Stadtohr

Stadtrundgang Tübingen · Station 7 von 16

Kornhaus

1453 · kornhaus, theater, schule, stadtmuseum

Ausführlich

Sie sind zurück am Kornhaus. Am Stadtmuseum haben wir über die Sammlung gesprochen, jetzt geht es um das Haus, das sie beherbergt, und das ist eine andere Geschichte. 1453 wurde hier am Ammerkanal ein überdachter Umschlagplatz für Korn eingerichtet. Mehr war es nicht: ein Dach über einem Handelsplatz, am Wasser, weil das Wasser der Transportweg war. Daraus wuchs ein Gebäude. 1512 kam ein Querbau dazu. 1564 wurde das eine Haus aufgestockt, 1607 das zweite. Und mit dem Obergeschoss kam eine zweite Nutzung, die zum Korn nicht passt und gerade deshalb bemerkenswert ist. Oben wurde gefeiert: Feste, Tanzabende, Theatervorführungen. Gespielt wurde entweder von Tübinger Studenten oder von angereisten Schauspielern. Martin Crusius berichtete über zwei Studentenaufführungen: die Susanna von Sixtus Birck und einen gereimten Doktor Faustus eines anonymen Autors. Dieses Faustus-Werk erschien 1588 in Tübingen bei Alexander Hock und wurde im gleichen Jahr hier aufgeführt. Bleiben Sie bei dieser Zahl einen Moment: 1588, in einem Kornspeicher, ein gereimter Faust. Im selben Jahr trat eine Truppe von Andreas Rhot aus Sachsa in der Grafschaft Hohenstein auf, mit einer Tragödie vom Reichen und dem Lazarus. 1596 kam eine englische Truppe und spielte mehrere Liebeskomödien, unter anderem wieder eine Susanna. Unter den Zuschauern saß Herzog Friedrich. Wandertruppen aus England, in Tübingen, über dem Getreide. Dann wurde das Haus Schule. Ab dem 18. Jahrhundert nutzte man es teilweise als Schulhaus, nacheinander als Deutsche Knabenschule, als Mädchenschule und als Realschule. Den Rest nutzte weiterhin der Kornmarkt, der erst 1892 endgültig auszog. Nach einem Umbau zog die Feuerwehr ins Erdgeschoss, nach einem weiteren das Rote Kreuz. Rechnen Sie zusammen: Umschlagplatz, Festsaal, Theater, Schule, Markt, Feuerwache, Rotes Kreuz, Museum. Acht Nutzungen in einem Haus. Der Weg ins Museum war aufwendig. Zwischen 1985 und 1991 wurde das Gebäude für seine neue Aufgabe vorbereitet. Man führte ergiebige archäologische Grabungen und baugeschichtliche Untersuchungen durch, baute dann um und sanierte. Zuständig war von 1986 bis 1992 der in Rottenburg geborene Architekt Johannes Manderscheid. Eine Entscheidung ist dabei wichtig: Der Umbau respektiert den historischen Bestand, auf Rekonstruktionen wurde verzichtet. Es wurde nichts nachgebaut, was verloren war. Zur Eröffnung nennt dieser Quelle 1991, eine Quelle zum Stadtmuseum nennt 1992 für den Einzug. Zwei Angaben, beide genannt. Schauen Sie zum Schluss die Fassade entlang und suchen Sie die Fugen zwischen den Bauteilen. Dann gehen wir zur katholischen Pfarrkirche.

Kurzfassung

Sie sind zurück am Kornhaus, diesmal geht es um das Haus. 1453 wurde hier am Ammerkanal ein überdachter Umschlagplatz für Korn eingerichtet. 1512 kam ein Querbau dazu, 1564 und 1607 wurde aufgestockt. Im Obergeschoss wurde gefeiert und Theater gespielt.

Für Kinder

Dieses Haus hat in seinem Leben viele Aufgaben gehabt. Angefangen hat es 1453 als Dach über einem Platz, an dem Getreide gehandelt wurde. Deshalb heißt es Kornhaus. Später wurde es größer und bekam ein Obergeschoss. Dort oben wurde getanzt und Theater gespielt, direkt über dem Getreide. 1588 spielten Studenten hier ein Stück über den Doktor Faustus. Acht Jahre danach kam eine Schauspielgruppe aus England. Noch später war in dem Haus eine Schule, dann der Getreidemarkt, dann die Feuerwehr, dann das Rote Kreuz. Heute ist das Stadtmuseum darin. Zähl einmal nach: Wie viele verschiedene Dinge war dieses Haus schon? Was würdest du daraus machen?

Quellen

Koordinaten: 48.521216, 9.05328 · auf der Karte

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