Sie stehen vor dem Schneemelcher-Haus, Marktstraße 6, nördlich des Marktplatzes. Nehmen Sie sich einen Moment für die Fassade, denn hier wird mit Holz geprahlt und gleichzeitig vor dem Prahlen gewarnt. Zuerst das Datum. Eine Bauinschrift nennt 1562. Halten Sie das neben zwei andere Jahreszahlen dieses Rundgangs: 1564 begann das Stadtschloss am Rand der Altstadt, 1566 und 1567 baute Hans von Wulffen den Fleischhof um. Die Mitte des sechzehnten Jahrhunderts war hier offenbar eine Zeit, in der Geld in Häuser ging. Nun der Unterschied: Das Stadtschloss ist ein Massivbau eines Adligen. Dieses Haus ist das Fachwerkhaus eines Bürgers. Beide zeigen Rang, aber in verschiedenen Materialien. Schauen Sie von unten nach oben. Besonders reich sind die Stockschwellen, also die waagerechten Balken, auf denen das jeweils nächste Geschoss aufsitzt. Sie tragen Schiffskehlen, einen Taustab und ein Wellenband. Schiffskehlen sind Hohlkehlen, der Taustab ein gedrehtes Muster, das wie ein Seil aussieht, das Wellenband eine durchlaufende Welle. Dazu kommen Fächerrosetten und walzenförmige Balkenköpfe, und zwar bis hinein in das Zwerchhaus auf der rechten Seite, also in den Aufbau, der aus dem Dach vortritt. Es gibt keine Stelle, an der der Zimmermann aufgehört hat zu arbeiten. Und dann die Inschrift. Sie sagt, die Notwendigkeit habe gelehrt, das Haus zu bauen; daraus sei stattliche Bequemlichkeit geworden; käme jedoch noch Üppigkeit hinzu, wäre dies eine Sünde. Das ist eine Selbstverteidigung. Der Bauherr steht vor einer Fassade, die ihn verrät, und argumentiert: Gebaut habe ich, weil ich musste; dass es bequem wurde, war die Folge; Verschwendung ist es noch nicht. Man kann daraus lesen, wie genau man sich in einer Stadt beobachtete, in der die Nachbarn mitzählten und in der ein Stift auf dem Berg über Sitte und Ordnung mitbestimmte. Vom Prunk des sechzehnten Jahrhunderts ist nicht alles erhalten. Das Untergeschoss wurde im zwanzigsten Jahrhundert verändert, wie bei vielen Häusern, in die Läden eingebaut wurden. Innen, in einem hofseitigen Anbau, führt eine Wendeltreppe über zwei Geschosse, mit Blockstufen, also mit Stufen, die aus massiven Holzblöcken gearbeitet sind. Das Haus gehört zum Unesco-Welterbe und ist im Quedlinburger Denkmalverzeichnis als Bürgerhaus eingetragen.
Sie stehen vor dem Schneemelcher-Haus, Marktstraße 6, nördlich des Marktplatzes. Das dreistöckige Fachwerkhaus wurde 1562 im Stil des niedersächsischen Fachwerkbaus errichtet. Eine Bauinschrift nennt das Jahr. Im Denkmalverzeichnis ist es als Bürgerhaus eingetragen.
Dieses Haus ist aus Holzbalken gebaut und über vierhundertsechzig Jahre alt. Schau dir die dicken waagerechten Balken an, auf denen die Stockwerke sitzen. Da sind Muster eingeschnitten: gedrehte Seile, Wellen und kleine Fächer, die aussehen wie aufgeklappte Sonnen. Findest du einen Fächer? Auf dem Haus steht auch ein Satz. Er bedeutet etwa: Wir haben gebaut, weil wir ein Haus brauchten. Dass es schön und bequem wurde, ist in Ordnung. Aber angeben wäre falsch. Ein bisschen komisch ist das schon, denn das Haus ist von oben bis unten verziert. Was meinst du, hat der Mann hier angegeben oder nicht?
Koordinaten: 51.7902, 11.1415 · auf der Karte