Hier geht es um Aquae Granni, das antike römische Aachen. Diese Station liegt unter Ihren Füßen, deshalb lohnt es sich, einmal nach unten zu denken. Im Jahr 765 wird unter dem Frankenkönig Pippin erstmals der Name Aquis genannt, das heißt: bei den Wassern. Sein Sohn Karl der Große feierte dort im Jahr 768 in der Villa Aquis das Weihnachtsfest. Der Namenszusatz Granni geht auf den keltischen Wasser- und Bädergott Grannus zurück, der von den Römern mit Apollo gleichgesetzt wurde. Nun zum Grund, warum hier überhaupt jemand siedelte, denn geografisch war es keine gute Idee. Das Gebiet zwischen Johannis- und Paunellbach hat Höhenunterschiede von bis zu hundert Metern und ist als Siedlungsraum nicht günstig. Trotzdem kamen die Römer früh, und erste Spuren weisen ans Ende des ersten Jahrhunderts vor unserer Zeitrechnung. Der Grund liegt im Boden: die heißen Thermalquellen, bis zu fünfundsiebzig Grad heiß, leicht schwefelhaltig, wahrscheinlich im Zusammenhang mit dem immer noch aktiven Vulkangebiet der Eifel. Jetzt die Befunde, und sie sind genauer, als man erwarten würde. 1927 fand der Aachener Museumskustos Otto Eugen Mayer an der Ostseite des Marktplatzes frühe römische Keramik. Weitere Ausgrabungen zeigten, dass der heutige Marktbereich in römischer Zeit mit holzausgesteiften Kanälen trockengelegt worden war. Darüber errichteten die Römer auf Pfahlrosten stehende Schwellbalkenhäuser, sogenannte Streifenhäuser, eine typische Bauform der römischen Nordwestprovinzen. Die Schwellbalken und Dielenböden der ältesten Gebäude konnten dendrochronologisch datiert werden, also über Jahresringe des Holzes: am Hof mit Fälldaten zwischen 3 vor und 10 nach unserer Zeitrechnung, am Markt für das Jahr 1. Eine römische Siedlungskontinuität ist bis in das fünfte Jahrhundert nachgewiesen. Und nun eine Werkstatt, die zu dieser Stadt passt wie keine zweite: 2017 wurde in der Rommelsgasse eine Werkstatt des dritten Jahrhunderts aufgedeckt, die aus Tierknochen Nadeln anfertigte. Nadeln, in verschiedenen Bearbeitungsstufen, dazu Luxusfunde wie ein Schlangenfadenglas und eine Gemme aus Jaspis, die auf einen wohlhabenden Fabrikanten hinweisen. Halten Sie das fest. Diese Stadt macht seit dem dritten Jahrhundert Nadeln. Im Herbst 2014 wurde bei Kanalisationsarbeiten am Hof ein Inschriftenstein gefunden und 2016 entziffert. Die Inschrift ist außergewöhnlich, denn sie legt nahe, dass der Kaiser den Bau eines Gebäudes angeordnet und bezahlt hat, was normalerweise nur bei militärischen Anlagen geschah. Die archäologische Forschung in Aachen wurde bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts eher stiefmütterlich behandelt. Das endete erst, als die Stadt 2006 mit Andreas Schaub einen eigenen provinzialrömischen Stadtarchäologen bekam.
Hier geht es um Aquae Granni, das antike römische Aachen. So wird der Ort seit dem Mittelalter bezeichnet. Die Relikte liegen im Bereich der Altstadt und in Burtscheid. Neuere Untersuchungen zeigen: Das römische Aachen war keine Soldatenbadestelle, sondern eine Stadt mit allen urbanen Einrichtungen.
Unter deinen Füßen liegt eine alte Stadt. Vor etwa zweitausend Jahren wohnten hier die Römer. Sie nannten den Ort Aquae Granni, das heißt etwa: die Wasser des Grannus. Grannus war ein Gott des Wassers. Warum kamen sie hierher? Wegen des heißen Wassers. Aus dem Boden kommt Wasser, das bis zu fünfundsiebzig Grad heiß ist. Die Römer bauten Bäder und Häuser auf Holzbalken, weil der Boden feucht war. 2017 fanden Forscher eine Werkstatt, in der aus Tierknochen Nadeln gemacht wurden.
Koordinaten: 50.7756, 6.08162 · auf der Karte