Gehen Sie langsam um diesen Bau herum, und schauen Sie, was fehlt. St. Christoph ist eine dreischiffige Basilika, das Langhaus vier Joche lang, der Chor ein Joch, mit einer Apsis. Zwischen Chor und Langhaus liegt ein Querbau, dessen nördlicher Teil ein Turm ist. Dieser Turm mit den Doppelfenstern ist romanisch, aus der Zeit um 1240. Der übrige Bau stammt aus den Jahrzehnten von etwa 1280 bis 1330. An die westlichen Joche des nördlichen Seitenschiffs schloss einmal die Valentinuskapelle an, sie ist nicht mehr da. Die Geschichte dieses Ortes beginnt früher. Am 11. Februar 893 schenkte König Arnulf dem Stift St. Maximin in Trier mehrere Dörfer und eine Kapelle. In der Forschung wird diese Kapelle meist auf St. Christoph bezogen, weil die Kirche im 12. Jahrhundert dem Patronat von St. Maximin unterstand. 1272 ist sie als Pfarrkirche erwähnt. Um 1400 wurde hier Johannes Gutenberg getauft. Das Taufbecken aus seiner Zeit ist erhalten, es steht im Ostteil und wird von vier Löwenköpfen getragen. Ein zweiter Name: Am 8. Mai 1543 trat Petrus Canisius als erster Deutscher dem wenige Jahre zuvor gegründeten Jesuitenorden bei, als achtes Mitglied, und legte im Pfarrhaus von St. Christoph sein Gelübde ab. Von 1792 bis 1942 wurde hier das Mainzer Gnadenkreuz aus dem frühen 14. Jahrhundert verehrt. Es befindet sich heute in der Franziskuskapelle des Priesterseminars. Eine Rokoko-Plastik des heiligen Valentin konnte in den Kriegswirren gerettet werden, sie kam in die Karmeliterkirche, und die Valentinuswallfahrt zog mit um. Was mit diesem Mahnmal geschieht, wird weiter entschieden. 2005, zum sechzigsten Gedenktag der endgültigen Zerstörung, wurde die Beleuchtung von Kirche und Platz neu gestaltet, sodass Innen- und Außenzone lichttechnisch voneinander abgesetzt sind. 2025 erhielt der Turm wieder eine angedeutete Spitze: eine Stahlkonstruktion von rund zwanzig Metern Höhe und fünfzehn Tonnen Gewicht, die nur die Grate und Kehlen der historischen Turmspitze abbildet. Auf eine exakte Rekonstruktion hat man verzichtet, damit der Bruch mit der Geschichte deutlich hervortritt. Eine Außenplattform in dreißig Metern Höhe soll künftig zugänglich sein. Ermöglicht wurde die Sanierung zu einem wesentlichen Teil durch private Zuwendungen. Direkt neben der Kirche steht das modernste Gutenbergstandbild der Stadt, eine Eisenplastik von Karlheinz Oswald aus dem Gutenberg-Jahr 2000. Sie zeigt Gutenberg an der Buchpresse.
Sie stehen vor der Ruine von St. Christoph, einer frühgotischen Kirche bei dem Karmeliterplatz. Erbaut wurde sie zwischen 1240 und 1330. In dieser Kirche wurde Johannes Gutenberg getauft. Heute ist die Ruine eines der Kriegsmahnmale der Stadt Mainz.
Diese Kirche hat kein Dach mehr, und das soll so sein. Im Krieg fielen Bomben darauf. Erst brannte sie aus, dann stürzten die Decken ein. Danach hat man die Außenmauern wieder aufgerichtet, aber nicht mehr zugedeckt. So kann man sehen, was passiert ist. Im Boden liegt eine Tafel. Darauf steht: Den Toten zum Gedenken, den Lebenden zur Mahnung. Hier wurde übrigens Johannes Gutenberg getauft, vor etwa sechshundert Jahren. Das Taufbecken von damals steht noch da. Vier Löwenköpfe tragen es. Siehst du sie?
Koordinaten: 50.0019, 8.27217 · auf der Karte