
Das ist der Alte Kran am ehemaligen Ilmenau-Hafen. Wenn Sie sich aus Lüneburg nur einen einzigen Gegenstand merken wollen, dann diesen. Er erklärt die ganze Stadt. Der heutige Kran wurde 1797 erbaut und gehörte damals zu den leistungsfähigsten in ganz Norddeutschland. Aber das Baujahr ist nicht das Entscheidende. Entscheidend ist die Frage, warum an dieser Stelle überhaupt ein Kran steht, und zwar schon lange vor diesem hier. Lüneburg saß auf Salz. Die Ablagerungen des Zechsteinmeeres sind zweihundertfünfzig Millionen Jahre alt. Normalerweise liegen sie tief. Bei Lüneburg liegen sie ungewöhnlich oberflächennah. Deshalb konnte man sie schon früh mit einfachen Mitteln gewinnen, ohne Bergbau, ohne Technik, einfach indem man salziges Wasser nach oben holte und einkochte. Die Legende erzählt es natürlich schöner. Ein Jäger erlegte eine schneeweiße Wildsau. Weiß war sie von kristallisiertem Salz, weil sie sich in einer Salzquelle gesuhlt hatte. So sei um das Jahr achthundert die erste Salzquelle entdeckt worden. Das ist eine Legende und keine Urkunde, aber sie hält sich seit über tausend Jahren, und das will auch etwas heißen. Salz allein macht allerdings noch niemanden reich. Man muss es wegbringen. Und genau dafür steht dieser Kran. Zur Förderung des Salzhandels baute die Stadt zwei Dinge: einen Kran hier am Stint, und den Stecknitzkanal, eine künstliche Wasserstraße in Richtung Lübeck. Damit war das Lüneburger Salz an die Ostsee angeschlossen. Und an der Ostsee brauchte man Salz, um Hering zu konservieren. Hering war das Grundnahrungsmittel des halben Kontinents, besonders an den über hundert Fastentagen im Jahr, an denen kein Fleisch auf den Tisch durfte. Rechnen Sie es sich aus: Eine Stadt im Binnenland verdient daran, dass halb Europa freitags Fisch isst. Sie sehen hier also keinen Kran. Sie sehen eine Schnittstelle. Hier wurde aus einem Bodenschatz ein Vermögen, und aus einem Vermögen das Rathaus, vor dem Sie eben standen. Der Platz heißt Stint, nach einem früheren Markt für Stinte, also kleine Fische. Eine Anmerkung noch, weil wir hier ehrlich bleiben wollen. Die Jahreszahl 1797 finden Sie in zwei Quellen. Eine dritte nennt 1791. Welche stimmt, konnte ich nicht klären.
Das ist der Alte Kran am ehemaligen Ilmenau-Hafen. Der heutige Kran wurde 1797 erbaut. Damals gehörte er zu den leistungsfähigsten in ganz Norddeutschland. Er ist bis heute eines der Wahrzeichen der Stadt.
Das ist der Alte Kran. Mit so einem Kran hat man früher schwere Fässer auf die Schiffe gehoben. Und jetzt rate mal, wer den angetrieben hat: Menschen. Die sind in einem riesigen Holzrad gelaufen, immer im Kreis, wie Hamster. Dadurch hat sich das Seil aufgewickelt und das Fass ging nach oben. In den Fässern war Salz. Salz war damals unglaublich wertvoll, weil man damit Fisch haltbar machen konnte. Es gab ja keine Kühlschränke. Also: Lüneburg wurde reich mit etwas, das heute fünfzig Cent kostet. Und es gibt sogar eine Geschichte dazu, wie das Salz gefunden wurde. Die erzähle ich dir gleich – sie hat mit einem Schwein zu tun.
Am Wasser steht ein hölzerner Doppelkran mit zwei kegelförmigen Dächern über einem gemauerten Sockel. Die Konstruktion ist sichtbar aus Balken gefügt. Dahinter liegt der Fluss, davor eine gepflasterte Uferstraße mit Gastronomie.
Der Legende nach erlegte ein Jäger eine schneeweiße Wildsau. Weiß war sie von kristallisiertem Salz, weil sie sich in einer Salzquelle gesuhlt hatte. So sei um das Jahr achthundert die erste Salzquelle entdeckt worden.
This is the Old Crane at the former Ilmenau harbour. The present crane was built in 1797 and was then among the most powerful in all of northern Germany. But a crane stood here long before this one. It was built to serve the salt trade, together with the Stecknitz canal, an artificial waterway towards Lübeck. That connected Lüneburg salt to the Baltic, where salt was needed to preserve herring. So this is not really a crane. It is an interface, where a mineral deposit turned into a fortune. The square is called Stint, after a former market for smelt, a small fish.
Koordinaten: 53.2513, 10.4134 · auf der Karte