Sie stehen am Heiligen Sand, dem Friedhof der Jüdischen Gemeinde Worms. Er gilt als ältester an seinem Ort erhaltener jüdischer Friedhof in Europa. Dazu muss man die Stadt kennen: Worms war seit dem 12. Jahrhundert bis etwa zur Mitte des 14. Jahrhunderts eine von drei SchUM-Städten, neben Speyer und Mainz, und ein Zentrum aschkenasisch-jüdischer Kultur im deutschsprachigen Raum. Mit weiteren Stätten aus Speyer und Mainz gehört dieser Friedhof zum UNESCO-Welterbe. Etwa 2500 Gräber liegen auf rund eineinhalb Hektar. Die ältesten Grabsteine stammen aus dem 11. Jahrhundert. Beim ältesten erhaltenen ist der Name nicht mehr lesbar; er stammt aus dem Jahr 1058/59 und gehört einem Mann. Lange galt der Stein des Jakob haBachur von 1076/77 als der älteste. Schauen Sie auf die Ausrichtung der Gräber. Entgegen der üblichen Praxis zeigen sie fast alle nicht nach Osten, sondern ungefähr nach Norden. Nahe dem Eingang liegen die Gräber von Rabbi Meir ben Baruch, genannt von Rothenburg, gestorben 1293, und von Alexander ben Salomon Wimpfen, gestorben 1307. Meir von Rothenburg wurde hier am 8. September 1307 bestattet. Im 15. oder 16. Jahrhundert grub man einen unterirdischen Gang durch den Friedhof, 36 Meter lang und nur 1,50 Meter hoch, und vermauerte dabei zahlreiche Grabsteine. 1930 wurde der Gang ausgegraben und die Steine wurden geborgen. Die Leichenzüge gingen um die halbe Stadt, vom jüdischen Viertel im Nordosten in den Südwesten. Die Adelsfamilie Dalberg hatte das Recht und die Pflicht, sie zu schützen. Die Gemeinde zahlte dafür Ende des 15. Jahrhunderts 80 Malter Korn. Beim Pogrom von 1615 wurden Grabsteine umgeworfen. 1625 wurde der Friedhof saniert, bezahlt von David Oppenheim; aus dieser Zeit stammen das Eingangstor und das Taharahaus. Im Novemberpogrom 1938 wurde der Dachstuhl des Taharahauses in Brand gesteckt. 1941/42 gab es Pläne, das Gelände einzuebnen und Gebäude für die NSDAP-Kreisleitung zu errichten. Der Stadtarchivar Friedrich Maria Illert soll das Gerücht gestreut haben, Heinrich Himmler habe Interesse an der Erhaltung des Friedhofs. Dieses Gerücht habe den Friedhof geschützt, heißt es. Luftangriffe richteten dennoch erhebliche Schäden an. Seit dem Zweiten Weltkrieg wurden Grabsteine wiederholt beschädigt, meist bei antisemitisch motivierten Übergriffen: 1952, 1980, 1993 und 2020. Archäologische Grabungen verbieten sich hier, weil religiöse Vorschriften sie als Störung der Totenruhe werten.
Sie stehen am Heiligen Sand, dem Friedhof der Jüdischen Gemeinde Worms. Er gilt als ältester an seinem Ort erhaltener jüdischer Friedhof in Europa. Die ältesten der etwa 2500 Grabsteine stammen aus dem 11. Jahrhundert. Mit Stätten in Speyer und Mainz gehört er zum UNESCO-Welterbe.
Du stehst an einem sehr alten Friedhof, dem Heiligen Sand. Hier liegen Menschen aus der jüdischen Gemeinde von Worms. Es gibt etwa 2500 Grabsteine. Der älteste erhaltene stammt von 1058 oder 1059. Das ist fast tausend Jahre her. Üblich wäre die Ausrichtung der Gräber nach Osten. Hier zeigen fast alle ungefähr nach Norden. Der Friedhof gehört heute zum Welterbe der UNESCO. Was von deinem Leben würde wohl nach tausend Jahren noch zu sehen sein?
Koordinaten: 49.629722222, 8.355555555 · auf der Karte