Stadtohr

Stadtrundgang Pirna · Station 15 von 16

Tötungsanstalt Pirna-Sonnenstein

· gedenkstätte, ns-zeit, aktion t4, heilanstalt

Ausführlich

Sie stehen an einem Ort, an dem Menschen ermordet wurden. Hier lag die Tötungsanstalt Pirna-Sonnenstein, in der ehemaligen Festung Schloss Sonnenstein. Die Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein erinnert an die Ereignisse. Der Ort, den Sie vom Anfang des Rundgangs kennen, war 1811 zur Heilanstalt geworden und hatte wegen seines reformpsychiatrischen Konzepts einen guten Ruf. Zwischen 1855 und 1914 wurde die Anstalt durch zahlreiche Neubauten erweitert. 1928 wurde Hermann Paul Nitsche Direktor, die Zahl der Patienten war auf über 700 angewachsen. Nach 1933 setzte er auf die systematische Ausgrenzung chronisch psychisch Kranker und Behinderter und ließ in der Anstalt Zwangssterilisationen durchsetzen. Im Dezember 1939 wurde die Heilanstalt durch einen Erlass des sächsischen Innenministers aufgelöst. Dann kam die „Aktion T4“, eine zentral koordinierte und weitgehend geheim gehaltene Mordaktion der Nationalsozialisten. In den Jahren 1940 und 1941 richtete man dafür im Deutschen Reich sechs Tötungsanstalten ein. Eine davon war Pirna-Sonnenstein, geleitet vom Arzt Horst Schumann. Im Frühjahr 1940 wurden im Keller eines Krankengebäudes, Haus C 16, eine Gaskammer und ein Krematorium eingebaut. Der Komplex wurde mit einer Mauer und einem hohen Bretterzaun umgeben, damit niemand sah, was drinnen geschah. Am 28. Juni 1940 begann der Betrieb. Mehrmals wöchentlich holten Busse Patienten aus Heil- und Pflegeanstalten ab und brachten sie auf den Sonnenstein. Ermordet wurden Frauen und Männer aller Altersstufen, auch Kinder. Den Angehörigen schickte man eine Sterbeurkunde mit gefälschter Todesursache und einen standardisierten Trostbrief. Bis zum 24. August 1941, dem Tag des sogenannten „Euthanasie-Stopps“, wurden hier 13.720 psychisch kranke und geistig behinderte Menschen mit Giftgas ermordet. Zu den bekannten Opfern gehören die Dresdner Malerin Elfriede Lohse-Wächtler und der Schriftsteller Hermann von Boetticher. Zusätzlich ermordete man im Sommer 1941 mehr als tausend Häftlinge aus Konzentrationslagern. Insgesamt wurden hier mindestens 14.751 Menschen ermordet. Im Sommer 1947 standen im Dresdner Ärzteprozess 19 ehemalige Ärzte, Pfleger und Krankenschwestern vor Gericht. Das Gericht verurteilte Nitsche und zwei Pfleger vom Sonnenstein zum Tode. Schon im Sommer 1942 wurde die Anstalt aufgelöst, Gaskammer und Krematorium wurden abgebaut und die Spuren verwischt.

Kurzfassung

Sie stehen am Ort der früheren Tötungsanstalt Pirna-Sonnenstein. 1940 und 1941 ermordeten die Nationalsozialisten hier mindestens 14.751 Menschen. Es waren vorwiegend psychisch Kranke und geistig Behinderte, aber auch Häftlinge aus Konzentrationslagern. Die Gedenkstätte erinnert daran.

Für Kinder

Das hier ist ein ernster Ort. Auf dem Sonnenstein war eine Heilanstalt, ein Krankenhaus für psychisch kranke Menschen. 1940 und 1941 haben die Nationalsozialisten hier Menschen ermordet, mindestens 14.751. Es waren vor allem psychisch kranke und geistig behinderte Menschen, dazu Häftlinge aus Konzentrationslagern. Das war ein schlimmes Verbrechen. Heute erinnert hier eine Gedenkstätte daran. Weißt du, was das ist? Ein Ort, an dem wir uns an Menschen erinnern. Wenn du etwas nicht verstehst, darfst du die Erwachsenen fragen.

Quellen

Koordinaten: 50.9615, 13.9509 · auf der Karte

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