Sie stehen vor dem Fleischhof, Wordgasse 4. Dieser Hof ist ein Aufsteiger, und man kann den Aufstieg an den Türen ablesen. Erster Zustand: Wirtschaftshof. Der Name ist zu Anfang des vierzehnten Jahrhunderts im Stadtbuch überliefert, 1316 auch urkundlich. Die Stadt verpachtete hier dreißig Fleischbänke, dreizehn davon gehörten Klöstern und Pfarreien. Dreißig Verkaufsstellen für Fleisch an einem Platz, dazu kühle Gewölbe. Vorher hatte der Hof den Grafen von Regenstein gehört, die ihn 1287 an die Stadt verkauften, und bis 1320 lief er als Lehnsgut des Stiftes. Zweiter Zustand: Freihof. Mitte des sechzehnten Jahrhunderts kaufte Hans von Wulffen, der von 1518 bis 1581 lebte, das Anwesen und baute es für sich aus. Das älteste erhaltene Gebäude ist der Westflügel, dessen Mauern und Dachwerk aus der Mitte des sechzehnten Jahrhunderts stammen. Jetzt die Türen. Über dem Portal des Westflügels steht die Jahreszahl 1567 und dazu zwei Kürzel: H. V. W. und E. v. P. Das weist den Bau als Wohnhaus für Hans von Wulfen und Elisabeth von Plotho aus. Das Giebelfeld des südöstlichen Zwerchhauses trägt die Jahreszahl 1566. Gehen Sie weiter zum Südflügel. Dessen Renaissanceportal ist auf 1595 datiert, hat zwei Oberlichter und seitliche Sitznischen, und es trägt zwei Vollwappen mit Initialen: G. V. K. für Gebhard von Kneitlingen zu Dedeleben und E. V. W. für Elisabeth von Wulffen, die Tochter des Hans von Wulffen. 1595 wurde für dieses wohl kurz zuvor verheiratete Paar gebaut. Sie lesen hier also eine Heiratsurkunde in Stein, zwei Generationen lang. Bemerkenswert ist noch, was mit der Stadtbefestigung geschah. An der westlichen Giebelseite wurde die im Kern mittelalterliche Stadtmauer überbaut. An der südöstlichen Ecke ist der Fleischhofturm, der zur Stadtbefestigung gehörte, in die Hofanlage einbezogen. Wer stark genug war, baute die Verteidigungsanlage der Stadt in sein Wohnhaus ein. Innen sind die Barockmalereien des siebzehnten Jahrhunderts im sogenannten Rittersaal des Westflügels erhalten, im Hof steht ein Taubenturm. Die Besitzerliste danach ist eine Liste von Berufen: bis 1815 ein freier Adelshof für Bedienstete des Stiftes, um 1760 der Ökonom Jeremias Timotheus Koch, später sein Sohn, 1852 der Ökonom Carl Rabe, 1899 ein Kunst- und Handelsgärtner. Zwischen 1925 und 1935 wurde stark umgebaut, vermutlich durch den Samenhändler Carl Sperling. Das Erdgeschoss des Nordflügels wurde abgerissen und neu gebaut, der Keller um dreißig Zentimeter vertieft und mit einer Stahlkonstruktion überbaut, die Schornsteine aus dem sechzehnten Jahrhundert verschwanden. 1948 gab die Familie Sperling ihren Sitz in Quedlinburg auf, die Gebäude verfielen. 1988 begannen Restaurierungsarbeiten, sie wurden 1990 wegen unklarer Besitzverhältnisse unterbrochen und erst ab 2010 fortgesetzt. Heute ist der Hof in das Deutsche Fachwerkzentrum Quedlinburg einbezogen, ein Museum zum Fachwerkbau, und die Sanierung des Anwesens läuft weiter.
Sie stehen vor dem Fleischhof, Wordgasse 4, im südlichen Teil der Altstadt. Im Spätmittelalter war das ein Wirtschaftskomplex, ab Mitte des 16. Jahrhunderts ein Freihof. Südlich begrenzt die alte Stadtmauer den Hof. Heute gehört die Anlage zum Deutschen Fachwerkzentrum und kann besichtigt werden.
Dieser Hof heißt Fleischhof, und das kommt vom Fleisch. Vor etwa siebenhundert Jahren verkauften hier dreißig Händler Fleisch, an dreißig Bänken. Kühlschränke gab es nicht. Aber unter dem Hof liegen Gewölbe aus Stein, und dort unten ist es kühl. Das war der Kühlschrank der Stadt. Später kaufte ein reicher Mann den Hof und baute sich Wohnhäuser hinein. Über einer Tür steht die Jahreszahl 1567, über einer anderen 1595, und daneben stehen Buchstaben: die Anfangsbuchstaben von den Namen des Mannes und seiner Frau. So haben die Leute früher gezeigt, wer hier wohnt. Wenn du Buchstaben über deine Tür schreiben dürftest, welche wären das?
Koordinaten: 51.7877, 11.1399 · auf der Karte