Sie stehen vor der Brauerei Lüdde in der Blasiistraße, der einzigen erhaltenen Brauerei Quedlinburgs. Diese Station ist eine Betriebsgeschichte, und sie hat einen Anfang, ein Ende und einen zweiten Anfang. Der erste Anfang: 1807 wurde an dieser Stelle die Schreibersche Braunbierbrauerei gegründet. 1876 übernahm Carl-Friedrich Lüdde aus Schöningen den Betrieb und errichtete die noch heute vorhandenen Gebäude; eine Bauinschrift nennt 1876. Das Vordergebäude entstand als Fachwerkhaus mit Stilelementen des Klassizismus und des Historismus, zwei ältere Fachwerkbauten wurden einbezogen. Im Sudhaus steckt eine bemerkenswerte Dachkonstruktion aus der Gründerzeit. Nun das Verfahren, denn es sagt mehr über den Alltag als jede Jahreszahl. Gebraut wurde Braunbier, und ausgeliefert wurde es unfertig. Die Kunden bekamen das Bier mit Pferdewagen gebracht und mussten es selbst mit Wasser mischen, auf Bügelflaschen ziehen und über einige Tage reifen lassen. Wer das Bier zu früh trank, bekam Magenprobleme. Genau daraus entstand im Volksmund der Name, unter dem dieses Bier noch heute verkauft wird, ein Wort, das vom Knall in der Hose erzählt. Man kann daran gut sehen, was Handwerk damals hieß: Ein Teil der Arbeit lag beim Kunden. Die Brauerei wuchs. In den dreißiger Jahren belieferte sie Kundschaft im Umkreis von etwa sechzig Kilometern, darunter Magdeburg, Nordhausen und das Eichsfeld. Dafür standen vier zweispännige Pferdewagen und vierzehn Kleinlastwagen bereit, also beides gleichzeitig, Pferd und Motor. Dann das Ende. Im Zweiten Weltkrieg musste die Produktion unterbrochen werden. Georg Lüdde nahm sie im Herbst 1945 wieder auf, aber der Absatz ging zurück. Die Anlagen waren modernisierungsbedürftig, am Markt waren modernere Getränke gefragt, und das wirtschaftliche Klima für private Unternehmen in der DDR war ungünstig. Am 1. Oktober 1966 stellte Georg Lüdde fünfundsechzigjährig den Betrieb ein. Vierundzwanzig Jahre stand die Brauerei still. Der zweite Anfang kam nach 1989. Die Familie der Nichte Georg Lüddes erwarb die baulich schlechten Gebäude und baute sie zu einer Gasthausbrauerei um. Der Hof wurde in Anlehnung an den Stil der Gründerzeit überbaut und zum Gastraum gemacht, dort steht heute ein Sudwerk mit zwei Geräten. In den ehemaligen Pferdeställen sind Lagerräume. Neben dem obergärigen Braunbier werden Pilsener, Schwarzbier, Bock- und Weizenbier gebraut. Zur Anlage gehören ein Hotel und ein Biergarten; das Hotel nutzt das benachbarte Grundstück. Wenn Sie an der Fassade hochschauen: Der Fachwerkbau vorn war das Wohnhaus. Gewohnt und gearbeitet wurde am gleichen Ort, und das Sudhaus stand im Hof dahinter.
Sie stehen vor der Brauerei Lüdde, Blasiistraße 14, südwestlich des Marktplatzes. An dieser Stelle wurde 1807 eine Braunbierbrauerei gegründet. 1876 übernahm Carl-Friedrich Lüdde den Betrieb und errichtete die heutigen Gebäude. Es ist die einzige erhaltene Brauerei Quedlinburgs.
Hier wird Bier gebraut, und das schon seit sehr langer Zeit. 1807 fing es an, 1876 baute ein Mann namens Lüdde die Häuser, die du hier siehst. Früher war das Bier beim Ausliefern noch nicht fertig. Pferdewagen brachten es zu den Leuten, und die mussten zu Hause Wasser dazugeben und einige Tage warten. Wer nicht warten konnte, bekam Bauchweh. In den dreißiger Jahren fuhren hier vier Pferdewagen und vierzehn kleine Lastwagen los, bis sechzig Kilometer weit. 1966 machte die Brauerei zu, weil zu wenige das Bier kauften. Dann stand sie vierundzwanzig Jahre leer. Erst danach hat die Familie sie wieder aufgebaut. Es ist die letzte Brauerei, die in Quedlinburg übrig ist.
Koordinaten: 51.788428, 11.138994 · auf der Karte