Stadtohr

Stadtrundgang Ravensburg · Station 10 von 16

Konzerthaus Ravensburg

· theater, historismus, stiftung, bürgerprotest

Ausführlich

Sie stehen vor dem Konzerthaus an der Wilhelmstraße. Es wurde 1897 eröffnet und dient Theatergastspielen, Konzerten und Kongressen. Mit 574 Plätzen ist es das größte Theater der Stadt. Es ist das einzige erhaltene historische Theatergebäude im württembergischen Oberschwaben und steht samt seinem Bestand an historischen Bühnenbildern seit 1988 unter Denkmalschutz. Die Vorgeschichte beginnt 1881. Damals wurde das „Alte Theater“ geschlossen, das Obergeschoss der Brotlaube am Gespinstmarkt, weil es keine Rettungswege gab. Ein Theaterbrand hätte auch den Rest der Altstadt stark getroffen. Man spielte danach in der Turnhalle an der Kuppelnau. Der Unternehmer Julius Spohn stiftete 1881 mit seinem Bruder Georg 20.000 Mark als Grundstock für ein neues Theater, mit der Auflage, dass die Stadt innerhalb von 15 Jahren mit dem Bau beginnen müsse. Ein Entwurf eines Stuttgarter Architekten wurde aufgegeben, nachdem bekannt wurde, dass er keine Erfahrung im Theaterbau hatte. 1895 bestellte Spohn einen Entwurf beim Wiener Büro Fellner und Helmer, das in Mitteleuropa als führend im Theaterbau galt. 1896 und 1897 wurde gebaut. Spohn trug etwa zwei Drittel der Gesamtkosten von rund 300.000 Mark. Für den Neubau wurde der mittelalterliche Raueneggtorkel an der Wilhelmstraße abgerissen. Schauen Sie auf die Fassade. Sie vereint Stilelemente der Renaissance, des Barock und des Klassizismus. Dominierend ist der Vestibülbau mit seinem monumentalen Dreiecksgiebel und vier Halbsäulen mit korinthischen Kapitellen. Auf der Giebelspitze sitzen das Ravensburger Stadtwappen und eine Lyra. Zum Schmuck gehören außerdem eine Apoll-Büste, die Inschrift „Concert-Haus“ und ein Löwenkopf. Im Inneren hat der Theatersaal 574 Sitzplätze, davon 172 auf der Empore. Er ist im Stil des Neorokoko gehalten. Am 14. November 1897 wurde das Haus eingeweiht. Ein Festzug zog vom Rathaus zum Konzerthaus, der Architekt Ferdinand Fellner überreichte die Schlüssel, und Julius Spohn erhielt die Ehrenbürgerwürde. Schon 1898 spielten auswärtige Ensembles 50 Vorstellungen, Zuschauer kamen auch aus benachbarten Städten und sogar aus der Schweiz. In den 1960er Jahren gab es Pläne, das nie sanierte Haus umzubauen oder abzureißen. Nach Bürgerprotesten wurde es 1968 nach den ursprünglichen Plänen renoviert. 1973 sollten auch die Auffahrt und die Treppenanlage abgerissen werden. Bürger verhinderten das mit Protestaktionen und Nachtwachen. Aus diesen Aktionen entwickelte sich das Bürgerforum Altstadt, das seither die behutsame Sanierung der Ravensburger Bausubstanz fördert.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem Konzerthaus an der Wilhelmstraße. Das Wiener Büro Fellner und Helmer baute es im Stil des Historismus, eröffnet wurde es 1897. Mit 574 Plätzen ist es das größte Theater der Stadt. Es ist das einzige erhaltene historische Theatergebäude im württembergischen Oberschwaben.

Für Kinder

Das ist das Konzerthaus. Es ist das größte Theater der Stadt, mit 574 Plätzen. Ein Unternehmer, Julius Spohn, bezahlte etwa zwei Drittel der Kosten. 1897 wurde das Haus eingeweiht, mit einem Festzug vom Rathaus. Später sollten die Auffahrt und die Treppe abgerissen werden. Viele Bürger protestierten, hielten Nachtwachen, und beides blieb stehen. Oben auf dem Giebel sitzen das Stadtwappen und eine Lyra. Findest du sie?

Quellen

Koordinaten: 47.782813, 9.616513 · auf der Karte

Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL. Routing: Valhalla auf OSM-Daten. Objektdaten: Wikidata (CC0). Fotos: Wikimedia Commons, Urheber und Lizenz je Bild.