
Sie sind in der Straße Auf dem Meere, einer historischen Straße westlich der Altstadt. Sie verläuft von Nordost nach Südwest. Am südöstlichen Ende mündet sie in den Johann-Sebastian-Bach-Platz, am nordöstlichen in den Marienplatz. Ältere Bezeichnungen waren Auf den Meer und am Meere. Mit dem Meer hat der Name allerdings nichts zu tun. Er stammt wahrscheinlich von der Bezeichnung in mare. Damit wurde 1303 das sumpfige Gebiet in einer Senke beim Kalkberg bezeichnet. Senke. Das ist das Wort, um das es hier geht, und es ist der dunkle Teil der Lüneburger Erfolgsgeschichte. Erinnern Sie sich an den Alten Kran, an die weiße Wildsau, an die zweihundertsechzehn Siedepfannen. All das hatte einen Preis, und der wurde nicht in Geld bezahlt. Die Saline lag zwischen Sülzwiese und Kalkberg, und ihr Haupttor hatte sie am Lambertiplatz, also hier in der Nähe. Dort holte man jahrhundertelang Sole aus dem Boden und kochte sie ein. Gewonnen wurde Salz bis 1980. Das ist keine ferne Geschichte. Das war in der Lebenszeit von Menschen, die heute noch hier wohnen und einkaufen. Wenn man über Jahrhunderte Salz aus dem Untergrund löst, bleibt unter einer Stadt nicht alles, wie es war. Der Boden senkt sich. Nicht dramatisch, nicht an einem Tag. Millimeterweise, über Generationen, so langsam, dass es niemand bemerkt, bis Türen klemmen und Risse durch Wände laufen. Im Südwesten der Altstadt lag das Sülzviertel, die Arbeitersiedlung der Salzsieder. Dort stand die Lambertikirche, meist St. Lamberti genannt, eines der ältesten Gotteshäuser der Stadt. In den Jahren 1860 bis 1861 wurde sie wegen Bauschäden abgerissen. Diese Schäden sind zum Teil auf ihren Standort zurückzuführen, nämlich den Lambertiplatz am Rande des Senkungsgebiets. Lassen Sie sich diesen Satz auf der Zunge zergehen. Die Stadt hat eine ihrer ältesten Kirchen nicht durch Krieg verloren. Nicht durch Feuer, nicht durch die Reformation, nicht durch einen Bombenangriff. Sie hat sie durch den Boden verloren, auf dem sie ihren ganzen Reichtum erwirtschaftet hat. Von den vier historischen Stadtvierteln hatte jedes seine Kirche. Drei stehen noch. Das hier war das vierte. Deshalb stehen wir an dieser Stelle, obwohl es nichts zu sehen gibt. Manchmal ist die Leerstelle die Station. Eine Einordnung noch, der Redlichkeit halber. Dass das Senkungsgebiet hier liegt und die Lambertikirche an seinem Rand stand, steht so in meinen Quellen. Dass einzelne Häuser in dieser Straße deshalb schief stehen, habe ich nicht belegt gefunden. Schauen Sie sich um und urteilen Sie selbst. Die Baudenkmale dieser Straße sind im Denkmalatlas Niedersachsen erfasst. Gehen Sie nun weiter nach Westen, zur letzten Station. Dort hat ein Schüler die Schule beendet, dessen Namen jeder kennt.
Sie sind in der Straße Auf dem Meere. Der Name hat nichts mit dem Meer zu tun. Er kommt wahrscheinlich von in mare. So nannte man 1303 das sumpfige Gebiet in einer Senke beim Kalkberg. Sie stehen am Rand des Lüneburger Senkungsgebiets.
Diese Straße heißt Auf dem Meere. Aber ein Meer gibt es hier weit und breit nicht. Früher war hier ein Sumpf, eine feuchte Senke, und daher kommt der Name. Und jetzt die unheimliche Geschichte: Ganz in der Nähe haben die Leute jahrhundertelang Salz aus dem Boden geholt. Bis 1980 – da haben deine Großeltern vielleicht schon gelebt. Wenn man das so lange macht, bleibt unter der Erde ein Hohlraum, und der Boden sackt ganz langsam ab. Ein paar Millimeter im Jahr. Das merkt niemand. Aber eine ganze Kirche ist davon kaputtgegangen. Man musste sie abreißen. Der Boden hat sie sich geholt.
Eine leicht geschwungene Straße mit dicht stehenden Giebelhäusern, viele davon Fachwerk und Backstein. Einige Fassaden stehen sichtbar nicht mehr im Lot. Die Straße liegt tiefer als das umgebende Gelände.
You are in the street called Auf dem Meere, a historic street west of the old town. The name has nothing to do with the sea. It probably comes from in mare, the term used in 1303 for the marshy ground in a hollow near the Kalkberg. Hollow is the word that matters here, and it is the dark side of Lüneburg's success. The salt works lay between the Sülzwiese and the Kalkberg, and salt was won here until 1980. In the south-west of the old town stood the Lamberti church, one of the oldest in the city. It was demolished in 1860 and 1861 because of structural damage, partly due to its position at the edge of the subsidence area.
Koordinaten: 53.25032, 10.40488 · auf der Karte