Stadtohr

Stadtrundgang Lüneburg · Station 2 von 11

St. Nicolai

1407 bis 1440 · Hanse, Backstein, Hafen

Vor Ihnen steht eine große Backsteinkirche mit einem hohen Turm. Innen ist sie eine dreischiffige Basilika: Ein hohes Mittelschiff wird von zwei niedrigeren Seitenschiffen begleitet. Der Baustoff ist durchgehend roter Ziegel, nicht Naturstein.
Foto: Ralf Roletschek (talk) - Fahrradtechnik auf fahrradmonteur.de, CC BY-SA 3.0 de · Wikimedia Commons

Ausführlich

Vor Ihnen steht St. Nicolai. Sie ist die jüngste und die kleinste der drei Hauptkirchen Lüneburgs. Das klingt nach einem Trostpreis, ist aber in Wahrheit eine Auszeichnung. Drei Hauptkirchen bedeuten nämlich drei starke Stadtviertel, die sich jedes für sich eine große Kirche leisten konnten. Nicht die Stadt baute hier, sondern ein Viertel. Gebaut wurde von 1407 bis 1440. Dreiunddreißig Jahre. Wer als Kind den ersten Spatenstich sah, war beim letzten ein alter Mann. Die Bauform ist eine dreischiffige Basilika im Stil der Backsteingotik. Treten Sie ruhig einen Schritt zurück und schauen Sie auf das Material. Alles Ziegel. Kein einziger Naturstein. Das ist kein Geschmack, das ist Geografie. In Norddeutschland gibt es keine Steinbrüche in der Nähe, aber Lehm im Überfluss. Also formte und brannte man Ziegel. Aus dieser Not entstand ein eigener Baustil, der von Flandern bis ins Baltikum reicht. Man baute hier so, wie man in Lübeck baute, in Stralsund, in Danzig, in Riga. Auch das ist kein Zufall. Die Lüneburger Kaufleute handelten dorthin, und sie brachten die Formen mit zurück, so wie man heute Urlaubsfotos mitbringt. Geweiht ist die Kirche dem heiligen Nikolaus von Myra. Er ist der Schutzpatron der Schiffer und der Kaufleute. Passender geht es hier nicht. Sie stehen im Wasserviertel, im Nordosten der Altstadt, rund um den historischen Hafen an der Ilmenau. Hier kam das Salz aufs Schiff. Hier wurde verladen, verzollt, gestritten und bezahlt. Diese Kirche ist also auch ein Stück Hafeninfrastruktur. Sie war die Versicherung der Leute, deren ganzes Vermögen gerade auf einem Kahn Richtung Ostsee schwamm. Man betete hier nicht aus Langeweile. Man betete für Fracht. Seit der Einführung der Reformation in Lüneburg im Jahr 1530 wird hier evangelisch Gottesdienst gefeiert. Und nun gehen Sie bitte die wenigen Schritte weiter zum Wasser hinunter. Dort steht ein hölzernes Ungetüm, das die ganze Geschichte dieser Stadt in einem einzigen Gegenstand erzählt.

Kurzfassung

Vor Ihnen steht St. Nicolai. Sie ist die jüngste und die kleinste der drei Hauptkirchen Lüneburgs. Gebaut wurde sie von 1407 bis 1440, im Stil der Backsteingotik. Benannt ist sie nach dem heiligen Nikolaus von Myra, dem Schutzpatron der Schiffer.

Für Kinder

Diese Kirche heißt Sankt Nicolai. Guck mal genau hin: Siehst du, dass sie aus lauter kleinen roten Steinen gebaut ist? Das sind Ziegel. Warum keine großen Felsbrocken wie bei anderen Kirchen? Weil es hier in der Gegend überhaupt keine Felsen gibt. Nur Lehm und Sand. Also haben die Leute den Lehm genommen, ihn in Formen gedrückt und im Feuer gebacken – fast wie Kekse, nur härter. Daraus ist dann diese riesige Kirche entstanden. Aus Matsch, sozusagen. Und benannt ist sie nach dem heiligen Nikolaus. Genau, der mit den Geschenken. Er passt auf alle auf, die mit Schiffen unterwegs sind. Der Hafen liegt gleich um die Ecke, deshalb steht er hier.

Was Sie vor sich sehen

Vor Ihnen steht eine große Backsteinkirche mit einem hohen Turm. Innen ist sie eine dreischiffige Basilika: Ein hohes Mittelschiff wird von zwei niedrigeren Seitenschiffen begleitet. Der Baustoff ist durchgehend roter Ziegel, nicht Naturstein.

In English

In front of you is St Nicolai, the youngest and the smallest of the three main churches of Lüneburg. It was built between 1407 and 1440 as a three-aisled basilica in the brick Gothic style, the same way people built in the Hanseatic towns around the Baltic. That is no coincidence: the merchants traded there and brought the forms back. The church is dedicated to Saint Nicholas of Myra, patron saint of boatmen. That fits this place. You are standing in the water quarter, around the historic harbour. Since the Reformation reached Lüneburg in 1530, the services here have been Protestant.

Quellen

Koordinaten: 53.25191, 10.41038 · auf der Karte

Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL. Routing und Belag: Valhalla auf OSM-Daten. Objektdaten: Wikidata (CC0) und Denkmalatlas Niedersachsen. Fotos: Wikimedia Commons, Urheber und Lizenz je Bild angegeben.