Stadtohr

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Drei Städte, drei Buchstaben, ein Bund

SchUM-Städte · Speyer, Worms und Mainz am Rhein

3Städte
111 kmFahrstrecke
1 h 26 minFahrzeit
47Stationen

SchUM heißt der Verbund, den die jüdischen Gemeinden von Speyer, Worms und Mainz im Mittelalter bildeten. Das Wort setzt sich aus den hebräischen Anfangsbuchstaben der Stadtnamen zusammen: Schin für Schpira, Waw für Warmaisa, Mem für Magenza. In hebräischen Quellen heißen die Gemeinden seit dem 12. Jahrhundert auch „die Heiligen Gemeinden“. Mainz war die Muttergemeinde.

Seit dem 10. Jahrhundert bildeten sich am Rhein jüdische Gemeinden: in Mainz Mitte des 10. Jahrhunderts, in Worms um 1000, in Speyer spätestens 1084. Vermutlich siedelten sich jüdische Fernhändler aus Italien und Frankreich an. Aus der engen Verbindung der drei Gemeinden wurde ein reger Austausch unter Gelehrten, Studenten kamen aus allen Teilen Europas. Einer von ihnen war Raschi aus Frankreich, der vor allem mit seinen Kommentaren zur hebräischen Bibel und zum Talmud Ruhm erlangte. Auf Versammlungen, die seit 1120 belegt sind, einigten sich die Gemeinden ab 1220 auf gemeinsame Satzungen, die Taqqanot. Bis heute verweist jeder aschkenasische Ehevertrag auf sie.

Zur Geschichte gehört auch die Gewalt. 1096 wurden die Gemeinden im Umfeld des ersten Kreuzzugs überfallen. In Speyer starben am 3. Mai elf Menschen; dem Bischof gelang es, die Gemeinde größtenteils zu schützen. In Worms und Mainz entglitt die Lage der Obrigkeit, jeweils mehrere hundert Juden wurden ermordet. Bei den Pestpogromen zwischen 1348 und 1351 wurden die Gemeinden in Mainz und Speyer zerstört, in Worms wurden am 30. Januar 1349 rund 400 Juden erschlagen. Damit endete Mitte des 14. Jahrhunderts die Blütezeit des Verbunds. Juden kehrten in alle drei Städte zurück, doch außer in Worms war die Kontinuität von Lehren und Lernen gebrochen.

Spätestens ab den 1860er Jahren waren Juden rechtlich mit den übrigen deutschen Bürgern gleichgestellt. Der Nationalsozialismus zerstörte das jüdische Leben am Rhein nahezu völlig. Am 10. November 1938 wurden die Synagogen angezündet: in Speyer die 1837 erbaute, in Worms die mittelalterliche samt Frauenschul, in Mainz die Hauptsynagoge von 1911/12. Wer geblieben war, wurde ab 1942 deportiert, die meisten wurden ermordet. Die Gemeinden der drei Städte wurden in der Shoah ausgelöscht.

Seit dem 27. Juli 2021 sind die SchUM-Stätten UNESCO-Welterbe: in Speyer das Gemeindezentrum Judenhof mit Mikwe und Synagoge, in Worms der Synagogenbezirk und der alte jüdische Friedhof „Heiliger Sand“, in Mainz der alte jüdische Friedhof „auf dem Judensand“. Das Land Rheinland-Pfalz hat sich seit 2004 gemeinsam mit den drei Städten und den jüdischen Gemeinden in Mainz und Speyer dafür eingesetzt. Die drei Städte liegen zusammen 111 Kilometer auseinander, die Fahrzeit beträgt 1 Stunde und 26 Minuten.

SpeyerWormsMainz

Die 3 Halte

Halt 1

Speyer

Kaiser, Wein und Protestation · 15 Stationen · 4,8 km zu Fuß

In Speyer bestand die jüdische Gemeinde spätestens seit 1084; Bischof Rüdiger Huzmann siedelte sie an. Zum Welterbe zählt hier das Gemeindezentrum Judenhof mit Mikwe, Synagoge und Frauenschul. 1096 gelang es dem Bischof, die Gemeinde größtenteils zu schützen, am 3. Mai starben elf Menschen. Auf dem Rundgang durch die Altstadt steht der 1061 geweihte Dom.

Rundgang Speyer →

↓ 51 km · 40 min Fahrt

Halt 2

Worms

Dom, Judengasse und ein Drachentöter · 16 Stationen · 3,5 km zu Fuß

Die Juden von Worms wurden bis zur Zeit des Nationalsozialismus nicht dauerhaft aus der Stadt vertrieben. Raschi verbrachte hier nur wenige Jahre, doch der Ruhm des jüdischen Worms geht wesentlich auf ihn zurück. Auf dem Rundgang liegen der alte jüdische Friedhof Heiliger Sand, die Synagoge Worms und das Raschi-Haus, in dem heute das Jüdische Museum untergebracht ist. Die mittelalterliche Synagoge brannte am 10. November 1938.

Rundgang Worms →

↓ 60 km · 46 min Fahrt

Halt 3

Mainz

Erzbischöfe, Römer und ein Drucker · 16 Stationen · 5,3 km zu Fuß

Mainz war die Muttergemeinde des Verbunds; die Gemeinde entstand Mitte des 10. Jahrhunderts. Der Gelehrte Gerschom ben Jehuda starb hier 1028 oder 1040, am 27. und 28. Mai 1096 wurden mehrere hundert Juden ermordet. Mit den Vertreibungen von 1438 und 1471 war die Muttergemeinde Geschichte. Zum Welterbe gehört der alte jüdische Friedhof auf dem Judensand; der Rundgang durch die Altstadt beginnt am Dom.

Rundgang Mainz →

Häufige Fragen

Wie lange braucht man für die SchUM-Städte?

Die reine Fahrzeit beträgt 1 h 26 min auf 111 Kilometern. Dazu kommen 47 Stationen in 3 Städten – wer alle Rundgänge geht, plant mehrere Tage ein.

Was kostet das?

Nichts. Alle Rundgänge auf dieser Strecke sind kostenlos, ohne Konto und ohne Installation. Sie öffnen sie im Browser und gehen los.

Muss ich die Reihenfolge einhalten?

Nein. Jede Stadt steht für sich und hat ihren eigenen Rundgang. Die Reihenfolge hier ist nur der kürzeste Weg von einer zur nächsten.

Brauche ich ein Auto?

Für die Strecke zwischen den Städten ja. In den Städten selbst sind alle Rundgänge zu Fuß gedacht.

Der Verlauf folgt dem Wikipedia-Artikel „SchUM-Städte“. Die Fahrstrecken sind mit OpenStreetMap-Daten berechnet.