Stadtohr

Stadtrundgang Leipzig · Station 3 von 16

Moritzbastei

1549 · stadtbefestigung, studenten, wiederaufbau

Ausführlich

Sie stehen an der Moritzbastei. Schauen Sie auf die Mauern unter Ihren Füßen: Das ist alles, was von der Leipziger Stadtbefestigung übrig ist. Ein einziges Stück. Gebaut wurde es 1551 bis 1554 unter der Leitung von Hieronymus Lotter, nachdem der Vorgängerbau im Schmalkaldischen Krieg zerstört worden war. Den Namen gab Kurfürst Moritz von Sachsen. Lotter merken Sie sich bitte; an der nächsten Station steht er wieder vor uns, dann als regierender Bürgermeister. Die militärische Karriere dieses Bauwerks war kurz. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Bastei erstürmt, im Siebenjährigen Krieg verlor sie ihre Funktion. Danach wurde sie, was ein Leipziger Bauwerk eben wird: ein Lager für Handelswaren. Dazu Arbeitsstätte für Glockengießer, Schwefelzieher und Buchdrucker. Von 1796 bis 1834 baute man auf die Mauern eine Bürgerschule, in zwei Abschnitten, nach Plänen von Johann Carl Friedrich Dauthe und August Wilhelm Kanne. Dauthe, der Mann mit dem Konzertsaal im Gewandhaus. In dem zuerst fertigen Flügel lagen während der Völkerschlacht 1813 verwundete russische Soldaten. 1848 eröffnete der Leipziger Kunstverein in einem Teil des Hauses das erste Kunstmuseum der Stadt, dem wir später noch begegnen. Ab 1875 war es eine Höhere Schule für Frauenberufe, die St.-Annen-Schule. Dann der Krieg. Ein Bombenangriff zerstörte die Schule. Schutt und Reste füllte man in die Gewölbe der Bastei, darüber wuchs ein Hügel mit Sträuchern und jungen Bäumen. Dreißig Jahre lang war das hier einfach ein Hügel. Und jetzt kommt der Teil, der diesen Ort erklärt. 1973 und 1974 suchten Studenten Räume für einen Club und entdeckten dabei die Reste unter dem Hügel. Sie überzeugten Universität und Stadt vom Wiederaufbau. 1974 wurde ihnen die Bastei übergeben. Dann rechnen Sie mit: einhundertfünfzigtausend unbezahlte Arbeitsstunden. Vierzigtausend Kubikmeter Schutt, von Hand heraus. Dreißigtausend Studenten arbeiteten im Laufe der Bauzeit mit, darunter die spätere Bundeskanzlerin Angela Merkel. Am 1. Dezember 1979 ging der Oberkeller in Betrieb, am 5. Februar 1982 das ganze Gebäude, als Europas größter Studentenclub. Zur Wendezeit war die Moritzbastei ein von der FDJ betriebenes Objekt und wurde zugleich ein Raum für Begegnungen; Studenten organisierten Foren und Runde Tische. Seit 1993 führt eine GmbH im Auftrag einer Stiftung das Haus als Kulturzentrum, ohne öffentliche Subventionen. Der Erbbauzins beträgt einundfünfzig Cent. Im Januar 2025 verlängerte der Stadtrat das Erbbaurecht zu den gleichen Bedingungen bis Ende 2057. Zur Jahresangabe: Wikidata nennt 1549, eine Quelle nennt 1551 bis 1554. Ich nenne Ihnen die ältere Angabe und sage dazu, dass es zwei gibt.

Kurzfassung

Sie stehen an der Moritzbastei am Kurt-Masur-Platz. Sie ist der einzige erhaltene Teil der alten Leipziger Stadtbefestigung. Gebaut wurde sie 1551 bis 1554 unter Hieronymus Lotter und nach Kurfürst Moritz von Sachsen benannt. Von 1979 bis 1993 war sie der Studentenclub der Universität. Heute ist sie ein Kulturzentrum.

Für Kinder

Du stehst auf der Moritzbastei. Vor fast fünfhundert Jahren war das ein Teil der Stadtmauer, mit dicken Mauern zur Verteidigung. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Schule zerstört. Den ganzen Schutt schüttete man in die Keller, und darüber wuchs Gras und Gebüsch. Dann suchten Studenten einen Raum zum Feiern und fanden die alten Gewölbe. Sie haben vierzigtausend Kubikmeter Schutt herausgeholt. Heute ist hier ein Kulturhaus mit Konzerten. Würdest du so lange graben, um einen Raum zurückzuholen?

Quellen

Koordinaten: 51.3372, 12.3792 · auf der Karte

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