Stadtohr

Stadtrundgang Landshut · Station 1 von 16

Martinskirche (Landshut)

1389 · backsteingotik, kirche, turm, baumeister

Ausführlich

Willkommen in Landshut. Wir beginnen an der Martinskirche in der Altstadt, und der erste Blick geht nach oben. Der Turm ist 130,1 Meter hoch, der höchste Backsteinturm der Welt und der höchste Kirchturm Bayerns. Der Wikipedia-Quelle zur Stadt nennt ihn außerdem den vierzehnthöchsten Kirchturm der Welt. Die Stadt wurde 1204 gegründet, wie es dazu kam, hören Sie an der Burg. Hier nur so viel: Wegen ihrer Lage an einer wichtigen Isarbrücke konnte sich Landshut zu einer bedeutenden Stadt entwickeln. Die Kirche hatte einen Vorgänger, wahrscheinlich aus der Zeit der Stadtgründung. 1980 fand man im östlichen Teil des Langhauses die Fundamente einer dreischiffigen spätromanischen Basilika, 50 Meter lang und 27 Meter breit, mit einem freistehenden Glockenturm davor. Dann kam der Großbrand von 1342. Beim Wiederaufbau hob man das Straßenniveau um drei Meter an, deshalb musste die Kirche neu entstehen. Zur Jahreszahl: Wikidata nennt 1389, das Jahr einer Urkunde, in der ein Baumeister Hanns zu Sankt Martin als Zeuge auftritt. Der exakte Baubeginn ist nicht bekannt, eine Quelle nennt um 1385. Ich nenne die ältere Angabe und sage dazu, dass es zwei gibt. Die Baumeister wechselten. Zuerst Hans Krumenauer, später Baumeister des Passauer Doms. Ob jener Meister Hanns der Urkunde wirklich Krumenauer ist, bezweifelte Peter von Baldass schon 1950, denn der Begriff Baumeister hatte im Mittelalter ein weiteres Bedeutungsspektrum. Sicher nennt ihn ein Eintrag von 1395. Krumenauer lieferte den Plan, der für alle Nachfolger verbindlich war, und baute bis um 1400 den Chor und die Ostpartie. 1405 wurde er nach Passau berufen. 1406 übernahm Hans von Burghausen die Bauaufsicht. Herzog Heinrich der Reiche schenkte ihm ein Wohnhaus südlich der Baustelle. Unter ihm entstanden die sieben östlichen Joche, noch ohne Gewölbe, und das Nordportal von 1429. Er starb 1432 und wurde neben der Kirche begraben. Sein Neffe Hans Stethaimer vollendete die zwei westlichen Joche und begann frühestens 1441 mit dem Turm. Nach Stethaimers Tod um 1460 übernahm vermutlich Stefan Purghauser, der Sohn des Hans von Burghausen, die Bauleitung. Um 1475 bekam das Langhaus Rippengewölbe und ein hohes Satteldach. Um 1500, nach über hundert Jahren, war mit der Eindeckung des Turms alles fertig. Schauen Sie den Turm entlang nach oben: neun Geschosse, die sich nach oben verjüngen. Über dem vierten Stockwerk ragen vier schlanke sechseckige Treppentürmchen auf, doch nur das in der Südostecke führt in den Glockenstuhl. Unter all dem stehen im Grundwasser 5000 Tannenholzpfähle. Nach dem Zweiten Weltkrieg fürchtete man, dass die Isarregulierung den Grundwasserspiegel senkt und die Pfahlgründung gefährdet.

Kurzfassung

Sie stehen vor der Martinskirche, der Stadtpfarr- und Stiftskirche St. Martin und Kastulus. Hans Krumenauer begann sie um 1385 als Hallenkirche, um 1500 war sie fertig. Ihr Turm ist mit 130,1 Metern der höchste Backsteinturm der Welt und der höchste Kirchturm Bayerns.

Für Kinder

Du stehst vor dem höchsten Backsteinturm der Welt. Er ist 130,1 Meter hoch. An der Kirche haben nacheinander mehrere Baumeister gearbeitet, und es dauerte über hundert Jahre, bis sie fertig war. Unter dem Boden stehen 5000 Pfähle aus Tannenholz. Sie stehen ganz im Grundwasser, damit sie nicht faulen. Der Turm hat neun Geschosse, die nach oben schmaler werden. Schau nach oben: Kannst du dir vorstellen, wie hoch 130 Meter sind?

Quellen

Koordinaten: 48.534141666, 12.151086111 · auf der Karte

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