Sie stehen vor dem Quedlinburger Stadtschloss, das auch Hagensches Freihaus heißt. Beginnen wir bei den Fenstern, denn hier erzählt die Bauhöhe eine Geschichte. Die unterste Fensterreihe wurde beim Bau in dreieinhalb Metern Höhe angebracht, weil davor die Stadtmauer der Altstadt stand. Wer in diesem Haus am Fenster saß, saß über der Verteidigungsanlage der Stadt. Der Bauherr Christoph von Hagen ließ den Massivbau von 1564 bis 1566 errichten, im Stil der herrschaftlichen Architektur seiner Zeit, in exponierter Lage am Übergang von der Altstadt zur Neustadt. Massivbau ist dabei ein Wort mit Aussage. In einer Stadt, in der die Bürger in Fachwerk bauten, baute dieser Mann in Stein. Schauen Sie die Schaufassade zum Klink und zur Bockstraße entlang: Volutengiebel, also Giebel mit eingerollten Schwüngen, Zwerchhäuser, die aus dem Dach vortreten, und ein Eckturm mit welscher Haube, einer geschweiften Turmbedeckung. Im Hofbereich steht ein weiterer Treppenturm mit Wendelstein, heute über die Orangerie des Hotels zu erreichen, dazu ein aufwändig gestaltetes Eingangsportal mit Sitznischen und Pilasterrahmung. Innen sind Holzdecken und Holzvertäfelungen mit reichen Intarsien erhalten und restauriert, dazu Treppenläufe aus Sandstein. Zu den Türen im Kaminzimmer, heute Lounge, nennt eine Quelle eine Angabe, die ich so wiedergebe, wie sie dort steht: Sie seien zur Bauzeit direkt aus dem Dresdner Zwinger geliefert worden. Nun zur Stadtmauer, die vor den Fenstern stand. Mindestens seit 1630 residierte hier der Stiftshauptmann Christoph Vitzthum von Eckstedt. Er durfte den angrenzenden Teil der Stadtmauer abreißen. Die Gegenleistung war eine Pflicht: Er musste die davor liegenden Ufermauern des Mühlgrabens ständig in Ordnung halten. Das ist ein Tauschgeschäft, das man sich merken kann. Die Stadt gibt ein Stück Befestigung her und bekommt dafür einen Mann, der den Bach bändigt. Danach wurde das Haus durch viele Hände gegeben. Ab 1816 war im nördlichen Teil der erste Sitz des Quedlinburger Landrats, später das Landratsamt, dazu Arztpraxen und Geschäfte, zuletzt Wohnungen. Nach mehrjährigem Leerstand wurde es von 2002 bis 2004 restauriert und rekonstruiert, vor allem gesichert. Die beiden Seitenflügel des im August 2004 eröffneten Hotels sind Neubauten. Wer heute hier übernachtet, schläft in einem Renaissancebau, dessen Erdgeschossfenster hoch sitzen, weil 1564 eine Mauer davor stand.
Sie stehen vor dem Quedlinburger Stadtschloss, auch Hagensches Freihaus genannt, am östlichen Eingang zur Altstadt. Christoph von Hagen ließ den Massivbau von 1564 bis 1566 errichten. Im Denkmalverzeichnis ist er als Edelhof eingetragen. Heute wird das Haus als Hotel genutzt.
Dieses Haus ist aus Stein, nicht aus Holzbalken wie die meisten anderen in der Stadt. Ein reicher Mann hat es vor über vierhundertfünfzig Jahren bauen lassen. Jetzt schau dir die unterste Fensterreihe an. Sie ist richtig hoch über dem Boden, nämlich dreieinhalb Meter. Das ist höher, als du mit ausgestreckten Armen reichen kannst. Warum so hoch? Weil direkt vor dem Haus die Stadtmauer stand. Die Fenster mussten über die Mauer hinwegschauen, sonst hätten die Leute nur Steine gesehen. Später wohnte hier ein wichtiger Beamter. Der durfte das Stück Stadtmauer abreißen. Dafür musste er versprechen, immer die Mauern am Bach in Ordnung zu halten.
Koordinaten: 51.7903, 11.1452 · auf der Karte