Stadtohr

Stadtrundgang Aachen · Station 8 von 16

Marianneninstitut

1830 · geburtshaus, armut, medizin

Ausführlich

Sie stehen vor dem Haus Jakobstraße 18. Hier war das Marianneninstitut, eine Entbindungsstation für arme Wöchnerinnen und die erste ihrer Art in Preußen. Eine Quelle nennt es außerdem die erste Geburtsanstalt Deutschlands, der erst 1882 in Düsseldorf ein zweites Wöchnerinnenhaus folgte. Gegründet wurde es 1830 von dem Aachener Gynäkologen und Geburtshelfer Vitus Jakob Metz, der von 1792 bis 1866 lebte. Das veranlasste Metz am 1. Mai 1830 zu einem Aufruf an Aachens Politiker und finanzstarke Unternehmer, im Besonderen an deren Frauen. Die Anstalt sollte ausschließlich für arme und verlassene Mütter da sein und zusätzlich eine Schule für Pflegerinnen erhalten. Bereits wenige Tage nach dem Aufruf gründete sich ein Frauenverein und wählte seinen ersten Vorstand. Am 3. August 1830 eröffnete das Institut in der Bendelsstraße 20, mit anfangs sechs bis acht Betten. Nun die Zahlen, denn sie steigen schnell. Im ersten Jahr wurden hier zweiundachtzig Kinder geboren. Bis 1838 stieg die Zahl auf 976 Geburten. Bald mussten Räumlichkeiten für siebenundfünfzig Betten bereitgestellt werden. Aufgenommen wurden, so die Formulierung der Zeit, anerkannt bedürftige, tugendhafte, verheiratete Frauen ohne Unterschied der Religion, und zwar für neun Tage. In dieser Zeit wurden sie und ihr Kind kostenlos mit allem versorgt, von der Anstaltskleidung über die Ernährung und die Untersuchungen bis zur Schulung im Umgang mit Säuglingen. Lesen Sie die Bedingung noch einmal: verheiratet. 1897 zog das Institut in dieses Haus, Jakobstraße 18, das von alters her den Namen Zum güldenen Verken trug, zum goldenen Schwein. Vorher war hier das Zunfthaus der Nadler und ein Teil der Nadelfabrik Chorus, später eine Brauerei und eine Selterswasserfabrik. Auch dieses Haus hängt also an den Nadeln. 1901 wurde im hinteren Bereich zum Annuntiatenbach hin ein Extratrakt errichtet, mit Geldern aus einem Stiftungsfonds. Er erhielt den Namen Zuflucht, und dort konnten unverheiratete Wöchnerinnen unterkommen. Ein Satz aus einer Quelle gehört hierher, ohne Kommentar: Die Väter dieser unehelichen Kinder hatten keinen Zutritt zu dem Gebäude und konnten ihre Kinder nur von außen durch die Fenster sehen. Zwei leitende Ärzte stehen für die Arbeit dieses Hauses. Der Kreisphysikus Gerhard Schervier kam in sechsundzwanzig Dienstjahren auf mehr als fünftausend Geburten. Sein Nachfolger, der Geheime Sanitätsrat Eugène Beaucamp, brachte in fast zweiunddreißig Jahren 17.026 Kinder zur Welt. Nachdem 1957 das Marienhospital eine geburtshilfliche Abteilung erhalten hatte und an den städtischen Krankenanstalten eine Kinderklinik entstanden war, wurde das Marianneninstitut überflüssig und musste 1959 schließen. Nur noch eine Tafel am Haus 18 erinnert heute daran.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem Haus Jakobstraße 18. Hier war das Marianneninstitut, eine Entbindungsstation für arme Wöchnerinnen. Gegründet wurde es 1830 vom Gynäkologen Vitus Jakob Metz. Bis zur Schließung 1959 verzeichnete es mehr als vierzigtausend Geburten. Heute erinnert nur eine Tafel daran.

Für Kinder

In diesem Haus wurden Babys geboren. Es hieß Marianneninstitut und wurde 1830 eröffnet. Das Besondere: Hier wurden nur arme Frauen aufgenommen, und sie mussten nichts bezahlen. Neun Tage lang bekamen sie und ihr Baby alles, was sie brauchten. Ein Arzt hatte die Idee, er hieß Vitus Jakob Metz. Er brauchte Geld und fragte die reichen Familien der Stadt. Im ersten Jahr wurden zweiundachtzig Kinder hier geboren, bis zum Schluss 1959 mehr als vierzigtausend.

Quellen

Koordinaten: 50.775102777, 6.081030555 · auf der Karte

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