Stadtohr

Stadtrundgang Lüdenscheid · Station 8 von 14

Altes Rathaus Lüdenscheid

1874 · rathaus, stadtgeschichte, ns-zeit, gedenkstätte

Altes Rathaus Lüdenscheid
Foto: Martin WA Sander, CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Ausführlich

Sie stehen vor dem Alten Rathaus, an zentraler Stelle der Lüdenscheider Altstadt, direkt neben der Erlöserkirche. Hier im Kern der Altstadt erzähle ich Ihnen, wie Lüdenscheid entstand. Wohl im 9. Jahrhundert entstand der Ort als sächsische Siedlung an einem Heerweg, der von Köln nach Soest führte. Zunächst war es eine Bauerschaft, eventuell mit einer Zollstätte der Kölner Erzbischöfe, der damaligen Landesherren. Der Ort markierte die Stelle, an der der Weg die Wasserscheide zwischen Lenne und Volme passierte. Bis heute ist der Verlauf der alten Fernverbindung an der Folge von Knapper-, Wilhelm- und Werdohler Straße ablesbar. 1067 wurde der Ort zum ersten Mal urkundlich erwähnt: Erzbischof Anno II. übertrug einen Teil der Zehnteinnahmen aus dem Dorf dem neugegründeten Stift St. Georg in Köln. 1114 begann Kaiser Heinrich V. in Lüdenscheid den Bau einer Burg, als Stützpunkt gegenüber dem Kölner Erzbischof und den Grafen von Arnsberg. Schon 1115 wurde sie von Friedrich von Arnsberg zerstört. Ihr Standort wird im Bereich des heutigen Alten Rathauses angenommen. Zum Haus selbst. Zuvor stand hier das Hochgrafenhaus der Familie von Hymmen. Von 1816 bis zu seinem Abbruch 1871/72 diente es als Rathaus. 1874 war der Neubau fertig, mit drei Vollgeschossen im Stil italienischer Renaissance-Palazzi. Schauen Sie auf die Fassade: Rundbogenfenster, im Erdgeschoss eine angedeutete Rustizierung, in den Stockwerken darüber Lisenen, unter dem flachen Dach ein Rundbogenfries. Die ursprünglich gegliederten Fenster wurden entfernt, deshalb wirkt das Haus heute leicht streng. Bis zur Fertigstellung des Neuen Rathauses 1964 saß hier die Stadtverwaltung. Heute befindet sich in dem Gebäude die Zentrale der Volkshochschule. Und es gibt den Keller. In den Polizeihaftzellen waren im Dritten Reich über 1.000 Personen aus politischen Gründen inhaftiert, 356 von ihnen sind namentlich identifiziert. Darunter ist Erwin Welke, der spätere Oberbürgermeister der Stadt. Nach jahrelangem Engagement der Friedensgruppe Lüdenscheid und des Vereins Ge-Denk-Zellen wurden am 23. November 2012 die Ge-Denk-Zellen eröffnet. Im Vorraum und in zwei Arrestzellen im Keller dokumentiert seither eine Mahn- und Gedenkstätte die Lüdenscheider NS-Geschichte. Gleich nebenan steht die Erlöserkirche.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem Alten Rathaus in der Altstadt. Es wurde 1874 im Stil italienischer Renaissance-Palazzi fertiggestellt und war bis 1964 Sitz der Stadtverwaltung. Im Keller erinnern die Ge-Denk-Zellen an die Zeit des Nationalsozialismus. Heute hat hier die Volkshochschule ihre Zentrale.

Für Kinder

Dieses Haus war bis 1964 das Rathaus von Lüdenscheid. Gebaut wurde es 1874. Davor stand hier schon ein Haus, das als Rathaus diente. Man nimmt an, dass hier einmal eine Burg stand: Kaiser Heinrich V. begann 1114 mit dem Bau, schon 1115 wurde sie zerstört. In den Polizeihaftzellen waren im Dritten Reich über tausend Menschen aus politischen Gründen eingesperrt. Heute erinnert dort eine Gedenkstätte daran. Zuletzt arbeitete die Verwaltung in mehr als zwölf Gebäuden. Wie würdest du da jemanden finden?

Quellen

Koordinaten: 51.216, 7.63289 · auf der Karte

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