Sie stehen vor der Torhalle des ehemaligen Klosters Lorsch, die man auch Königshalle nennt. Sie ist ein spätkarolingischer Bau, um 900 errichtet. Als letzter oberirdisch sichtbarer Teil der karolingischen Klosteranlage kam sie 1991 mit den übrigen Resten des Klosters in die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO. Schauen Sie die Fassade an. Sie ist vielfarbig: Formatsteine in Rot, Beige und Weiß. Das Gebäude ist klein, nur 10,9 Meter breit und 7,2 Meter tief, und bis zum First etwa vierzehn Meter hoch. Im Erdgeschoss bilden drei offene, halbrunde Tore einen Durchgang. Halbsäulen rahmen sie ein, mit Kapitellen aus weißem Kalkstein. Darüber, im Obergeschoss, treten neun flache Arkaden hervor, jeweils mit gerillten Pilastern und einem Dreiecksgiebel. Dahinter liegt ein Muster aus Sandsteinkacheln: rote Sechsecke, verbunden durch helle Dreiecke, darunter weiße und rote Quadrate, die auf der Spitze stehen. All das orientiert sich an der Antike. Die Schmalseiten dagegen sind schmucklos, mit je einem halbrunden Treppenturm. Etwa achtzig Meter östlich sehen Sie den Rest der früheren Klosterkirche. Das Rätsel: Bauzeit und Funktion der Halle sind schriftlich nirgends festgehalten. Lange vermutete man, sie sei 774 zu Ehren Karls des Großen entstanden, als eine Art Triumphbogen. Andere brachten sie mit der Grablegung Ludwigs des Deutschen in Verbindung, der 876 starb und in Lorsch seine letzte Ruhestätte fand, und schlossen auf eine Bauzeit nach 876. Dann kamen Radiokarbonmessungen, 2016 veröffentlicht: Sie grenzen die Bauzeit auf um 900 ein. Karl der Große hat die Halle also nie gesehen. Wozu sie diente, bleibt offen. 1812 hielt der Gernsheimer Stadtpfarrer Johann Konrad Dahl sie für eine Torhalle in der Klostermauer. Doch Grabungen 1927 und 1928 zeigten, dass das Gebäude immer frei stand. 1821 sah Georg Moller in ihr den Eingang zum Vorhof der Klosterkirche. Heute denkt man an eine Königshalle für Empfänge und Gerichtsbarkeit, an einen Ehrenbogen oder eine Bibliothek. Der jüngste Vorschlag deutet sie als Gerichtslaube, wie sie das Alte Testament im Hof des Palastes von König Salomo beschreibt. Dann hätten hier die Äbte oder ihre Stellvertreter Recht gesprochen. Auch das Innere veränderte sich. Zuerst gab es im Obergeschoss eine gemalte Säulenreihe auf einem Sockel aus bunten Quadern, was für eine weltliche Nutzung spricht. Im 11. oder 12. Jahrhundert vermauerte man das mittlere Ostfenster, um Platz für eine Altarnische zu schaffen; die Ostwand erhielt figürliche Malerei. Um 1400 bekam die Halle ein steileres gotisches Dach und eine hölzerne Tonne. 1697 ließ der Mainzer Erzbischof Lothar Franz von Schönborn die Erdgeschossdecke entfernen, die östlichen Bögen vermauern und die westlichen mit Türen versehen.
Sie stehen vor der Torhalle, auch Königshalle genannt, dem letzten oberirdisch sichtbaren Teil der karolingischen Klosteranlage. Der Bau entstand um 900, das zeigen Messungen von 2016. Rote, beige und weiße Steine bilden ein Muster an der Fassade. Wozu die Halle diente, ist bis heute offen.
Vor dir steht ein Tor, das mehr als tausend Jahre alt ist. Man hat es um das Jahr 900 gebaut. Seine Wand ist bunt: rote, beige und weiße Steine bilden ein Muster. Niemand weiß genau, wozu die Halle gedient hat. Man hat an eine Halle für Empfänge gedacht, an einen Gerichtssaal und an eine Bibliothek. Früher glaubten viele, Karl der Große habe sie gesehen. Aber sie ist erst später gebaut worden. Was glaubst du, wofür sie gedacht war?
Koordinaten: 49.6539, 8.56889 · auf der Karte