Stadtohr

Stadtrundgang Aachen · Station 2 von 16

Orgeln des Aachener Doms

1939 · orgel, musik, handwerk

Ausführlich

Sie stehen im Dom, und diese Station ist eine Station für die Ohren. Die Orgelgeschichte dieses Hauses ist älter als jedes Instrument, das hier steht, und sie beginnt mit einem diplomatischen Geschenk. Die erste bezeugte Orgel des Abendlands war eine Hydraulis, die der oströmische Kaiser Konstantin V. im Jahr 757 Pippin am Mittelrhein vermachte. Ob dieses Werk im Aachener Dom aufgestellt wurde, ist nicht bekannt. Eine Quelle sagt das ausdrücklich, und ich halte mich daran. Ein Priester Georg aus Venedig soll für Ludwig den Frommen im Jahr 826 eine Orgel gebaut haben. Danach wird es konkreter. Bernhard Spiring aus Lüttich schuf 1598 und 1599 eine neue Orgel, nachdem Verhandlungen mit einem Orgelbauer aus Mainz 1596 ergebnislos verlaufen waren. Um 1628 errichtete Johann Schaden aus Westfalen ein Werk auf zwei roten Porphyrsäulen über dem Königsstuhl, mit vierundzwanzig Registern. Dieses Instrument ist ein Opfer der Geschichte geworden: In der Besatzungszeit durch französische Truppen erfolgten 1795 der Abriss der Orgel und der Ausbruch der Säulen. Als Ersatz erwarb man eine Orgel aus der Reichsabtei St. Maximin in Trier, die von 1807 bis 1809 zwischen Chor und Oktogon aufgestellt wurde. Sie war unvollendet und stammte wahrscheinlich von Peter Kemper. Dann kommt der Teil, der Technikfreunde interessiert. Der Orgelbauer Wilhelm Korfmacher aus Linnich schuf von 1845 bis 1847 ein neues Instrument, unter Einbeziehung älteren Materials, aufgestellt im Oktogon beiderseits des Durchgangs zum Chor. Es hatte sechzig Register, dreitausendachthundertfünfzig Pfeifen, hinter einem zweiteiligen neugotischen Prospekt. Und es hatte ein Problem: Die langen und komplizierten Trakturen waren schwergängig. Die Traktur ist die Verbindung zwischen Taste und Pfeifenventil. Bei großer Entfernung muss der Organist gegen erheblichen Widerstand spielen. Deshalb baute Franz Wilhelm Sonreck 1856 eine Barkermaschine ein, eine pneumatische Hilfe für die Tasten. Sie war vermutlich die erste in Deutschland. Johannes Klais baute 1939 die heutige Anlage, mit Windladen und einem Teil des Pfeifenwerks aus der Orgel von 1847. Die Disposition wurde auf fünfundsechzig Register erweitert, verteilt auf fünf Werke. Hier steckt die eigentliche Idee: Um eine gleichmäßige Beschallung des Domes zu erreichen, verteilte man die Werke im Raum. Von 1991 bis 1993 wurde die Anlage restauriert und bis 2018 auf 94 Register erweitert. Die Hauptorgel hat vierundsechzig Register auf drei Manualen und Pedal, die Hochmünsterorgel dreißig Register. Dazu kommen die Zoboli-Orgel mit vierzehn Registern, vermutlich um 1850 in Modena gebaut, und seit 2004 ein bewegliches Positiv mit sechs Registern. Wir gehen nun in eine Kapelle an der Südseite.

Kurzfassung

Sie stehen im Dom und hören auf die Orgeln. Die heutige Anlage baute Johannes Klais im Jahr 1939, Teile stammen aus dem Vorgängerinstrument von 1847. Sie hat 94 Register und wird durch zwei Kleinorgeln ergänzt. Die Hauptorgel besteht aus zwei Teilwerken in der Chorhalle.

Für Kinder

Jetzt geht es um die Orgeln im Dom. Eine Orgel ist ein Instrument aus vielen Pfeifen. Durch jede Pfeife bläst Luft, und jede klingt anders. Diese Orgel hat 94 Register. Ein Register ist eine ganze Reihe Pfeifen mit demselben Klang. Gebaut wurde sie 1939, einige Teile sind aus einer Orgel von 1847. Das Besondere: Sie steht nicht an einer Stelle, sondern ist im Dom verteilt, damit der Klang überall ankommt. Mach die Augen zu. Woher kommen die Töne?

Quellen

Koordinaten: 50.774752777, 6.083916666 · auf der Karte

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