Stadtohr

Stadtrundgang Lutherstadt Wittenberg · Station 1 von 16

Schlosskirche Wittenberg

1496–1503 · reformation, kirche, thesen, welterbe

Ausführlich

Willkommen in der Lutherstadt Wittenberg. Seit 1938 trägt die Stadt amtlich diesen Namen. Sie liegt an der Elbe, rund 90 Kilometer südwestlich von Berlin. Wir beginnen an der Schlosskirche, die auch Kirche der Reformation heißt und seit 1996 UNESCO-Welterbe ist. Sie liegt im Westen der Altstadt, am Ende der Schlossstraße, die vom Markt kommt. Baulich ist sie mit dem Schloss verbunden und bildet seinen nördlichen Seitenflügel. Zur Jahreszahl: Wikidata nennt 1346. Das ist das Jahr, in dem im neuen Schloss der Askanier die Stiftung Allerheiligen errichtet wurde. Die Kirche, die Sie sehen, ist jünger. Friedrich der Weise ließ das Schloss ab 1490 neu bauen, und ab 1496 fügte Konrad Pflüger die Schlosskirche als Nordflügel an. Geweiht wurde sie am 17. Januar 1503. Dann zu dem, was darin war. Friedrich der Weise legte hier eine umfangreiche Reliquiensammlung an, die Wallfahrer von weither anzog. Viele der über 19.000 Heiltümer, mit dem Gegenwert von rund zwei Millionen Jahren Ablass, fanden ihren Platz auf 16 Altären der schmalen Empore. 1502 wurde die Universität gegründet, 1507 wurde ihr die Schlosskirche als Universitätskirche beigestellt. Hier erhielten Studenten ihre Promotionen, hier hielt Philipp Melanchthon seine berühmte Antrittsrede. Und nun die Tür. Das Hauptportal war damals aus Holz, und die Universitätsangehörigen hefteten dort Informationen an. Martin Luther soll hier am 31. Oktober 1517, dem Vorabend des Patronatstags der Schlosskirche, seine 95 Thesen angeschlagen haben, um zur Disputation über den Ablasshandel aufzufordern. Ob der Anschlag in dieser Form stattgefunden hat, ist umstritten. Nachgewiesen ist, dass Luther die Thesen an dem Tag handschriftlich an zwei Bischöfe schickte, später an weitere Theologen. Die hölzerne Tür verbrannte 1760. Am 10. November 1858, zu Luthers 375. Geburtstag, wurde eine in Bronze gegossene Thesentür eingeweiht, gestiftet von König Friedrich Wilhelm IV. 1525 wurde Friedrich der Weise hier begraben, im selben Jahr führte man den lutherischen Gottesdienst ein. 1546 erhielt Luther sein Grab in der Kirche, 1560 Melanchthon. 1760 brannte die Kirche im Siebenjährigen Krieg aus, 1814 wurde sie bei der Erstürmung Wittenbergs erneut beschädigt. Dabei ging fast die gesamte Einrichtung verloren. Erhalten blieben die Kunstwerke aus Metall, vor allem das Grabmal Friedrichs des Weisen, das Peter Vischer 1527 in Nürnberg schuf. Von 1883 bis 1892 wurde die Kirche neugotisch umgebaut. Am 31. Oktober 1892 weihte man sie in Anwesenheit Kaiser Wilhelms II. neu. Von 1978 bis 1992 predigte hier Friedrich Schorlemmer. Mit der Aktion, ein Schwert symbolisch zur Pflugschar umzuschmieden, wurde er international bekannt.

Kurzfassung

Sie stehen vor der Schlosskirche, die auch Kirche der Reformation heißt. Von hier aus verbreitete Martin Luther am 31. Oktober 1517 seine 95 Thesen. Die Kirche wurde ab 1496 gebaut und 1503 geweiht. Seit 1996 ist sie UNESCO-Welterbe.

Für Kinder

Das ist die Schlosskirche von Wittenberg. Hier hat Martin Luther im Jahr 1517 seine 95 Thesen verbreitet. Thesen sind Sätze, über die man streiten will. Man erzählt, er habe sie an die Kirchentür geschlagen. Ob das wirklich so war, weiß man nicht sicher. Sicher ist, dass er sie mit der Hand abschrieb und an zwei Bischöfe schickte. Damit begann die Reformation. Luther liegt in dieser Kirche begraben. Was würdest du an eine Tür heften, wenn es alle lesen sollen?

Quellen

Koordinaten: 51.866388888, 12.637777777 · auf der Karte

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