Willkommen in Schwerin. Wir fangen auf der Insel an, denn mit ihr fängt alles an, und wir kommen am Ende des Rundgangs hierher zurück. Sie stehen vor dem Schweriner Schloss. Schauen Sie sich den Grundriss an, so weit Sie ihn von hier überblicken: Die Anlage ist ringförmig. Das ist keine Laune eines Architekten. Der Ring folgt dem Wall einer slawischen Burg, die um 941 und 942 auf dieser Insel errichtet wurde. Auf einem massiven Holzrost entstand damals ein Burgwall von etwa fünfundvierzig Metern Ausdehnung. Er hielt nicht. Innerhalb von nur zwanzig Jahren war er marode und kippte samt Außenfassade nach innen um. Um 963 bis 965 baute man einen neuen, stärkeren darüber. Es gibt einen Zeugen für diese Zeit, und er kommt von weit her. Der Kaufmann Ibrahim Ibn Jakub aus dem arabischen Andalusien reiste 965 von Magdeburg aus durch das slawische Gebiet östlich der Unterelbe. In Aufzeichnungen von 973 beschreibt er eine offenbar noch im Bau befindliche Burg am Ufer eines Süßwassersees. Wahrscheinlich ist das diese Insel. 1987 und 2014 wurde gegraben, und die Hölzer, die man fand, wurden in Laboren des Deutschen Archäologischen Instituts datiert: 962, 964, 965 und 974. Ein arabischer Reisender und vier Jahresringe, die zusammenpassen. 1160 kam der Krieg. Die Burg war Ziel eines Eroberungsfeldzuges unter Heinrich dem Löwen. Die obotritischen Verteidiger unter dem Wendenfürsten Niklot zerstörten sie angesichts der Übermacht selbst und zogen ab. Die Eroberer erkannten die Lage und bauten die Festung wieder auf. Im gleichen Jahr wurde die Stadt gegründet. 1358 kam die Grafschaft durch Kauf an Herzog Albrecht II., einen Nachfahren Niklots, und der verlegte seine Residenz von Wismar hierher, ins Landesinnere. 1560 beauftragte Herzog Johann Albrecht I. seinen Baumeister Johann Baptista Parr mit Umbau und Erweiterung nach dem Vorbild italienischer Renaissancepaläste. Vier Gebäude dieser Zeit stehen im Kern bis heute: das Haus über der Schlossküche, das Bischofshaus, das Neue Lange Haus und das Haus über der Schlosskirche. Ihre Fassaden und Giebel tragen Terrakotten aus der Werkstatt des Statius von Düren. Die Schlosskirche, 1560 bis 1563 von Parr gebaut, war der erste protestantische Kirchenbau Mecklenburgs. Dann wurde es still. 1764 verließ der Hof Schwerin und zog in die neue Residenz Ludwigslust. Erst 1835 kam die Residenz zurück, und die Gebäude waren in schlechtem Zustand. Großherzog Paul Friedrich I. wollte deshalb ganz neu bauen, am Alten Garten. Er starb 1842. Sein Nachfolger Friedrich Franz II. war neunzehn Jahre alt und entschied anders: umbauen statt neu bauen, hier auf der Insel. Dass die vier alten Häuser auf der Seeseite dabei geschont wurden, geht auf Georg Adolph Demmler zurück. Diesem Mann begegnen wir heute noch mehrfach. Seit 1990 sitzt hier der Landtag von Mecklenburg-Vorpommern, seit dem 27. Juli 2024 ist das Schloss Teil des Welterbes. Noch eine Sache, bevor wir gehen: Nach einer Sage lebt hier ein Geist, das Petermännchen. Eine Skulptur dieser Gestalt finden Sie an der Fassade im Innenhof.
Sie stehen vor dem Schweriner Schloss auf der Schlossinsel. Es war die Hauptresidenz der Herzöge und Großherzöge von Mecklenburg-Schwerin. Die Fünfflügelanlage wurde 1560 begonnen und 1857 vollendet. Seit 1990 sitzt hier der Landtag von Mecklenburg-Vorpommern. Seit dem 27. Juli 2024 ist es Welterbe der Unesco.
Du stehst vor einem Schloss auf einer Insel. Hier wohnten früher die Herzöge von Mecklenburg. Das Schloss ist rund gebaut, und das hat einen Grund. Vor über tausend Jahren stand hier schon eine Burg aus Holz und Erde. Sie gehörte den Slawen, die damals hier lebten. Diese Burg war rund. Das heutige Schloss folgt genau dieser Form. Die erste Burg war schlecht gebaut: Nach zwanzig Jahren kippte die Mauer nach innen um. Danach baute man eine stärkere. Forscher haben Holzstücke aus dem Boden geholt und am Alter der Jahresringe erkannt, wann gebaut wurde. Heute arbeitet hier das Parlament des Landes. Fällt dir auf, dass das Schloss rund um einen Hof gebaut ist?
Koordinaten: 53.624166666, 11.418888888 · auf der Karte