Stadtohr

Stadtrundgang Pirna · Station 7 von 16

St. Kunigunde (Pirna)

1869 · kirche, neogotik, katholisch, ns-zeit

Ausführlich

Sie stehen in der Altstadt, im Stadtteil Mitte, vor der römisch-katholischen Kirche St. Kunigunde, einem neogotischen Bau. Sie gehört zur Pfarrei St. Heinrich und Kunigunde im Dekanat Dresden des Bistums Dresden-Meißen. Ihre Geschichte beginnt mit Arbeitern. Zu Anfang des 19. Jahrhunderts zogen zunehmend römisch-katholische Arbeiter in die ostsächsischen Industriegebiete. Eine Stiftung der sächsischen Prinzessin Maria Cunigunde ermöglichte von 1822 bis 1823 den Bau einer katholischen Schule mit Kapelle am Hausberg. Zu Ehren der Stifterin stellte man sie unter das Patrozinium der heiligen Kaiserin Kunigunde. Dann wurde die Kapelle für die wachsende Gemeinde zu klein. Deshalb erbaute man die heutige Kirche, die 1869 geweiht wurde. Der Oberlandesbaumeister Adolph Canzler entwarf die gesamte Baugruppe aus Kirche, Pfarrhaus und Schulhaus, alles im neogotischen Stil. Der Massivbau besteht aus Sandstein aus dem Postaer Steinbruch. Von September 2002 bis November 2003 wurde die Kirche umfassend saniert. Auch die Orgel stammt von 1869. Carl Eduard Jehmlich aus Dresden schuf sie, mit siebzehn Registern auf zwei Manualen und Pedal. Zu dieser Kirche gehört auch die Geschichte eines Pfarrers. 1938 kam Benno Scholze nach Pirna, ein gebürtiger Sorbe. Er kümmerte sich auch um Kriegsgefangene und um polnische und slowakische Zwangsarbeiter. Seine Predigten und sein Verhalten ließen deutlich seine Kritik am NS-System erkennen. Anfang 1941 wurde er als „Staatsfeind“ verhaftet und kam ins Konzentrationslager Dachau. Dort erlebte er nach vier Jahren die Befreiung durch die US-Armee. Danach wirkte er wieder als Pfarrer in Pirna. Am 6. Dezember 2013 verlegte Gunther Demnig vor der Kirche einen Stolperstein. Im Stadtteil Sonnenstein, den wir am Ende des Rundgangs noch einmal besuchen, ist eine Straße nach Benno Scholze benannt.

Kurzfassung

Sie stehen vor der katholischen Kirche St. Kunigunde. Die neogotische Kirche wurde 1869 geweiht. Entworfen hat sie der Oberlandesbaumeister Adolph Canzler. Sie gehört zur Pfarrei St. Heinrich und Kunigunde im Bistum Dresden-Meißen.

Für Kinder

Das ist die katholische Kirche St. Kunigunde, 1869 geweiht und im neogotischen Stil gebaut. Vorher gab es nur eine kleine Kapelle. Was meinst du, warum sie zu klein wurde? Es zogen immer mehr katholische Arbeiter in die Gegend. Ein Pfarrer in Pirna hieß Benno Scholze. In seinen Predigten zeigte er deutlich, dass er die Nationalsozialisten kritisierte. Anfang 1941 wurde er verhaftet und kam ins Konzentrationslager Dachau. Er überlebte und wurde später wieder Pfarrer in Pirna. Vor der Kirche wurde 2013 ein Stolperstein verlegt.

Quellen

Koordinaten: 50.961301, 13.94038 · auf der Karte

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