Willkommen in Offenbach am Main. Zwei Sätze zur Stadt, bevor wir anfangen. Offenbach war eine ursprünglich hugenottisch geprägte Industriestadt und vor allem als Zentrum der Lederwarenindustrie bekannt; heute ist es ein Dienstleistungszentrum und mit der Hochschule für Gestaltung ein Hochschulstandort mit hoher Clusterbildung im Designbereich. Die erste urkundliche Erwähnung stammt vom 12. April 977, und sie ist bezeichnend: Kaiser Otto II. beurkundete eine Schenkung in Offenbach an die Salvatorkirche in Frankfurt am Main, den späteren Dom. Offenbach tritt in die Geschichte ein als Geschenk an den Nachbarn. Diesem Nachbarn werden wir heute noch mehrmals begegnen. Sie stehen vor dem Klingspor Museum, einem Museum für moderne und zeitgenössische Buch- und Schriftkunst in kommunaler Trägerschaft. Es sitzt im Südflügel des Büsing-Palais. 2011 wurde das Gebäude nach historischem Vorbild saniert und aufgestockt, das provisorische Flachdach kam weg. Die Vorgeschichte beginnt in einem Betrieb. Im 19. Jahrhundert bestand in Offenbach ein kleiner Schriftgießereibetrieb, die Rudhardsche Schriftgießerei. 1892 übernahm Karl Klingspor sie, 1904 firmierte sie als Schriftgießerei Gebrüder Klingspor. Eine Schriftgießerei gießt Lettern aus Metall, Buchstabe für Buchstabe. Der Betrieb arbeitete mit Künstlern und Gestaltern wie Peter Behrens, Otto Eckmann, Heinrich Vogeler, Rudolf Koch und Walter Tiemann. Klingspor sammelte, was ihn interessierte. Bis zu seinem Tod 1950 trug er knapp dreitausend bibliophile Bücher zusammen, darunter Ausgaben der Kelmscott Press, der Cranach Presse und der Wiener Werkstätte. Die wertvollsten ließ er von dem Buchbinder Ignatz Wiemeler mit Handeinbänden versehen. Die Sammlung wurde der Stadt nach seinem Tod gestiftet, 1953 entstand daraus dieses Museum, und große Nachlässe der Schriftgestalter Rudolf Koch und Rudo Spemann kamen hinzu. Heute umfasst die Sammlung etwa fünfundachtzigtausend Einheiten: Künstlerbücher, Malerbücher, Pressendrucke, Schriftproben, Kalligrafien, Plakate, Schriftteppiche, illustrierte Bücher. Zwei Bestände sollten Sie sich nennen lassen. Das Haus besitzt die größte Sammlung von Arbeiten des Typographen Hendrik Nicolaas Werkman außerhalb der Niederlande. Und es besitzt die Schriftteppiche: zweiundvierzig Tapisserien und textile Wandarbeiten, in deren Zentrum elf Schriftteppiche aus den 1920er Jahren stehen, konzipiert und ausgeführt von Rudolf Koch und seiner Werkstatt. Schrift, gewebt statt gedruckt. In den letzten Jahren lag ein besonderes Augenmerk auf der Dokumentation weiblicher Schriftgestaltung im 20. Jahrhundert, mit Entwürfen von Gudrun Zapf-von Hesse, Elisabeth Friedländer, Anna Maria Schildbach und Ilse Schüle. Seit 1955 kommt jedes Jahr im Winter die Internationale Kinderbuch-Ausstellung ins Haus. Alle zwei Jahre richtet das Museumsteam das Druckfestival Hot Printing aus, und zusammen mit dem Haus der Stadtgeschichte betreibt es die Druckwerkstatt im Bernardbau. Beide Orte sind unsere letzten beiden Stationen. Der Rundgang endet also dort, wo er anfängt: beim gedruckten Buchstaben.
Sie stehen vor dem Klingspor Museum im Südflügel des Büsing-Palais. Es sammelt moderne und zeitgenössische Buch- und Schriftkunst. Gegründet wurde es 1953 auf Basis der privaten Sammlung des Schriftgießereibetreibers Karl Klingspor. 2011 wurde das Gebäude nach historischem Vorbild saniert und aufgestockt.
Du stehst vor einem Museum, in dem Buchstaben die Hauptrolle spielen. Es heißt Klingspor Museum. Karl Klingspor hatte in Offenbach eine Schriftgießerei. Dort wurden Buchstaben aus Metall gegossen, einer nach dem anderen, denn vor dem Computer musste man jeden Buchstaben anfassen können, um ihn zu drucken. Klingspor sammelte sein Leben lang schöne Bücher. Nach seinem Tod bekam die Stadt die Sammlung, und 1953 wurde daraus dieses Museum. Drinnen hängen auch Teppiche, in die Schrift eingewebt ist. Wie würdest du deinen Anfangsbuchstaben gestalten?
Koordinaten: 50.1078, 8.76111 · auf der Karte