Stadtohr

Stadtrundgang Stuttgart · Station 2 von 14

Domkirche St. Eberhard

1811 · kirche, katholisch, patron, wiederaufbau

Domkirche St. Eberhard
Foto: user:Enslin, CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons

Ausführlich

Sie stehen vor der Domkirche St. Eberhard. Seit 1978 ist sie die zweite Kathedralkirche des Bistums Rottenburg-Stuttgart, eine Konkathedrale. Die erste, der Dom St. Martin, steht in Rottenburg. Anlass war das 150-jährige Jubiläum des Bistums und seine Umbenennung. Die Geschichte dieser Kirche beginnt mit einer Erlaubnis. 1806 wurde die Ausübung der katholischen Konfession in Württemberg unter königlichen Schutz gestellt. Erhalten geblieben war seit der Reformation die katholische Hofkapelle der Herzöge. An ihren Gottesdiensten nahm auch die katholische Minderheit der Bevölkerung teil. Daraus konnte nun eine selbständige Pfarrei werden, die erste katholische Pfarrei in Stuttgart seit der Reformation. Sie tagte zuerst in der französischen Kirche beim Bebenhäuser Hof, dann in der ehemaligen Garnisonskirche. 1807 wies König Friedrich I. der Gemeinde einen Bauplatz in der unteren Königstraße zu. Er war für das Königshaus reserviert gewesen. Der Grundstein wurde 1808 gelegt, ohne besondere Anteilnahme der überwiegend evangelischen Bevölkerung. Nun die Überraschung. Der Bau war ein Wiederaufbau. Die Kirche stand ursprünglich als evangelische Kirche bei Schloss Solitude. 1808 trug man sie dort sorgfältig ab und baute sie hier wieder auf. Von dieser Vorgängerkirche sind heute nur noch der Grundriss und das Türmchen mit der Spitzkuppel erhalten, das die Fassade kennzeichnet. Schauen Sie hinauf zur Fassade. Dann der Name. Am 1. Oktober 1811 weihte der Augsburger Weihbischof Fürst Karl von Hohenlohe die Kirche. König Friedrich I. hatte ihn angewiesen, sie nach seinem Vorfahren zu benennen, dem legendären Grafen Eberhard im Bart. Das war kirchenrechtlich schwierig. Eberhard im Bart steht in keinem Heiligenkalender, als Patron kam er nicht in Frage. Das Wohlwollen des Königs wollte man aber nicht verscherzen. Zunächst nahm man den heiligen Eberhard I., Erzbischof von Salzburg, als Patron an. Später favorisierte man den seligen Eberhard von Nellenburg, den Gründer des Klosters Allerheiligen in Schaffhausen. Die Diskussion beendete erst 1955 Bischof Carl Joseph Leiprecht. Bei der Weihe der wiederaufgebauten Kirche bestimmte er in der Weiheinschrift beide Eberharde zu Patronen. Die Kirche wurde mehrfach umgestaltet. 1933 und 1934 entfernte man die bilder- und farbenreiche Innenausstattung und richtete sie neoklassizistisch ein. 1944 zerstörten zwei Bombenangriffe sie vollständig. Hugo Schlösser baute sie auf dem alten Grundriss wieder auf. 1990 und 1991 folgte unter Bert Perlias eine tiefgreifende Umgestaltung des Innenraums, durch die sie ihre heutige Gestalt erhielt. Die Orgel stammt von 1982 und hat 56 Register. Sechs Glocken läuten: vier Bronzeglocken von 1957 aus Stuttgart und zwei kleine von 2018 aus Innsbruck.

Kurzfassung

Sie stehen vor der Domkirche St. Eberhard. 1811 wurde sie geweiht, seit 1978 ist sie die zweite Kathedralkirche des Bistums Rottenburg-Stuttgart. Der König wollte sie nach Eberhard im Bart benennen, als Patrone gelten zwei andere Eberharde. 1944 zerstört, war sie 1955 wieder aufgebaut.

Für Kinder

Diese Kirche ist umgezogen. Zuerst stand sie bei Schloss Solitude, als evangelische Kirche. 1808 trug man sie sorgfältig ab und baute sie hier wieder auf. Nur der Grundriss und ein Türmchen mit spitzer Kuppel an der Fassade sind davon geblieben. Der König wollte, dass die Kirche nach seinem Vorfahren Eberhard im Bart heißt. Aber der war kein Heiliger, und das war ein Problem. Findest du das Türmchen?

Quellen

Koordinaten: 48.7797, 9.18 · auf der Karte

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