Stadtohr

Stadtrundgang Wismar · Station 9 von 16

Marienkirche

um 1260 · kirche, sprengung, turm, glocken

Ausführlich

Sie stehen am St.-Marien-Kirchhof, zwischen Marktplatz und Fürstenhof. Vor Ihnen erhebt sich ein Turm, 80,5 Meter hoch. Er ist alles, was von der Marienkirche geblieben ist. Sie war die Hauptpfarrkirche und die Ratskirche der Marktstadt und gehört zu den ältesten Bauwerken Wismars. Schon für 1250 ist eine Marienkirche belegt. Um 1260 bis 1270 wurde eine Hallenkirche mit Westturm gebaut. Ihr Langhaus war 36 Meter breit, die Gewölbe waren etwa 16 Meter hoch. Eine Quelle sagt: Diese gewaltigen Maße zeugen von der wirtschaftlichen Leistungskraft der Stadt im 13. Jahrhundert. Dann wurde der Chor abgerissen und neu gebaut, um 1320 bis 1339 unter Werkmeister Johann Grote. 1353 wurde geweiht. Das alte Langhaus trug man nach und nach ab, sein Backstein diente dem Bau der Basilika, die dem Vorbild der Lübecker Marienkirche entsprach. Um 1370 und 1375 war das Langhaus vollendet, mit 32,2 Metern Gewölbehöhe. Der Turm wurde in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts um drei Geschosse aufgemauert. Mit einem hölzernen, kupferverkleideten Helm kam er auf etwa 120 Meter. Schauen Sie an den Kanten des Turms hinauf. Weiße Kalksteinbinder setzen sich vom roten Backstein ab. Die steile Spitze hielt nicht. 1539 zerstörte ein Blitz den Dachreiter, der sie ersetzt hatte, den nächsten warf 1661 der Sturm herunter. Der provisorische Abschluss von damals blieb bis heute. Im April 1945 trafen Luftminen die Kirche. Das Dach ging verloren, alle Gewölbe stürzten ein. 1951 baute man für die Gemeinde die Neue Kirche, zu der wir noch kommen. Dann kam 1960. Langhaus und Chor wurden gesprengt, unter dem Protest zahlreicher Bürger. Eine Quelle hält fest, dass keine unmittelbare Gefahr des Zusammenbruchs bestand. Das Baumaterial wurde zu Schotter verarbeitet. Den Turm konnte man nicht beseitigen, denn er war als Seezeichen wichtig. Eine geplante Rekonstruktion wurde 2017 aufgegeben. Heute zeigen niedrige Mauern den Grundriss des Schiffs. Manches aus der Ausstattung steht heute anderswo. Das bronzene Taufbecken, um 1335 gegossen, hat in der Nikolaikirche einen neuen Platz. Ein verknotetes Eisengitter, das Taue darstellt, umgibt es. Nach einer Sage versprach der Teufel einem Schmied hundert Goldtaler, wenn er das endlose Gitter innerhalb eines Tages herstellt. Gelang es nicht, sollte die Seele des Schmiedegesellen ihm gehören. Im Volksmund heißt es deshalb Teufelsgitter. Erhalten ist auch der Glockenbestand: Alle 13 Glocken sind noch da. Neun hängen in der Glockenstube und spielen als Glockenspiel nach dem Kirchenjahr wechselnde Choräle.

Kurzfassung

Sie stehen am St.-Marien-Kirchhof vor dem Turm der Marienkirche. Er ist 80,5 Meter hoch und alles, was von der Hauptpfarrkirche und Ratskirche geblieben ist. Das Schiff wurde im Krieg schwer beschädigt und 1960 gesprengt. Den Turm ließ man als Seezeichen stehen.

Für Kinder

Hier stand früher eine riesige Kirche. Heute siehst du nur noch den Turm. Er ist 80,5 Meter hoch. Im Krieg wurde die Kirche stark beschädigt. Im Jahr 1960 sprengte man den Rest, obwohl viele Bürger dagegen protestierten. Den Turm ließ man stehen, denn er war ein Seezeichen, ein Zeichen, an dem man sich vom Meer aus orientieren kann. Auf dem Boden siehst du niedrige Mauern. Sie zeigen, wo die Kirche stand. Kannst du den Grundriss ablaufen? Im Turm hängen Glocken. Neun von ihnen bilden zusammen ein Glockenspiel.

Quellen

Koordinaten: 53.8911, 11.4627 · auf der Karte

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