Sie stehen am Theaterplatz vor dem Haus der Weimarer Republik. Dieses Gebäude hat fünf Leben gehabt, und das letzte ist das mit dem längsten Namen. Es begann als Wagenremise, also als Unterstand für Kutschen, erbaut Anfang des 19. Jahrhunderts nach Entwürfen von Clemens Wenzeslaus Coudray, klassizistisch, derselbe Baumeister, dessen Arbeit Sie an der Bibliothek und am Roten Schloss gesehen haben. Anfang des 20. Jahrhunderts nutzte das Nationaltheater gegenüber den Bau als Kulissenmagazin. Im Zweiten Weltkrieg wurde er durch Bomben leicht beschädigt; das östlich angrenzende ehemalige Zeughaus, später Künstlerheim, traf es stärker, und es wurde später bis auf das Erdgeschoss abgetragen. Mitte der 1950er Jahre wurde der Coudray-Bau entkernt und zur Kunsthalle umgebaut, wobei man die Hauptachse bis in die Ruine des Zeughauses hinein verlängerte. Dann kam das Bauhaus-Museum, das 2019 in einen eigenen Neubau umzog, zu dem dieser Rundgang noch führt. Am 31. Juli 2019 eröffnete hier das Haus der Weimarer Republik, auf den Tag hundert Jahre nach der Verabschiedung der Weimarer Reichsverfassung. Der Ort ist das Argument: Gegenüber, im Deutschen Nationaltheater, tagten 1919 die Abgeordneten der Nationalversammlung. Betrieben wird das Museum vom gemeinnützigen Verein Weimarer Republik e. V., gegründet 2013 mit dem Ziel, die erste deutsche Demokratie in ihrer Geburtsstadt stärker zu thematisieren. Der Baustart war im November 2018. Die Dauerausstellung erzählt die Republik in sechs Kapiteln, und das auf nur 200 Quadratmetern. Darin stecken vierundzwanzig Stunden Lese-, Bild-, Video- und Tonmaterial, dazu Medienstationen, interaktive Spiele und Zeitkapseln, in denen Filmaufnahmen einschneidender Jahre nachvertont werden. Im Café kann man in Tageszeitungen aus der Zeit der Republik stöbern und über Wandtelefone einen Anruf in die Vergangenheit tätigen. Ab Mai 2023 verdoppelte ein Erweiterungsbau die Ausstellungsfläche; die erste Sonderschau dort galt dem 100. Jubiläum der Hyperinflation. Dass dieses Haus nicht nur zurückschaut, zeigte eine Werbekampagne vom April 2023. In Mittelthüringen und auf einem Weimarer Stadtbus standen Sätze der Form Demokratie ist, zum Beispiel: Demokratie ist wie der Bus, nimmt alle mit. Aufsehen erregte dieses Plakat: Demokratie ist, wenn du sagen darfst, dass du nichts mehr sagen darfst. Geschäftsführer Stephan Zänker sagte dazu, Demokratie sei ohne Meinungsfreiheit nicht vorstellbar und funktioniere nur, wenn es Debatten gebe; es müsse auch bedacht werden, dass Widerspruch erlaubt ist. Das Bauhaus-Museum, das vor diesem Museum hier war, wird im einen Quelle auf 1994, im anderen auf 1995 datiert. Ich nenne Ihnen die ältere Angabe und sage dazu, dass es zwei gibt.
Sie stehen am Theaterplatz vor dem Haus der Weimarer Republik. Eröffnet wurde es am 31. Juli 2019, hundert Jahre nach der Verabschiedung der Weimarer Reichsverfassung. Das Museum liegt direkt gegenüber dem Deutschen Nationaltheater, in dem 1919 die Nationalversammlung tagte.
In diesem Haus geht es um Demokratie. Demokratie heißt: Die Menschen in einem Land entscheiden selbst, wer sie regiert. 1919 trafen sich gegenüber im großen Theater gewählte Abgeordnete aus ganz Deutschland. Sie schrieben Regeln auf, nach denen das Land regiert werden sollte. Diese Regeln heißen Verfassung, und weil sie in Weimar beschlossen wurden, spricht man von der Weimarer Republik. Genau hundert Jahre später, 2019, wurde hier das Museum eröffnet. Was wäre für dich die wichtigste Regel?
Koordinaten: 50.9800023, 11.3262489 · auf der Karte