Stadtohr

Stadtrundgang Leipzig · Station 16 von 16

Europahaus

1928 · hochhaus, weimarer republik, denkmalschutz

Ausführlich

Sie stehen vor dem Europahaus, Augustusplatz 7. Und damit stehen Sie wieder dort, wo wir angefangen haben. Schauen Sie noch einmal über den Platz zum Gewandhaus hinüber, dann an diesem Haus hinauf: dreizehn Geschosse, sechsundfünfzig Meter, ein Turmbau mit siebengeschossigen Seitenflügeln, ein Stahlbeton-Skelettbau mit Muschelkalkverkleidung. Dieses Haus ist das Bruchstück eines größeren Plans. 1928 entwarf Stadtbaurat Hubert Ritter, den Sie vom Grassimuseum kennen, das sogenannte Ringcity-Konzept. Entlang des Leipziger Innenstadtrings sollte der Bau frei stehender Hochhäuser möglich sein, und die sollten wirken, ich gebe die Formulierung wörtlich, wie Hochpunkte in einer Stadtkrone. Stellen Sie sich das vor: ein Kranz von Türmen rund um die Altstadt. Aufgrund der Weltwirtschaftskrise wurden in jener Zeit tatsächlich nur zwei davon gebaut. Das Krochhochhaus, das erste Hochhaus der Stadt, dreiundvierzig Meter zwanzig hoch, mit den beiden Glockenmännern auf dem Dach. Und dieses, als Gegengewicht auf der gegenüberliegenden Platzseite. Die Krone blieb ein Fragment. Auch dieses Haus sieht nicht aus, wie es gedacht war. Otto Paul Burghardt hatte zuerst einen Entwurf vorgelegt, bei dem der höhere Turmbau in axialer Eckstellung stand. Das Sächsische Innenministerium forderte eine Überarbeitung, angeleitet von Wilhelm Kreis, und so bekam die Fassade im Mai 1928 eine deutlich vereinfachte Form, mit einer Gliederung, die zwischen den Fenstern senkrecht nach oben läuft. Burghardt verzichtete auf jedes Ornament. Was blieb, ist die Betonung der Vertikalen, in der ein Anklang an den Expressionismus steckt. Schauen Sie die Senkrechten einmal von unten nach oben ab. Mehr Schmuck hat dieses Haus nicht, und mehr braucht es nicht. Geplant waren sechshunderttausend Reichsmark. Gekostet hat es zwei Millionen. Zur Erbauungszeit lag auf dem Mittelteil ein Dachgarten-Restaurant, das bis in die 1950er Jahre das höchste Dachgarten-Café Europas gewesen sein soll. Nach derselben Quelle gehörten zu den ersten Mietern ein gymnastischer Übungsraum im zwölften Obergeschoss und der Norddeutsche Lloyd im Erdgeschoss. Damit sind wir am Ende. Wir haben heute ein Zeughaus gesehen, das zum Konzerthaus wurde, ein Rathaus, das in acht Monaten zwischen zwei Messen entstand, eine Börse, die aus einer Peinlichkeit wuchs, und ein Kaffeehaus, in dem der Eintritt frei war. Wir sind über einen Platz gegangen, auf dem mehr fehlt als steht, und über einen Friedhof, dessen Steine nicht mehr dort stehen, wo die Gräber sind. Und wir haben in einer Kirche gehört, wie aus einigen wenigen Menschen einhunderttausend wurden. Ob eine Krone aus Türmen hier noch fehlt, können Sie selbst entscheiden. Dieses Haus hält seinen Platz darin seit 1929 frei. Danke, dass Sie mitgegangen sind.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem Europahaus am Augustusplatz 7. Das Bürogebäude ist dreizehn Geschosse und sechsundfünfzig Meter hoch und steht unter Denkmalschutz. Gebaut wurde es 1928 und 1929 von Otto Paul Burghardt, als zweites Hochhaus der Stadt. Hier endet der Rundgang, dort, wo er begonnen hat.

Für Kinder

Du stehst vor dem Europahaus. Es ist sechsundfünfzig Meter hoch und hat dreizehn Stockwerke. Ein Stadtbaumeister hatte einen großen Plan: Rings um die Altstadt sollten viele Hochhäuser stehen, wie die Zacken einer Krone. Gebaut wurden davon aber nur zwei. Oben auf dem Dach war früher ein Café im Freien. Man sagt, es war lange das höchste Dachcafé in ganz Europa. Schau an der Wand hoch: Du siehst nur gerade Linien, die nach oben laufen, und keinen Schmuck. Hier endet der Rundgang, genau auf dem Platz, an dem er angefangen hat.

Quellen

Koordinaten: 51.3373, 12.3815 · auf der Karte

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