Sie stehen vor dem Domnapf, etwa 20 Meter westlich des Hauptportals. Die Schale hat die Form eines flachen, runden Kelches, ihr oberer Durchmesser beträgt knapp zwei Meter. Sie ruht auf einem achteckigen Podest aus Sandsteinplatten, umgeben von 20 Sandsteinsäulen. Schauen Sie auf den Rand: Dort läuft ein Messingband mit einer lateinischen Inschrift, die erklärt, wozu die Schale dient. Sobald ein neuer Bischof mit seinem Gefolge in die Stadt einreitet, gießt er Wein hinein. Zugleich gilt die Schale als Grenze, als Schutzwall und als Hort der Freiheit, für Angeklagte als Zuflucht, Hafen und Altar. Außen sind Wappen angebracht, darunter das des Hochstifts Speyer mit Maria. Eine Jakobsmuschel weist auf Speyer als Startort der Pfälzer Jakobswege hin. Errichtet wurde der Domnapf im Mittelalter, vermutlich 1294. Urkundlich erwähnt wird er erstmals 1314. 1490 erhielt er seine jetzige Form. Ludwig von Helmstatt, von 1478 bis 1504 Bischof von Speyer, ließ in diesem Jahr die Inschrift anbringen. Der Napf markierte die Grenze zwischen der Freien Reichsstadt und dem Hochstift. In der Reichsstadt Verurteilte suchten deshalb mitunter Zuflucht beim Bischof, auf dessen Gnade sie hofften. So wurde er auch zu einer Art Freiheitssymbol. Es gab aber auch die andere Seite. Böszüngige Frauen und untreue Männer mussten, fast nackt, einen Schandstein am Hals vom Domnapf über etwa 700 Meter bis zum Altpörtel tragen. Zu diesem Tor kommen wir noch. Auch der Pranger stand neben dem Domnapf. Zuletzt zu Zeiten des Hochstifts wurde er im Januar 1611 gefüllt, als der neue Bischof Philipp Christoph von Sötern einritt. Danach verhinderten Kriege und Zerstörungen größere Feiern. 1794 entfernten französische Revolutionstruppen den Domnapf und setzten einen Freiheitsbaum an seine Stelle. Danach wanderte er mehrfach, bis er 1989 bei der Umgestaltung des Domplatzes an den ursprünglichen Platz zurückkam. Nach Angaben des Bistums wurde er zwischen 1930 und 2011 15-mal mit Wein gefüllt. 2011, zum 950-jährigen Domjubiläum, kam aus Gründen der Hygiene erstmals eine Plastikschale mit 1000 Litern zum Einsatz. 2017 spendete die Weinbruderschaft der Pfalz zum 200-jährigen Bistumsjubiläum einen Riesling.
Sie stehen vor dem Domnapf, einer großen Sandsteinschale vor dem Kaiserdom. Sie fasst 1580 Liter und soll nach jeder Neuwahl eines Bischofs mit Wein gefüllt werden. Errichtet wurde sie vermutlich 1294, erstmals erwähnt 1314. Ihre jetzige Form erhielt sie 1490.
Vor dir steht eine riesige Schale aus Stein, fast zwei Meter breit. Sie fasst 1580 Liter. Wenn ein neuer Bischof in die Stadt ritt, wurde sie mit Wein gefüllt, für alle Leute. Das ist sehr viel Wein. Die Schale war auch eine Grenze: Wer verurteilt war, suchte auf der Seite des Bischofs Zuflucht. Zu Zeiten des Hochstifts wurde sie zuletzt im Januar 1611 gefüllt, als ein neuer Bischof einritt. Wie oft könntest du dein Trinkglas füllen, bis die Schale leer ist?
Koordinaten: 49.317262, 8.441201 · auf der Karte