Stadtohr

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Auf der Königsstraße von Mainz nach Görlitz

Via Regia · Die Königsstraße vom Rhein bis zur Neiße

9Städte
718 kmFahrstrecke
9 h 13 minFahrzeit
141Stationen

Via Regia heißt Königliche Straße. Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit war das zunächst keine einzelne Straße, sondern ein Sammelbegriff für Wege, die unter dem Schutz eines Herrschers standen: Handelswege und Militärstraßen ebenso wie Pilgerwege. Solche Straßen gab es viele, etwa die von Stettin über Menzlin nach Wismar, Lübeck und Hamburg. Bei der bekanntesten, der vom Rhein nach Schlesien, wurde aus der Bezeichnung für eine Straßenart im Lauf der Zeit der Name einer bestimmten Straße.

1252 wird sie in einer Urkunde des Markgrafen Heinrich von Meißen erstmals als Königsstraße (strata regia) erwähnt; ihre Anfänge reichen ins 8. und 9. Jahrhundert zurück. Nach der Schlacht bei Lucka 1307 verlor sie in Mitteldeutschland ihre königliche Funktion. Als Hohe Straße bestand sie weiter, nun unter der Aufsicht von Landesherren und durch den Straßenzwang privilegiert. Ihre Bedeutung erlosch erst nach Napoleon, als der Straßenzwang zugunsten Leipzigs nach dem Wiener Kongress nicht mehr zu halten war.

Auf der Straße wurde gehandelt: Aus dem Westen kamen die Tuche Flanderns, aus dem Osten Holz, Felle, Wachs und Honig, aus der Mitte der Färberwaid des Thüringer Beckens. Sie verband die Messestädte Frankfurt am Main und Leipzig. Armeen zogen auf ihr, und in ihrem Einzugsbereich liegen Schlachtorte wie Breitenfeld, Lützen, Bautzen und Leipzig. Im März 1945 verlief der Todesmarsch vom KZ Adlerwerke in Frankfurt zum KZ Buchenwald zwischen Frankfurt und Hünfeld auch über die Via Regia. Und es zogen Pilger auf ihr, zur Aachener Heiligtumsfahrt und nach Santiago de Compostela. Zeugnisse von Pilgerfahrten nach Santiago sind unter anderem aus Görlitz, Leipzig, Erfurt, Gotha, Frankfurt am Main und Mainz bekannt.

Seit den 1990er Jahren wird die Bezeichnung zu Vermarktungszwecken entwickelt. 2005 erklärte der Europarat die Via Regia zur Kulturstraße, seit 2009 koordiniert ein Netzwerk Initiativen und Kulturprojekte entlang der Route. In diesem weiteren Verständnis ist sie 4500 Kilometer lang und durchquert acht europäische Länder. Der Ökumenische Pilgerweg Mitteldeutschland folgt dem Verlauf von Görlitz über Leipzig und Erfurt nach Vacha. Der historische Verlauf wird heute durch mehrere Straßen markiert, zwischen Eisenach und Erfurt etwa durch die Bundesstraße 7.

Neun Städte dieses Portals liegen an der Strecke: Mainz, Frankfurt am Main, Eisenach, Gotha, Erfurt, Naumburg, Leipzig, Bautzen und Görlitz. Wer sie in dieser Reihenfolge anfährt, legt rund 718 Kilometer zurück, die Fahrzeit beträgt neun Stunden und 13 Minuten. Die Via Regia im weiteren Sinn ist deutlich länger, die Straße führte auch hinter Görlitz weiter bis nach Breslau.

MainzFrankfurt am MainEisenachGothaErfurtNaumburg (Saale)LeipzigBautzenGörlitz

Die 9 Halte

Halt 1

Mainz

Erzbischöfe, Römer und ein Drucker · 16 Stationen · 5,3 km zu Fuß

Mainz steht am Anfang der Strecke. Bei Mainz begann die Straße und führte zunächst parallel zum Main durch kurmainzisches Gebiet; am Rhein stand sie unter der Aufsicht des Erzstifts Mainz. Auch aus Mainz sind Pilgerfahrten nach Santiago de Compostela bezeugt. Der Rundgang beginnt am Dom, den Erzbischof Willigis als Staatsdom bauen ließ.

Rundgang Mainz →

↓ 39 km · 38 min Fahrt

Halt 2

Frankfurt am Main

Kaiser, Parlament und Bankentürme · 16 Stationen · 5,3 km zu Fuß

Frankfurt und Leipzig, die beiden großen deutschen Messestädte, waren durch die Via Regia unmittelbar verbunden. Von Frankfurt aus verlief die Straße über Hanau und Gelnhausen nach Osten. Im Stadtteil Bergen-Enkheim erinnert der Platz Entrée Hohe Straße an einen ihrer Zweige. Der Rundgang beginnt am Commerzbank Tower und führt unter anderem zum Römer und zur Paulskirche.

Rundgang Frankfurt am Main →

↓ 200 km · 2 h 14 min Fahrt

Halt 3

Eisenach

Eine Burg, eine Bibel und ein Taufstein · 16 Stationen · 5,6 km zu Fuß

In Eisenach bogen Pilger, die zur Aachener Heiligtumsfahrt zogen, auf die Fernstraße „durch die langen Hessen“ nach Marburg und Köln ab. Die Via Regia selbst führte weiter nach Gotha. Der Rundgang beginnt an der Wartburg, 411 Meter hoch über der Stadt, 1080 erstmals genannt und der Ort, an dem Martin Luther das Neue Testament übersetzte. Von dort geht es hinunter in die Altstadt.

