Stadtohr

Stadtrundgang Aachen · Station 13 von 16

Klenkes

1970 · klenkes, nadelfabrik, kinderarbeit

Ausführlich

Sie stehen am Holzgraben vor dem Klenkes-Denkmal. Es ist ein Werk des Aachener Bildhauers Hubert Löneke und steht hier seit 1970. Diese Station ist die kürzeste Erklärung dafür, wovon Aachen gelebt hat, und sie passt in eine Handbewegung. Der Klenkes ist das Erkennungszeichen von Aachenern und ihr Gruß untereinander, wenn sie sich außerhalb von Aachen begegnen. Das Wort bezeichnet im Öcher Platt, der Aachener Mundart, den emporgereckten kleinen Finger der rechten Hand. Nun der Ursprung, und er ist nicht freundlich. Aachen war für seine Tuchindustrie bekannt und dadurch auch für seine Nadelfabriken. Eine solche Fabrik haben wir an der Eilfschornsteinstraße gesehen, und die römische Nadelwerkstatt aus dem dritten Jahrhundert lag ebenfalls in dieser Altstadt. Nadeln sind hier eine Konstante über zweitausend Jahre. Die Qualitätskontrolle in diesen Fabriken ging so: Die Nadeln liefen auf einem Band, und die fehlerhaften mussten heraus. Das nannte man Ausklinken. Dafür benutzten die Arbeiter ihren rechten kleinen Finger. Eine Quelle nennt dabei eine Tatsache in einem Nebensatz, und sie gehört in den Hauptsatz: Die Arbeiter waren meist Kinder. Diese Tätigkeit führte bei den Menschen zu Fehlstellungen des kleinen Fingers. Stellen Sie sich das vor: dieselbe Bewegung, tausendfach am Tag, über Jahre, an einer Kinderhand. Der Finger blieb krumm. Und genau daran konnten sich Aachener in der Ferne auch ohne Worte oft erkennen, am missgebildeten kleinen Finger. Aus einer Berufskrankheit wurde ein Erkennungszeichen, und aus dem Erkennungszeichen ein Gruß, den man heute freundlich gemeint hochhält. Im Laufe der Zeit verlor die Tuchindustrie ihre vorherrschende Rolle im Raum Aachen. Das Wahrzeichen blieb. 1984 bekam der Funkturm der Deutschen Bundespost im Aachener Wald den offiziellen Namen Mulleklenkes, was auf Hochdeutsch etwa sprechender Klenkes bedeutet. Ein Sendeturm als sprechender kleiner Finger. Auch sonst ist der Name in der Stadt präsent. 1975 wurde ein Aachener Stadtmagazin nach dem Klenkes benannt, entstanden als Stattzeitung der Bürgerinitiativen, mit dem Kölner VolksBlatt als Vorbild. Seit 2017 gehört es zu einem Medienunternehmen und läuft seit 2025 online auf der Website der Aachener Zeitung. Und es gibt das Aachener Klenkes Komitee, einen gemeinnützigen Verein, der 1987 von Kurt Meyer, Franz-Josef Lehnen sowie Ralph und Butz Packbier gegründet wurde und am 1. September 1987 ins Vereinsregister eingetragen wurde. Er unterstützt Einrichtungen, die Kinder und Jugendliche betreuen, insbesondere hilfsbedürftige oder behinderte Kinder. Das ist eine bemerkenswerte Linie: Ein Zeichen, das von der Arbeit von Kindern stammt, steht heute über einem Verein für Kinder. Wir gehen weiter zum Elisenbrunnen, und dort geht es wieder um das heiße Wasser.

Kurzfassung

Sie stehen am Holzgraben vor dem Klenkes-Denkmal des Aachener Bildhauers Hubert Löneke. Es steht hier seit 1970. Klenkes ist im Öcher Platt die Bezeichnung für den emporgereckten kleinen Finger der rechten Hand. Er ist das Erkennungszeichen von Aachenern und ihr Gruß untereinander.

Für Kinder

Streck deinen kleinen Finger an der rechten Hand nach oben. Das ist der Klenkes. So grüßen sich Menschen aus Aachen, wenn sie sich weit weg von zu Hause treffen. Woher kommt das? In Aachen gab es früher viele Fabriken, in denen Nadeln gemacht wurden. Die kaputten mussten vom Band geholt werden, und das machten die Arbeiter mit dem rechten kleinen Finger. Die Arbeiter waren meistens Kinder. Davon wurde der Finger krumm und blieb so. Daran erkannten sich Aachener überall.

Quellen

Koordinaten: 50.7749, 6.08778 · auf der Karte

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