Sie stehen in der Ungarnkapelle, einer Nebenkapelle des Aachener Doms. Diese Station handelt davon, wie weit Menschen für vier Stücke Stoff gegangen sind. Die Verehrung in Aachen gilt vier Reliquien, die Karl der Große vom Patriarchen von Jerusalem erhielt und dem Dom schenkte: das Kleid der Jungfrau Maria, die Windel Jesu, das Tuch mit dem Haupt Johannes des Täufers und der Lendenschurz Christi vom Kreuz. Seit dem 14. Jahrhundert wird ihre Verehrung alle sieben Jahre durch eine große Wallfahrt gefeiert, die Aachenfahrt oder Heiligtumsfahrt. Nun die Entfernung. Von Ungarn nach Aachen sind es über tausendzweihundert Kilometer. Laut zeitgenössischen Chroniken nahmen trotzdem immer die Ungarn am zahlreichsten teil, in manchen Jahren über fünftausend ungarische Pilger. Besonders viele kamen 1414 zur Krönung Sigismunds von Luxemburg. Die Gruppen marschierten singend mit Kreuzen, Kerzen und Fahnen, zum Teil auf dem Wasserweg über Donau und Rhein. Ihre Route führte über Wien, Regensburg, Nürnberg, Frankfurt und Koblenz nach Andernach, wo sie mit dem sogenannten Ungarnkreuz weiterzogen. In Aachen angekommen, begaben sich die Pilger zum Hauptportal des Doms und rutschten auf Knien bis zum Marienaltar, wo sie mit ungarischem Geld geschmückte Kerzen darbrachten. Die Kapelle selbst geht auf eine Reise zurück. Elisabeth von Polen, Witwe Karls I. von Ungarn und Mutter Ludwigs I., pilgerte 1357 über Marburg und Köln nach Aachen, um den Schutz der Heiligen Jungfrau für die ungarischen Truppen im Kampf um Dalmatien zu erbitten. Ihr Sohn stiftete 1364 eine bedeutende Summe, und 1367 war die gotische Kapelle vollendet, direkt an das karolingische Oktogon angeschlossen. Zur Datierung eine Anmerkung: Die schwarze Tafel in der Kapelle trägt die Inschrift, sie sei 1374 von Ludwig I. gestiftet worden. Eine Quelle nennt 1367 als Jahr der Vollendung und 1374 als das Jahr, in dem Ludwig die Kapelle vermutlich selbst besuchte. Ich glätte das nicht, sondern sage Ihnen, dass es zwei Angaben gibt. Der gotische Bau ist nicht erhalten. Mit der Reformation blieben die ungarischen Spenden zeitweise aus, 1656 zerstörte der große Brand das Dach, die Kapelle verfiel. 1747 beauftragte General Karl von Batthyány den Stadtbaumeister Johann Joseph Couven mit dem Wiederaufbau. Die gotische Kapelle wurde abgerissen, der Neubau begann, und das Projekt scheiterte: Die Mauern stürzten ein. 1756 übernahm der Mailänder Architekt Joseph Moretti, 1764 war das Dach fertig. Außen ist der Bau quadratisch mit abgerundeten Ecken, innen rund. Schauen Sie in die Nischen. Dort stehen vier ungarische Heilige: Stephan mit Kreuz und Krone, Ladislaus mit Zepter und Schild, Emmerich mit Lilie und Adalbert als Bischof. Heute ist dies ein stiller Gebetsraum.
Sie stehen in der Ungarnkapelle, einer Nebenkapelle des Doms rechts vom Haupteingang. Gestiftet hat sie König Ludwig I. von Ungarn, vollendet wurde sie 1367 im gotischen Stil. Der heutige Bau stammt von 1756 bis 1767. Heute ist die Kapelle ein stiller Gebetsraum.
Du stehst in der Ungarnkapelle. Ungarn liegt weit weg, mehr als tausendzweihundert Kilometer von hier. Trotzdem sind von dort besonders viele Menschen nach Aachen gelaufen. Sie wollten vier sehr alte Stoffstücke sehen, die im Dom aufbewahrt werden. Alle sieben Jahre werden sie gezeigt. Die Pilger kamen in großen Gruppen, sie sangen und trugen Kerzen und Fahnen. Im Dom rutschten sie auf den Knien bis zum Altar. Würdest du so weit zu Fuß gehen?
Koordinaten: 50.77475, 6.083922222 · auf der Karte