Willkommen in Quedlinburg. Sie stehen auf dem Schlossberg. Bevor wir losgehen, ein Wort zu der Einrichtung, die diesen Berg und diese Stadt gemacht hat. Offiziell hieß sie bis zu ihrer Auflösung 1802 das Kaiserlich freie weltliche Reichsstift Quedlinburg. Jedes Wort darin trägt Gewicht. Weltlich meint hier nicht ungläubig, sondern den Gegensatz zu klösterlich. Die Frauen hier lebten nach der Aachener Regel, die 816 auf einer Reichssynode für Stifte festgeschrieben wurde, die keiner Ordensregel folgen. Frei und kaiserlich meint, dass das Stift reichsunmittelbar war, also nur dem Kaiser und dem Papst unterstand. Es war eine Gemeinschaft unverheirateter Töchter hochadliger Familien und zugleich ein Versorgungsort für adlige Frauen und Witwen, die häufig gelehrt waren. Königin Mathilde selbst war im Stift Herford von ihrer Großmutter erzogen worden, die dort Äbtissin war. Mathilde leitete Quedlinburg von 936 bis 966, war aber nie Äbtissin. Erste Äbtissin wurde ihre Enkelin Mathilde, eine Tochter Kaiser Ottos I. Nun zum Vermögen, denn davon hängt alles ab. Allein Otto I. schenkte dem Stift 936 fünfundzwanzig Orte, 956 elf weitere und 961 sieben. Später kamen mehr als einhundertfünfzig Orte hinzu. Darunter Soltau, einhundertsiebzig Kilometer entfernt. Duderstadt in Niedersachsen kam 974 an das Stift und wurde zweihundertzweiundsechzig Jahre von hier aus verwaltet. Und falls Sie einmal in Potsdam waren: Dessen erste urkundliche Erwähnung steht in einer Schenkungsurkunde Ottos III. vom 3. Juli 993, ausgestellt für dieses Stift hier. Schauen Sie die Fassade entlang. Was Sie sehen, ist nicht der ottonische Bau, sondern eine dreiflügelige Anlage, in der jedes Jahrhundert etwas hinterlassen hat. Zur Zeit der sächsischen und salischen Kaiser war das Stift ein Bildungszentrum, mit über sechzig Aufenthalten ostfränkischer Herrscher eine Zentrale des Reiches. Die Reihe der Frauen, die regierten, reicht bis 1803. Anna II. zu Stolberg trat 1539 mit dem Stift und den Stiftslanden zur Reformation über, danach bestand es als lutherisches Damenstift weiter. Aurora von Königsmarck führte es in der Sedisvakanz von 1704 bis 1718. Von 1755 bis 1787 regierte Anna Amalia von Preußen, die jüngste Schwester Friedrichs des Großen. Letzte Äbtissin war Sophia Albertina, eine Prinzessin von Schweden. Das Ende kam nicht aus der Stadt, sondern von außen. 1697 wurden die Vogteirechte über das Stift an Kurbrandenburg verkauft. Am 30. Januar 1698 besetzten brandenburgisch-preußische Truppen das Stiftsgebiet mit Gewalt. 1802 und 1803 folgte die Säkularisation, Preußen nahm das Gebiet als Fürstentum Quedlinburg in Besitz, von 1807 bis 1814 gehörte es zum Königreich Westphalen. Achthundertsechsundsechzig Jahre, dann war es vorbei. Gehen wir los.
Sie stehen auf dem Schlossberg, vor den Gebäuden des Stifts Quedlinburg. Gegründet wurde es 936 von Königin Mathilde mit Hilfe ihres Sohnes Otto I. Hier lebten unverheiratete Töchter des Hochadels als weltliche Kanonissen. Das Stift bestand bis 1802. Seitdem heißt der Bau Schloss Quedlinburg.
Du stehst auf einem Berg mitten in der Stadt. Vor über tausend Jahren stand hier eine Burg. Ein König namens Heinrich starb 936 und wurde hier begraben. Seine Frau Mathilde wollte, dass immer jemand an ihn denkt. Darum gründete sie hier ein Stift: ein Haus, in dem viele Frauen zusammen lebten und beteten. Nonnen waren sie nicht, sie durften wieder gehen. Ihre Chefin hieß Äbtissin und war mächtig wie eine Fürstin. Sie durfte sogar Münzen prägen lassen. Was ist älter, der Berg mit dem Stift oder die Stadt dort unten? Der Berg.
Koordinaten: 51.785944444, 11.136805555 · auf der Karte