Stadtohr

Stadtrundgang Schwäbisch Gmünd · Station 1 von 16

Heilig-Kreuz-Münster

um 1320 · münster, gotik, parler, hallenkirche

Ausführlich

Willkommen in Schwäbisch Gmünd. Wir beginnen vor dem Heilig-Kreuz-Münster, mitten in der Altstadt. Die Stadt liegt im Osten Baden-Württembergs, rund fünfzig Kilometer östlich von Stuttgart, und ist die größte Stadt im Remstal. Der Name erzählt vom Wasser: Er leitet sich vom Zusammenfluss vieler Bäche mit der Rems ab. Von 1805 bis 1934 hieß die Stadt amtlich nur Gmünd, und im Alltag sagt man das bis heute. Das Münster ist eine gotische Hallenkirche. Man baute es um eine rund zweihundert Jahre ältere romanische Basilika herum. Wann der Bau des Langhauses begann, ist umstritten; genannt werden Jahre zwischen 1310 und 1330. Fertig war es 1341. Den Chor begann man gut zehn Jahre später, sein Grundstein am Chornordportal trägt das Datum 17. Juli 1351. Hier arbeitete vor allem die Baumeisterfamilie Parler. Heinrich Parler stammte vermutlich aus Köln, und man nimmt an, dass er sich kurz nach Baubeginn in Gmünd niederließ. Nach seinem Tod vor 1372 übernahm Johann Parler. 1410 wurde der Hochaltar geweiht. Jetzt schauen Sie zum Dach. Sie suchen vergeblich nach Türmen. Es gab zwei, romanische Türme vom Vorgängerbau. In der Karfreitagnacht, am 24. März 1497, stürzten beide ein. Verletzt wurde niemand. Um 1800 nannte man als Grund, dass man einen Bogen entfernt hatte, der die Türme verband und stützte, aber die Sicht in den Chor versperrte. Für einen Wiederaufbau fehlten Geld und Wille. Bis 1507 entstand an der Stelle des Nordturms die Schreyerkapelle, bis 1515 an der Stelle des Südturms die Sakristei. Heute sitzt nur ein kleiner Dachreiter auf dem Dach, 1769 neu gebaut. Dass das Münster den Einsturz überstand, hatte einen Grund: Man hatte die Türme nicht fest mit der Kirche verzahnt. Wären sie verzahnt gewesen, hätte der Einsturz das ganze Münster bedeutet. Die Kirche ist 78 Meter lang. Im Innenraum tragen 22 Säulen das Gewölbe. 1975 schloss man das Münster, weil sich Gewölbeteile gelöst hatten und zu Boden gestürzt waren. Die Sanierung dauerte bis 2009. Seit 2020 wird es erneut saniert, für zehn Jahre. Die Münsterbauhütte steht seit 2020 im Register guter Praxisbeispiele der UNESCO. Als Nächstes folgt der Glockenturm, der die Glocken dieser Kirche trägt.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem Heilig-Kreuz-Münster, im Alltag das Gmünder Münster genannt. Es wurde ab etwa 1320 als Stadtpfarrkirche gebaut, ein gotischer Bau und die erste große Hallenkirche Süddeutschlands. Es gilt als Ausgangswerk der Baumeisterfamilie Parler. Türme hat die Kirche nicht.

Für Kinder

Du stehst vor einer sehr großen Kirche, dem Gmünder Münster. Etwas fehlt: die Türme. Früher standen hier zwei. In der Nacht von Karfreitag im Jahr 1497 stürzten sie beide ein. Zum Glück wurde niemand verletzt. Neue Türme hat man nie gebaut, denn dafür fehlten Geld und Wille. Heute stehen dort, wo die Türme waren, eine Kapelle und die Sakristei. Und was meinst du: Wie lange braucht man wohl, um so eine Kirche zu bauen? Hier waren es rund zweihundert Jahre.

Quellen

Koordinaten: 48.7988, 9.79639 · auf der Karte

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