Rundgang Eisenach →

↓ 43 km · 38 min Fahrt

Halt 4

Gotha

Frieden, Barockbühne und ein goldener Kopf · 15 Stationen · 4,1 km zu Fuß

In Gotha lässt sich der Weg der Straße bis in die Straßennamen verfolgen: Am Bertha-von-Suttner-Platz traf sie auf das Brühler Tor, den Nordwestausgang der mittelalterlichen Stadt, und führte über Hauptmarkt und Marktstraße zum Siebleber Tor im Osten. Der Rundgang beginnt am Schloss Friedenstein, einer frühbarocken Vierflügelanlage ab 1643. Der Name erinnert an die Sehnsucht nach Frieden nach dem Dreißigjährigen Krieg.

Rundgang Gotha →

↓ 26 km · 42 min Fahrt

Halt 5

Erfurt

Zwei Türme und eine vergessene Synagoge · 16 Stationen · 4,5 km zu Fuß

Erfurt durchquerte die Straße von West nach Ost: vom Lauentor über den Domplatz, die Marktstraße, die Krämerbrücke und die Kaufmannskirche bis zum Krämpfertor. Auf dem Domplatz beginnt auch der Rundgang, vor dem Dom, mit dessen heutigem Bau 1154 begonnen wurde. Im Mittelturm hängt die Gloriosa. Auch aus Erfurt sind Pilgerfahrten nach Santiago de Compostela bezeugt.

Rundgang Erfurt →

↓ 108 km · 1 h 25 min Fahrt

Halt 6

Naumburg (Saale)

Stifter, Bürger und der Brand von 1517 · 16 Stationen · 3,1 km zu Fuß

Von Erfurt lief die Straße über Buttelstedt nach Eckartsberga, in Bad Kösen über eine Saalebrücke nach Naumburg und von dort über Weißenfels nach Leipzig. Der Rundgang beginnt am Dom, der größtenteils aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts stammt und seit 2018 zum Welterbe der Unesco gehört. Berühmt ist sein Westchor mit zwölf Stifterfiguren.

Rundgang Naumburg (Saale) →

↓ 70 km · 59 min Fahrt

Halt 7

Leipzig

Messe, Musik und Montagsgebete · 16 Stationen · 3,4 km zu Fuß

Leipzig war neben Frankfurt am Main die zweite große Messestadt an der Straße. Sie erreichte die Stadt am Ranstädter Steinweg und führte von hier über Eilenburg oder Grimma weiter nach Osten. Der Straßenzwang zugunsten Leipzigs war nach dem Wiener Kongress nicht mehr zu halten, weil das sächsische Staatsgebiet verkleinert wurde. Der Rundgang beginnt an der Thomaskirche, wo Johann Sebastian Bach von 1723 bis 1750 Thomaskantor war.

Rundgang Leipzig →

↓ 176 km · 1 h 52 min Fahrt

Halt 8

Bautzen

Türme, Brände und die Sorben · 15 Stationen · 3,4 km zu Fuß

Östlich von Leipzig führte die Straße durch die Oberlausitz, über Königsbrück und Kamenz nach Bautzen und weiter über Löbau nach Görlitz. Zu den großen Schlachten im Einzugsbereich der Straße zählt die von Bautzen. Der Rundgang beginnt am Sorbischen Institut, das seit 1951 Sprache, Geschichte und Kultur der Sorben erforscht, und führt zu Lauenturm, Matthiasturm und Ortenburg.

Rundgang Bautzen →

↓ 55 km · 45 min Fahrt

Halt 9

Görlitz

Waid, Via Regia und die östlichste Stadt Deutschlands · 15 Stationen · 2,6 km zu Fuß

Görlitz, die östlichste Stadt Deutschlands, ist der Endpunkt dieser Strecke. Aus Görlitz sind Pilgerfahrten nach Santiago de Compostela bezeugt, 1465 pilgerte der Görlitzer Georg Emerich nach Jerusalem. 2011 war Görlitz Schauplatz der 3. Sächsischen Landesausstellung zur Via Regia. Die Straße führte weiter über Lauban und Bunzlau nach Liegnitz und Breslau; das Schlesische Museum zu Görlitz steht auf dem Rundgang.

Rundgang Görlitz →

Häufige Fragen

Wie lange braucht man für die Via Regia?

Die reine Fahrzeit beträgt 9 h 13 min auf 718 Kilometern. Dazu kommen 141 Stationen in 9 Städten – wer alle Rundgänge geht, plant mehrere Tage ein.

Was kostet das?

Nichts. Alle Rundgänge auf dieser Strecke sind kostenlos, ohne Konto und ohne Installation. Sie öffnen sie im Browser und gehen los.

Muss ich die Reihenfolge einhalten?

Nein. Jede Stadt steht für sich und hat ihren eigenen Rundgang. Die Reihenfolge hier ist nur der kürzeste Weg von einer zur nächsten.

Brauche ich ein Auto?

Für die Strecke zwischen den Städten ja. In den Städten selbst sind alle Rundgänge zu Fuß gedacht.

Der Verlauf folgt dem Wikipedia-Artikel „Via Regia“. Die Fahrstrecken sind mit OpenStreetMap-Daten berechnet.