhundert Beschäftigten schließen wollte. Die Beschäftigten, die sich dagegen wehrten, erkoren den wehrhaften Schmied zu ihrer Identifikationsfigur. Es wurde als unabhängige Firma wiedergegründet und ist nach wie vor im Bau und Unterhalt von Schienenfahrzeugen tätig.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem Brunnendenkmal Wehrhafter Schmied, in der Jakobstraße an der Ecke zur Klappergasse. Carl Burger entwarf es 1909, gegossen hat es Bernhard Förster. Es zeigt den Schmied, der nach der Sage den Grafen Wilhelm IV. von Jülich erschlagen haben soll.

Für Kinder

Schau dir diesen Mann aus Bronze an. Er ist ein Schmied. In der Hand hält er einen großen Hammer, und er trägt eine Schürze aus Leder. Ein Schmied arbeitet mit Feuer und schlägt heißes Eisen in Form. Zu ihm gibt es eine Sage, also eine alte Geschichte: Darin erschlägt er einen Grafen. Der Graf wurde 1278 genau hier getötet. 1909 kam dieser Brunnen hierher. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Figur abgebaut. Viele Bronzefiguren wurden damals eingeschmolzen, dieser Schmied aber nicht.

Quellen

Koordinaten: 50.7749, 6.08074 · auf der Karte

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