Vor Ihnen steht der Proserpina-Sarkophag. Schauen Sie sich das Relief auf der Frontseite genau an, denn es zeigt eine Entführung, und es ist der Grund für eine alte Streitfrage. Der Sarkophag ist ein römischer Marmorsarkophag aus der ersten Hälfte des dritten Jahrhunderts. Zur Datierung muss ich Ihnen zwei Angaben nennen. Lange Zeit wurde er in das späte zweite Jahrhundert datiert. Seit 1982 überwiegen abweichende Datierungen in die erste Hälfte des dritten Jahrhunderts. Wikidata nennt 250. Ich nenne Ihnen beide Angaben und sage dazu, dass es mehrere gibt. Das Relief zeigt den Raub der Persephone mit fünfzehn Göttern und göttlichen Wesen. In der Mitte entführt Hades Persephone auf seinem Wagen, gezogen von vier Pferden. Von links verfolgt Demeter den Entführer ihrer Tochter in einem von Schlangen gezogenen Wagen und schwingt zwei Fackeln. Nun die Streitfrage. Ob Karl der Große bereits 814 in diesem Sarkophag bestattet wurde, ist umstritten, denn die Quellen zu seinem Tod und seiner Bestattung erwähnen ihn nicht ausdrücklich. Angenommen wurde, er könne sich unter den Säulen und dem Marmor befunden haben, die Karl laut Einhards Lebensbeschreibung aus Rom und Ravenna für den Bau seiner Pfalzkapelle nach Aachen bringen ließ. In diesem Fall wäre er wie ein weströmischer Herrscher bestattet worden. Der Historiker Dieter Hägermann vermutete dagegen, der Sarkophag sei erst 1165 verwendet worden, nach der Aufdeckung des Karlsgrabes durch Friedrich Barbarossa, um Karls Gebeine darin aufzubewahren. Seine Begründung: Die Quellen berichten von der Bestattung Karls im Boden der Pfalzkapelle, nicht von einem Sarkophag. Und dass man einen so prächtigen reliefgeschmückten Marmorsarkophag im Kirchenboden versenkt haben sollte, hält er für unwahrscheinlich. Bleibt die Frage, warum man für einen christlichen Kaiser einen Sarkophag mit heidnischen Motiven wählte. Eine Erklärung liegt in einer christlichen Deutung des Mythos. Demeter erreichte durch ihr Bitten, dass ihrer Tochter für je zwei Drittel des Jahres die Rückkehr zur Erde gewährt wurde. Das ist möglicherweise als Hinweis auf die Auferstehung umgedeutet worden. Spätestens 1215 müssen die Gebeine Karls dem Sarkophag entnommen worden sein, denn seit diesem Jahr befinden sie sich im Karlsschrein. Von dieser Zeit an stand der leere Sarkophag im unteren Oktogonumgang, nur die Vorderseite war durch ein Gitter sichtbar. 1794 ließ Napoleon I. den Sarkophag zusammen mit den antiken Säulen des Münsters nach Paris bringen. 1815 kehrte er zurück und wurde in der Nikolauskapelle aufgestellt, seit 1843 auf deren der Öffentlichkeit nicht zugänglicher Michaelsempore. Ab 1972 stand er in der Karlskapelle, und seit 1979 wird er in der Domschatzkammer gezeigt.
Vor Ihnen steht der Proserpina-Sarkophag, ein römischer Marmorsarkophag aus der ersten Hälfte des 3. Jahrhunderts. Möglicherweise wurde Karl der Große am 28. Januar 814 darin bestattet. Gefertigt wurde er in einer stadtrömischen Werkstatt aus Carrara-Marmor. Heute steht er in der Domschatzkammer.
Vor dir steht ein Sarkophag, ein Sarg aus Stein. Dieser ist aus weißem Marmor und etwa zwei Meter lang. Gemacht haben ihn Römer vor etwa achtzehnhundert Jahren. Vorne sind Figuren in den Stein gehauen, fünfzehn Götter und Wesen aus alten griechischen Geschichten. Sie zeigen, wie der Gott der Unterwelt ein Mädchen entführt und ihre Mutter ihm nachjagt, in einem Wagen, den Schlangen ziehen. Vielleicht wurde Karl der Große darin begraben, als er 814 starb. Vielleicht erst viel später. Die Forscher wissen es nicht.
Koordinaten: 50.775019444, 6.08285 · auf der Karte