Stadtohr

Stadtrundgang Passau · Station 4 von 16

Sixtuskapelle

um 1288 · kapelle, gruft, grafen, gotik

Ausführlich

Sie stehen im Domhof vor der Sixtuskapelle. Man nennt sie meist Ortenburgkapelle, nach den Reichsgrafen von Ortenburg, die hier begraben wurden. Sie ist eine der vier Kapellen, die von ursprünglich zehn im Domhof noch stehen. Erstmals erwähnt wurde die Kapelle 1155, im gotischen Stil errichtet wurde sie um 1288. Sie ist die älteste am ehemaligen Domkreuzgang. Am 13. August 1288 bestimmte Graf Rapoto der Vierte die Kapelle zu seiner Begräbnisstätte, weil dort schon sein Vater und sein Großvater lagen. Seither war sie die Grablege des Grafenhauses, bis zum Ende des 17. Jahrhunderts. Dann wandten sich immer mehr Mitglieder der Familie dem evangelischen Glauben zu. Nach dem Tod des Grafen Christian wurde niemand mehr hier beigesetzt, man nutzte stattdessen die evangelische Grablege in der Marktkirche von Ortenburg. Schauen Sie in die Seitenwände. Dort sind zahlreiche gotische Grabsteine eingelassen. Im Mittelpunkt steht die Tumba des Grafen Heinrich des Vierten von Ortenburg, gestorben 1395, und seiner Frau Agnes von Hals. Auf der Deckplatte liegt ihre Bildnisfigur, um 1430 gearbeitet. Und dann die Gruft. 1922 ließ Bischof Sigismund Felix von Ow-Felldorf sie öffnen. Der Domvikar Dr. Ludwig Krick hielt fest, was seine Kommission sah. Unter den Steinplatten des Fußbodens führte eine kurze Stiege in ein kleines niedriges Gewölbe. Am Ende saß auf einem gepolsterten Lehnstuhl ein gut gekleideter Leichnam, schon stark verfallen und zusammengesunken. Daneben stand eine Holzkiste voll Totenköpfen und Gebeinen. Dabei lagen Reste verrosteter Waffen, darunter ein Bihänder, und Teile von Rosenkränzen aus Asphalt aus dem Heiligen Land. Man entnahm den gut erhaltenen Samtmantel, den Bihänder und Reste von zwei Dolchen und gab sie dem Dommuseum. Am 20. November 1922 wurde die Gruft wieder geschlossen. Wer war der Sitzende? Es handelt sich um den Grafen Georg Reinhard, der am 2. November 1679 hier beigesetzt wurde. Gestorben war er schon 1666. Dreizehn Jahre lang blieb sein Leichnam auf seinem Schloss stehen, weil man darüber stritt, ob er katholisch oder evangelisch bestattet werden sollte. Für die Beisetzung musste der Eingang zur Gruft erweitert werden. Zwölf Arbeiter brauchten dafür drei Tage, die Rechnung lautete auf 924 Gulden und 48 Kreuzer.

Kurzfassung

Sie stehen im Domhof vor der Sixtuskapelle, meist Ortenburgkapelle genannt. Sie wurde in gotischem Stil um 1288 errichtet und ist die älteste am ehemaligen Domkreuzgang. Seit 1288 war sie die Grablege der Grafen von Ortenburg. In der Gruft saß 1922 ein Toter auf einem Stuhl.

Für Kinder

Hier im Domhof steht eine Kapelle mit einem ungewöhnlichen Toten. Es ist die Grabkapelle der Grafen von Ortenburg, seit 1288. In der Gruft saß 1922 ein Toter auf einem Lehnstuhl. Das ist Graf Georg Reinhard. Er starb 1666. Dreizehn Jahre lang stritt man, ob er katholisch oder evangelisch begraben werden sollte, und so lange blieb er auf seinem Schloss stehen. Erst 1679 wurde er hier beigesetzt, sitzend. 1922 wurde die Gruft geöffnet und danach wieder geschlossen. Würdest du in so eine Gruft hinunterschauen wollen?

Quellen

Koordinaten: 48.5744, 13.4657 · auf der Karte

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