Stadtohr

Stadtrundgang Schwäbisch Gmünd · Station 9 von 16

Grünes Haus

1658 · fachwerk, bocksgasse, gasse, synagogendenkmal

Ausführlich

Sie stehen vor dem Grünen Haus, Bocksgasse 18. Es ist heute rosa gestrichen. Seinen Namen verdankt es der Farbgebung im 18. Jahrhundert, damals war es grün. Es ist ein stattliches, verputztes Fachwerkhaus, 1658 errichtet von Friedrich Vogt, dem Sohn des Gmünder Baumeisters Kaspar Vogt. Bevor das Haus den Deblern gehörte, war hier die Gaststätte, die der Gasse ihren heutigen Namen gab. Später zog sie in das Anwesen gegenüber. Ein im Haus erhaltenes Pestkreuz kam 1958 ins Museum im Prediger. Die Bocksgasse verläuft von Ost nach West, vom Marktplatz bis zum Josefsbach, und durchquert dabei den Johannisplatz. Sie war eine der zentralen Verkehrsachsen und schloss den Marktplatz an das untere Remstal an. Deshalb baute man hier Gaststätten, Läden und bedeutende Bürgerhäuser, darunter das Palais Debler, das wir gleich besuchen. Die Gasse hatte früher andere Namen. Der Teil bis zum Turniergraben hieß zunächst Kirchgasse, später Predigergasse und Johannisgasse. Dort stand im 12. oder 13. Jahrhundert das erste Bockstor. Der zweite Teil hieß Eytikofergasse, und ab 1831 nannte man ihn nach einem Gasthaus Bocksgasse. Seit 1886 heißen beide Teile so. Noch im 16. Jahrhundert zogen hier regelmäßig Prozessionen vom Kloster Lorch nach Gmünd und zurück. Bis 1966 ging am Rochustag jährlich eine Prozession durch die Gasse zur Wallfahrtsstätte St. Salvator. Sie hatte ihren Ursprung im 17. Jahrhundert: 1635 war in der Bocksgasse die Pest ausgebrochen. Deshalb waren Musik und Tanz in der Gasse bis 1793 untersagt. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts richtete man hier Gmünds erste Fußgängerzone ein. Schauen Sie auf die Häuser: Der Goldene Adler, Nummer fünfzehn, entstand 1392/93 aus zwei älteren Häusern. Der Bildhauer Jakob Wilhelm Fehrle gestaltete 1935 das Fensterband mit Holzreliefs und die goldene Adlerplastik über dem Eingang. Das Mutterhaus, Nummer zwanzig und zweiundzwanzig, baute 1782 der Stadtbaumeister Johann Michael Keller der Jüngere für einen Kaufmann. Die 1852 nach Gmünd gekommenen Vinzentinerinnen erwarben es und bauten es 1860 zum Mutterhaus um. Am Ende der Gasse, vor dem Josefsbach, steht seit dem 9. November 2015 ein treppenförmiges Denkmal. Es bildet die frühere Zugangstreppe der Synagoge maßstabsgetreu nach. Die Namen der Mitglieder der jüdischen Gemeinde sind davor in den Boden eingelassen. Die Synagoge stand jenseits des Bachs am Sparkassenplatz. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde sie nicht niedergebrannt, weil die benachbarte Sparkasse das Gebäude übernehmen wollte. Die Sparkasse kaufte das Gebäude am 17. Mai 1939 zu einem niedrigen Preis von der jüdischen Gemeinde und riss es 1954 ab.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem Grünen Haus, Bocksgasse 18. Das verputzte Fachwerkhaus wurde 1658 von Friedrich Vogt errichtet. Heute ist es rosa gestrichen; seinen Namen verdankt es der grünen Farbgebung im 18. Jahrhundert. Die Bocksgasse war eine der zentralen Achsen der Altstadt.

Für Kinder

Dieses Haus heißt Grünes Haus, aber es ist rosa. Wie kann das sein? Im 18. Jahrhundert war es grün angestrichen, und der Name blieb. Gebaut hat es 1658 ein Mann namens Friedrich Vogt. Die Gasse heißt Bocksgasse. Früher gab es genau in diesem Haus eine Gaststätte, und nach ihr wurde die Gasse benannt. 1635 brach in dieser Gasse die Pest aus, eine schlimme Krankheit. Ein Pestkreuz, das im Grünen Haus erhalten war, steht heute im Museum. Magst du alte Häuser?

Quellen

Koordinaten: 48.79902, 9.79408 · auf der Karte

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