Stadtohr

Stadtrundgang Münster · Station 5 von 16

Kunstmuseum Pablo Picasso Münster

· museum, picasso, lithografie, klassizismus

Ausführlich

Sie stehen vor dem Kunstmuseum Pablo Picasso Münster, und die Geschichte dieses Hauses beginnt mit einem einzigen Blatt Papier. Zuerst der Ort. Der Picassoplatz liegt an der Königsstraße, der früher vornehmsten Straße der Altstadt. Die Ausstellungsräume befinden sich in zwei historischen Gebäuden: im Druffel'schen Hof, erbaut von 1784 bis 1788, einem der bedeutendsten klassizistischen Bauten der Stadt, und im benachbarten Hensenbau, mit dem er beim Umbau zum Museum Ende der 1990er Jahre verbunden wurde. Die Fassade des früheren Adelshofes konnte nach dem Zweiten Weltkrieg wiederhergestellt werden. Sie ist aus Backstein und Sandstein, wie es für die Architektur Münsters typisch ist. Nun der Sammler. Zusammengetragen wurde die Sammlung von dem Westfalen Gert Huizinga, geboren am 7. August 1927, gestorben am 9. Dezember 2018. Er war studierter Grafiker, Semesterkollege von Horst Janssen und Paul Wunderlich an der Landeskunstschule in Hamburg, und erwarb Anfang der 1950er Jahre seinen ersten Picasso: einen Linolschnitt. Dann kam eine Begegnung, die die Richtung bestimmte. Huizinga machte die Bekanntschaft von Marie-Thérèse Walter, Picassos einstiger Lebensgefährtin, und konzentrierte sich fortan auf Picasso-Lithografien. Durch die Begegnung und spätere Freundschaft mit Picassos Drucker Fernand Mourlot in Paris konnte er in den 1970er Jahren weitere Werke gewinnen, insbesondere sehr seltene Zustandsdrucke. Warum Zustandsdrucke wichtig sind, lässt sich an Picassos Arbeitsweise erklären. Besonders ab 1945 setzte er sich intensiv mit der Lithografie auseinander. Diese Technik erlaubte ihm, bestimmte Fassungen eines Werks im Entstehen festzuhalten, bevor er sie weiter veränderte. So variierte er seine Motive immer wieder neu, bisweilen über Jahre, und so entstanden ganze Serien. Ein Zustandsdruck ist also ein Zwischenstand, ein Blick in die Werkstatt. Mit dem Wachsen der Sammlung reifte beim Ehepaar Jutta und Gert Huizinga der Gedanke, sich von ihrem Bestand zu trennen, um ihn einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen; dafür wurde eine Sparkassenstiftung ins Leben gerufen. Was daraus geworden ist: Die Sammlung umfasst bis auf wenige Blätter das komplette lithografische Schaffen Picassos. Im November 2001 kam die Suite Vollard dazu, eine Folge von hundert Grafiken, die Picasso von 1930 bis 1937 für den Pariser Verleger Ambroise Vollard schuf. Im März 2004 kamen 208 Werke von Georges Braque als Dauerleihgabe, jenem Künstlerfreund, mit dem Picasso zwischen 1907 und 1914 den Kubismus entwickelte. Im April 2008 folgten 137 Grafiken von Marc Chagall, entstanden in derselben Pariser Druckerei Mourlot, im August 2012 101 Linolschnitte Picassos.

Kurzfassung

Sie stehen am Picassoplatz 1, in der Königsstraße, vor dem Kunstmuseum Pablo Picasso Münster. Eröffnet wurde es im Jahr 2000, bis September 2010 hieß es Graphikmuseum. Es zeigt über 800 Exponate, vor allem Lithografien Picassos. Untergebracht ist es im Druffel'schen Hof von 1784 bis 1788 und im Hensenbau.

Für Kinder

Hier hängen Bilder von Pablo Picasso, einem der bekanntesten Maler der Welt. Über 800 Stück gehören dem Museum. Die meisten sind keine gemalten Bilder, sondern Drucke. Picasso zeichnete dafür auf einen Stein und druckte das Bild dann aufs Papier, manchmal viele Male. Und jedes Mal änderte er etwas. So kann man heute sehen, wie ein Bild Schritt für Schritt entstanden ist. Gesammelt hat all das ein Mann aus Westfalen, Gert Huizinga. Sein erstes Picasso-Bild kaufte er, als er noch jung war. Später schenkte er die ganze Sammlung der Stadt, damit alle sie sehen können. Was würdest du sammeln?

Quellen

Koordinaten: 51.9602, 7.62635 · auf der Karte

Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL. Routing: Valhalla auf OSM-Daten. Objektdaten: Wikidata (CC0). Fotos: Wikimedia Commons, Urheber und Lizenz je Bild.