Stadtohr

Stadtrundgang Lüneburg · Station 4 von 11

Brömsehaus

Anfang 15. Jahrhundert · Salz, Hanse, Bürgertum

Ein schmales, hohes Bürgerhaus aus Backstein mit einem spitz zulaufenden Giebel zur Straße. Die Fassade ist durch senkrechte Nischen und Blenden gegliedert. Das Haus steht in einer Reihe ähnlicher, aber jüngerer Häuser.
Foto: Apostoloff, CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons

Ausführlich

Sie stehen vor dem Brömsehaus, Am Berge 35. Erbaut wurde es Anfang des 15. Jahrhunderts, und damit gehört es zu den ältesten Bürgerhäusern der Stadt. Es steht unter Denkmalschutz. Benannt ist es nach dem Sülfmeister Dietrich Brömse. Bei diesem Wort bleiben wir einen Moment, denn an ihm hängt das ganze Gesellschaftssystem Lüneburgs. Stellen Sie sich die Saline vor. In ihrer Mitte lag der Sod, der Salzbrunnen. Um ihn herum standen vierundfünfzig Siedehütten. Jede Hütte hatte vier Siedepfannen. Das sind zweihundertsechzehn Pfannen, die Tag und Nacht brodelten. Über Rinnen und Kanäle holte man die Sole aus der Tiefe nach oben und verteilte sie. Dann kochte man sie ein, bis nur noch Salz übrig blieb. Dafür brauchte man Holz, und zwar unfassbar viel Holz. Die Lüneburger Heide, die heute so schön kahl und lila vor der Stadt liegt, ist zu einem guten Teil das Ergebnis dieser Feuer. Man hat die Wälder verheizt. Jetzt kommt der entscheidende Teil. Die Eigentümer der Pfannen hießen Sülzbegüterte. Sie mussten nicht in Lüneburg wohnen, viele taten es auch nicht. Sie verpachteten ihre Pfannen an Leute vor Ort, die Siedeberechtigten. Die Pacht betrug die Hälfte des Ertrags einer Pfanne. Die Hälfte. Wer mindestens vier Pfannen gepachtet hatte, durfte sich Sülfmeister nennen und hatte Anspruch auf eine eigene Siedehütte. Mehr als zwei Hütten, also acht Pfannen, durfte niemand besieden. Eine Obergrenze gegen zu große Macht eines Einzelnen, mitten im Mittelalter. Und nun die Zahlen, die den eigentlichen Umbruch zeigen. Anfang des 13. Jahrhunderts teilten sich die Pfannenbesitzer in Geistliche und Adlige. Zwischen 1250 und 1320 stieg der bürgerliche Anteil deutlich, der adlige nahm ab. Um 1370 war bürgerlicher und geistlicher Besitz etwa gleich groß. Lesen Sie das noch einmal. Über hundertzwanzig Jahre hinweg wandert das Salz vom Adel zum Bürgertum. Niemand hat eine Revolution gemacht. Es wurde gekauft, geerbt, verpachtet, zurückgezahlt. Und am Ende stand das Bürgertum da und baute sich Häuser wie dieses. Ein Sülfmeister war also kein Edelmann. Er war ein Unternehmer. Heute hat die Carl-Schirren-Gesellschaft ihren Sitz im Brömsehaus und nutzt es für deutsch-baltische Kulturveranstaltungen. Zur Quellenlage: Wikipedia datiert den Bau auf den Anfang des 15. Jahrhunderts, Wikidata nennt 1500. Ich nenne Ihnen die ältere Angabe und sage dazu, dass es zwei gibt.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem Brömsehaus, Am Berge 35. Es wurde Anfang des 15. Jahrhunderts erbaut und gehört zu den ältesten Bürgerhäusern der Stadt. Benannt ist es nach dem Sülfmeister Dietrich Brömse. Heute hat die Carl-Schirren-Gesellschaft hier ihren Sitz.

Für Kinder

Hier hat ein Sülfmeister gewohnt. Komisches Wort, oder? Ein Sülfmeister war so etwas wie ein Salz-Chef. Das ging so: Man pumpte salziges Wasser aus dem Boden und kochte es in riesigen Pfannen, bis das Wasser weg war und nur noch Salz übrig blieb. Wer mindestens vier solche Pfannen hatte, durfte sich Sülfmeister nennen. Aber – und das finde ich klug – keiner durfte mehr als acht haben. Damit niemand zu mächtig wurde. Dieses Haus ist über sechshundert Jahre alt. Stell dir vor, wie viele Menschen hier schon zur Tür hereingekommen sind, nass vom Regen, mit kalten Händen. Und das Haus steht immer noch.

Was Sie vor sich sehen

Ein schmales, hohes Bürgerhaus aus Backstein mit einem spitz zulaufenden Giebel zur Straße. Die Fassade ist durch senkrechte Nischen und Blenden gegliedert. Das Haus steht in einer Reihe ähnlicher, aber jüngerer Häuser.

In English

This is the Brömsehaus at Am Berge 35, built in the early fifteenth century and one of the oldest burgher houses in the city. It is named after the salt master Dietrich Brömse. That word carries the whole social order of the town. The owners of the boiling pans, who did not even have to live in Lüneburg, leased them to local men for half the yield. Anyone leasing at least four pans could call himself a salt master and claim a boiling house of his own. Nobody was allowed more than eight pans, a ceiling against too much power. So this was not a nobleman's house. It was an entrepreneur's.

Quellen

Koordinaten: 53.24941, 10.41143 · auf der Karte

Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL. Routing und Belag: Valhalla auf OSM-Daten. Objektdaten: Wikidata (CC0) und Denkmalatlas Niedersachsen. Fotos: Wikimedia Commons, Urheber und Lizenz je Bild angegeben.