Stadtohr

Stadtrundgang Saarbrücken · Station 8 von 16

Gasthaus Horch

· gasthaus, stadterweiterung, denkmalschutz

Ausführlich

Sie stehen in der Mainzer Straße vor dem Gasthaus Horch. Diese Adresse erzählt etwas über Stadtwachstum. Das Eckgebäude entstand 1792 für den Bierbrauer Friedrich Eichacker, im Zuge der zweiten, planmäßigen Stadterweiterung außerhalb des Stadtmauerrings, vor dem Obertor. Vor dem Tor, nicht dahinter. Die Stadtmauer war zu diesem Zeitpunkt noch der Rahmen, aber sie war nicht mehr die Grenze. Und das Wort planmäßig ist wichtig: Hier wurde nicht angebaut, hier wurde entworfen. Der Architekt war Balthasar Wilhelm Stengel. Nicht zu verwechseln mit Friedrich Joachim Stengel, dessen Namen Sie heute schon mehrfach gehört haben. Balthasar Wilhelm Stengel war ebenfalls Saarbrücker Hofarchitekt, und von ihm stammten auch die Bühnenbauten im Komödienhaus am Ludwigsplatz. Schauen Sie sich das Haus genau an. Es ist ein Doppelhaus mit einem übergiebelten Mittelrisalit, also einem vorgezogenen Mittelteil mit eigenem Giebel, darüber ein Mansarddach. Gehen Sie, wenn die Durchfahrt offen ist, einen Schritt in den Innenhof und schauen Sie nach oben. Dort läuft im ersten Stock eine Holzgalerie rundum, und dahinter steht ein Scheunengebäude. Eine Wirtschaft brauchte das: Platz für Fuhrwerke, Platz für Vorräte, Platz für Tiere. Ein Gasthaus war kein Restaurant, es war ein Betrieb. Auf der Straßenseite gegenüber finden Sie ein ähnlich arrangiertes Doppelhaus, in dem mittlerweile auch Gastronomie untergebracht ist. Zwei Häuser, ein Entwurfsgedanke. Bis 1995 war das Haus als Gasthaus Horch im Betrieb. Danach zog nach einem Umbau das Coyote Café ein, seit August 2016 heißt es Iguana. Der Name wechselt, das Gewerbe bleibt: zweihundertdreißig Jahre Gastwirtschaft an derselben Ecke. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz.

Kurzfassung

Sie stehen in der Mainzer Straße vor dem Gasthaus Horch. Das Doppelhaus entstand 1792 für den Bierbrauer Friedrich Eichacker, nach Plänen von Balthasar Wilhelm Stengel. Es gehört zu den ältesten Gaststättengebäuden der Stadt und steht unter Denkmalschutz. Bis 1995 hieß es Gasthaus Horch.

Für Kinder

Du stehst vor einem alten Gasthaus. Gebaut hat es sich 1792 ein Bierbrauer, er hieß Friedrich Eichacker. Damals war die Stadt von einer Mauer umgeben, mit einem Tor darin. Dieses Haus steht draußen vor dem Tor, denn die Stadt wurde größer und wuchs über die Mauer hinaus. Wenn das Tor zum Hof offen ist, schau einmal hinein und dann nach oben. Oben läuft ein Gang aus Holz rundherum, wie ein Balkon ohne Ende. Hinten steht eine Scheune. Die brauchte man, weil Gäste früher mit Pferden kamen. Die Pferde mussten ja auch irgendwo schlafen. Das Gasthaus hieß lange Horch, heute heißt es anders. Aber gegessen und getrunken wird hier seit über zweihundert Jahren. Wo würden heute die Pferde stehen?

Quellen

Koordinaten: 49.232027777, 6.998888888 · auf der Karte

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