Stadtohr

Stadtrundgang Saarbrücken · Station 3 von 16

Gasthaus zum Stiefel

1718 · gasthaus, brauerei, denkmalschutz

Ausführlich

Sie stehen am St. Johanner Markt vor dem Gasthaus zum Stiefel. Der Name ist keine Erfindung der Werbung, sondern ein Berufszeichen. Um 1700 betrieb an dieser Stelle der Schuster Nickel Kiefer eine Gaststätte, und er nannte sie nach seinem Handwerk: Zum Stiefel. Zwei Jahre später, 1702, gründete Johann Daniel Bruch im Nebengebäude die Brauerei G. A. Bruch, als Gasthausbrauerei. 1718 wurde das Gebäude erbaut, das Sie vor sich haben, unter Verwendung älterer Teile, als Stammhaus der Bruch-Brauerei. Ein dreigeschossiger Massivbau mit Satteldach, dahinter ein kleiner Innenhof. Interessant ist nicht das Haus. Interessant ist, was alles darin stattgefunden hat. 1850 verlegte die Brauerei ihre Braustätte in die Fürstenstraße, um 1900 in einen Neubau in der Scheidterstraße. Das alte Brauhaus stand also leer, und von da an zog ein, was die jeweilige Zeit brauchte. Im Zweiten Weltkrieg richtete der Reichsrundfunksender in der ehemaligen Braustätte ein Studio ein. Nach dem Krieg kam ein französisches Offizierscasino hinein. In den 1950er und 1960er Jahren folgte ein Erotik-Kino, das City-Kino. Ende der 1960er Jahre zog das Theater im Stiefel ein. In den 1970er Jahren wurde das Gebäude restauriert. Und 1989 kehrte zurück, was am Anfang stand: Die Gasthausbrauerei wurde als eigene Schankwirtschaft Stiefelbräu wieder errichtet. Propaganda, Besatzung, Kino, Theater, Bier. Fünf Nutzungen in einem Haus, und keine davon hat die nächste verhindert. Schauen Sie an der Fassade hoch und dann in den Hof, wenn er offen ist. Das Haus steht unter Denkmalschutz, und zwar nicht wegen seiner Pracht, sondern weil es so lange durchgehalten hat.

Kurzfassung

Sie stehen am St. Johanner Markt vor dem Gasthaus zum Stiefel. Das heutige Gebäude wurde 1718 als Stammhaus der Bruch-Brauerei erbaut, unter Verwendung älterer Teile. Den Namen gab ein Schuster: Um 1700 betrieb Nickel Kiefer hier eine Gaststätte und nannte sie Zum Stiefel. Das Haus steht unter Denkmalschutz.

Für Kinder

Du stehst vor einem Gasthaus, das Zum Stiefel heißt. Warum Stiefel? Weil hier vor etwa dreihundert Jahren ein Schuster gewohnt hat. Er hieß Nickel Kiefer und verkaufte Essen und Getränke, und er nannte seine Wirtschaft nach den Stiefeln, die er machte. Im Haus daneben wurde ab 1702 Bier gebraut. 1718 baute man das Haus, das du jetzt siehst. Später zog die Brauerei weg, und in die leeren Räume kam immer etwas Neues: ein Radiostudio, ein Treffpunkt für französische Offiziere, ein Kino, ein Theater. Und 1989 wurde wieder Bier gebraut, so wie am Anfang. Fünf verschiedene Dinge in einem Haus. Was würdest du in so ein Haus hineinbauen, wenn du es dir aussuchen könntest?

Quellen

Koordinaten: 49.23288, 6.99529 · auf der Karte

Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL. Routing: Valhalla auf OSM-Daten. Objektdaten: Wikidata (CC0). Fotos: Wikimedia Commons, Urheber und Lizenz je Bild.