Stadtohr

Stadtrundgang Weimar · Station 8 von 16

Wittumspalais

1767–1769 · palais, witwensitz, musenhof, welterbe

Ausführlich

Sie stehen vor dem Wittumspalais, zwischen Theaterplatz, Schillerstraße, Zeughof und Geleitstraße. Die Zugangsstraße, die eigentlich ein Platz ist und am Franziskanerkloster vorbeiführt, heißt Am Palais. Das Wort Wittum bedeutet Witwengut, und damit ist das Thema gesetzt. Gebaut wurde das Haus zwischen 1767 und 1769, und zwar nicht für die Herzogin, sondern von Jakob Friedrich von Fritsch, Geheimrat und Minister in Weimar, als Stadtpalais auf dem Gelände eines ehemaligen Franziskanerklosters; in dem Bereich lag auch die Alte Schönfarbe. Der Entwurf stammt von dem sächsischen Landbaumeister Johann Gottfried Schlegel. Die Lage an der Esplanade, der heutigen Schillerstraße, war repräsentativ. Dass Anna Amalia hier landete, war ein Unglücksfall. Am 6. Mai 1774 brannte das Weimarer Residenzschloss. Ab Mai 1774 bewohnte die Herzogin dieses Palais und erwarb es 1775 für 20.100 Reichstaler. Sie blieb bis zu ihrem Tod 1807. Aus dem Ausweichquartier wurde das Zentrum des gesellschaftlichen und literarischen Lebens der Stadt: Hier fanden die berühmten Tafelrunden des Weimarer Musenhofes statt, neben jenen auf den Sommersitzen Ettersburg und Tiefurt. Ab 1775 wurden die Innenräume gestaltet, die Deckengemälde stammen von Adam Friedrich Oeser. Was danach kam, liest sich wie ein Mietspiegel der Weimarer Institutionen. Nach 1807 verwaltete das Herzogliche Hofmarschallamt das Palais. Von 1808 bis 1848 tagte hier die Weimarer Freimaurerloge Anna Amalia zu den drei Rosen. Von 1833 bis 1848 saß im Festsaal der Landtag. 1848 zog die Bibliothek des Lesemuseums ein. Ab 1858 nutzte der Maler Leopold Graf von Kalckreuth den Festsaal als Atelier, von 1864 bis 1868 arbeitete Friedrich Preller dort an seinem Odysseus-Zyklus. Ein Saal, in dem erst getafelt, dann logiert, dann regiert, dann gelesen und schließlich gemalt wurde. 1870 und 1871 ließ Großherzog Carl Alexander umfangreich restaurieren, 1919 übernahm das Goethe-Nationalmuseum das Haus. Die Luftangriffe auf Weimar trafen auch das Wittumspalais: schwere Dachschäden, zerstörte Türen und Fenster. 1949 konnte es wieder als Museum eröffnen, und die Wohnräume bieten ein anschauliches Bild adeliger Wohnkultur. Seit 1998 ist es Teil des Ensembles Klassisches Weimar und damit UNESCO-Welterbe. Schauen Sie sich die platzartige Anlage Am Palais mit ihrem charakteristischen Straßenpflaster an, begrenzt vom Palais, vom Franziskanerkloster und von den Häusern 1 und 2. Und merken Sie sich das Datum 6. Mai 1774: An der letzten Station dieses Rundgangs stehen Sie vor dem Haus, das damals brannte.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem Wittumspalais, zwischen Theaterplatz, Schillerstraße, Zeughof und Geleitstraße. Errichtet wurde es zwischen 1767 und 1769 als Stadtpalais. Von 1774 bis zu ihrem Tod 1807 wohnte hier Herzogin Anna Amalia. Seit 1998 gehört es zum UNESCO-Welterbe.

Für Kinder

Dieses Haus heißt Wittumspalais. Wittum ist ein altes Wort für den Besitz einer Witwe. Gebaut wurde es für einen Minister. Dass dann eine Herzogin einzog, lag an einem Feuer: Am 6. Mai 1774 brannte das Schloss von Weimar, und Herzogin Anna Amalia hatte plötzlich keine Wohnung mehr. Also zog sie hierher und kaufte das Haus ein Jahr später. An ihrem Tisch saßen die berühmten Dichter der Stadt; man nennt das eine Tafelrunde. Wen würdest du an deinen Tisch einladen?

Quellen

Koordinaten: 50.9797, 11.3266 · auf der Karte

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