Sie stehen vor der alten evangelischen Kirche von St. Johann. Schauen Sie auf die Fassade und achten Sie auf einen Unterschied: Links und rechts ist sie verputzt, der Turm in der Mitte ist unverputzter Sandstein. Das hebt ihn optisch hervor. Darüber sitzt die barocke Haube, davor ein kleiner dreieckiger Giebel mit einer Uhr. Alles streng symmetrisch, auf jeder Seite ein quadratisches Fenster unten, ein großes hochrechteckiges darüber, und über diesem ein Okulus, ein Rundfenster. Nun die Geschichte, und sie ist eine Geschichte von Zwang. In der Reformation war die Johanneskapelle der Stadt protestantisch geworden. Auf Druck des französischen Königs Ludwig XIV. musste man sie den Katholiken überlassen. Die evangelischen Gläubigen der damals selbstständigen Stadt St. Johann hatten damit kein Gotteshaus mehr und mussten zum Gottesdienst über die Saar, in die Saarbrücker Schlosskirche, die wir am Ende des Rundgangs sehen. Graf Karl Ludwig von Nassau-Saarbrücken förderte deshalb den Neubau eines eigenen Gotteshauses für die Stadtgemeinde. Er starb, bevor der erste Stein lag. Der Grundstein wurde erst unter der Herrschaft von Graf Friedrich Ludwig von Nassau-Ottweiler gelegt. Von 1725 bis 1727 entstand die Kirche nach Entwürfen des Architekten Jost Bager, den barocken Turmhelm schuf der Saarbrücker Zimmerermeister Paulus Bucklisch der Ältere. 1753/54 kam eine Sakristei dazu, 1775 wurde umgebaut und ein neues Gestühl eingesetzt. Im 19. Jahrhundert war die Gemeinde gewachsen, die Kirche zu klein. Von 1894 bis 1898 baute man die repräsentative neugotische Johanneskirche, und die alte Kirche spielte nur noch eine untergeordnete Rolle. Nach Beschädigungen im Zweiten Weltkrieg stürzte das Bauwerk im Winter 1945/46 ein. Von 1950 bis 1953 leitete der Architekt Rudolf Krüger den Wiederaufbau, derselbe Architekt, der die Ludwigskirche wieder aufbaute. Er veränderte das Äußere leicht und schuf im Inneren etwas Neues: Er zog zwei Massivdecken in den Saalbau ein und richtete Mehrzweckräume ein. Aus einem Kirchenraum wurden damit Etagen. 1960 baute Krüger ein Gemeindezentrum an. 1953 gestaltete der Architekt und Glasmaler György Lehoczky sechs Fenster. 1995 beschädigte ein Blitzeinschlag den Bau, und seit diesem Jahr wird die Kirche nur noch für besondere Gottesdienste genutzt. 2010 wurde sie an die Hochschule für Musik Saar verkauft, die das Gebäude für den Lehrbetrieb und als Vorführungsstätte nutzt. Eine Kirche, die aus einem konfessionellen Konflikt entstanden ist, in der heute geübt und vorgespielt wird. Zur Jahresangabe: Wikidata nennt für dieses Objekt kein Baujahr. Die Daten im Text stammen aus dem Wikipedia-Quelle.
Sie stehen vor der alten evangelischen Kirche im Zentrum von St. Johann. Sie wurde von 1725 bis 1727 nach Entwürfen von Jost Bager erbaut, weil die Protestanten der Stadt ihre bisherige Kirche abgeben mussten. Den barocken Turmhelm schuf der Zimmerermeister Paulus Bucklisch der Ältere. Seit 2010 gehört das Gebäude der Hochschule für Musik Saar.
Du stehst vor einer Kirche, die gebaut werden musste, weil eine andere weggenommen wurde. Das war so: In St. Johann gab es eine Kirche, in der die Protestanten ihre Gottesdienste feierten. Der König von Frankreich, Ludwig XIV., bestimmte, dass die Kirche den Katholiken gehören soll. Die Protestanten mussten nun jeden Sonntag über den Fluss laufen, zu einer Kirche auf der anderen Seite. Das war weit. Also sollte eine neue Kirche gebaut werden. Der Graf, der das versprochen hatte, starb vorher. Erst der Nächste ließ bauen, von 1725 bis 1727. Im Krieg wurde die Kirche beschädigt und fiel im Winter danach ein. Man baute sie wieder auf, aber innen anders. Heute üben hier Studenten Musik. Hörst du etwas?
Koordinaten: 49.231777, 6.996995 · auf der Karte