Stadtohr

Stadtrundgang Aachen · Station 12 von 16

Marschiertor

um 1257 begonnen · stadttor, befestigung, wiederaufbau

Ausführlich

Sie stehen vor dem Marschiertor. Es war das Südtor der äußeren Aachener Stadtmauer und gehört zu den mächtigsten noch erhaltenen Stadttoren Westeuropas. Zur Datierung zwei Angaben aus demselben Quelle: Die Einleitung nennt den Baubeginn um 1257 und die Fertigstellung wahrscheinlich kurz nach 1300. Weiter unten heißt es, das Tor habe zum zweiten Stadtbefestigungsring gehört, der vom 14. bis zum 15. Jahrhundert errichtet wurde. Ich glätte das nicht, sondern sage Ihnen, dass es zwei Angaben gibt. Nun zum Bauwerk, und hier helfen Zahlen mehr als Adjektive. Es ist als Doppelturm-Torburg erbaut. Insgesamt 23,8 Meter breit, Durchfahrtbreite 4,8 Meter. Die beiden Türme sind viergeschossig, der Mittelbau fünfgeschossig, Türme und Mittelbau bilden mit einem gemeinsamen Dach eine Einheit. Das feldseitige Portal hat drei gestaffelte Bögen. Durch die beiden Rundtürme führen stadtseitig Wendeltreppen in den Waffensaal. Die Wachräume lagen im Erdgeschoss, darunter die Verliese. Ursprünglich hatte das Marschiertor wie alle Aachener Stadttore bis auf eines ein Vortor, ähnlich dem noch erhaltenen Vortor des Ponttors. Es wurde im 17. Jahrhundert abgerissen, wahrscheinlich kurz nach dem Stadtbrand, um modernerem Schanzwerk Platz zu machen. Das Tor war Hauptwaffenplatz. Die ehemals elf Stadttore der Freien Reichsstadt wurden von städtischen Soldaten und Milizen bewacht. Im Volksmund hießen sie Pennsoldaten, und der Name kommt von ihrer Nebenbeschäftigung: Sie schnitzten dünne Holzstifte, Penn genannt, zur Schuhbesohlung. Ein Wachsoldat, der nebenbei Schusterstifte schnitzt, sagt mehr über diese Stadt als jede Verteidigungsgeschichte. Über die Jahrhunderte war das Tor nicht nur Besetzungen und Belagerungen ausgesetzt, es war zeitweise auch Rumpelkammer, Obdachlosenunterkunft, Jugendherberge und schließlich Heim der Hitlerjugend. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Marschiertor am 14. Juli 1943 durch Brandbomben erheblich beschädigt. Merken Sie sich dieses Datum. Es kommt an der vorletzten Station noch einmal vor. Zunächst wurde das Tor nur provisorisch wiederhergestellt, ohne das charakteristische Steildach. Erst 1957 konnte mit der Rekonstruktion des Walmdaches begonnen werden, ermöglicht durch eine Spende einer Aachener Versicherungsgesellschaft. Seit 1959 ist das Tor wieder vollständig rekonstruiert. Wer es heute nutzt, ist eine Aachener Pointe. 1964 überließ die Stadt das Gebäude der Obhut einer Karnevalsgesellschaft, der Stadtgarde Oecher Penn von 1857, deren Name an die Pennsoldaten erinnert. Mit etwa fünftausend Arbeitsstunden von Vereinsmitgliedern und mehr als einer halben Million Euro aus Spenden richteten sie es wieder her und machten es zu ihrem Hauptquartier. Heute bietet der große Waffensaal Platz für zweihundert Gäste.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem Marschiertor, dem Südtor der äußeren Aachener Stadtmauer. Es gehört zu den mächtigsten noch erhaltenen Stadttoren Westeuropas. Der Bau wurde um 1257 begonnen und wahrscheinlich kurz nach 1300 fertiggestellt. Das Tor ist 23,8 Meter breit.

Für Kinder

Du stehst vor einem riesigen Tor aus Stein. Es heißt Marschiertor und war früher der Eingang in die Stadt im Süden. Es ist 23,8 Meter breit. Zwei runde Türme stehen links und rechts. In ihnen führen Treppen nach oben in einen großen Saal, in dem die Waffen lagen. Unten im Keller waren Gefängnisse. Die Wachsoldaten hier hießen Pennsoldaten, nach kleinen Holzstiften, die sie nebenbei schnitzten. 1943 fielen Bomben auf das Tor. Wie viele Schritte brauchst du von einer Seite zur anderen?

Quellen

Koordinaten: 50.76815, 6.08693 · auf der Karte

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