Stadtohr

Stadtrundgang Köln · Station 2 von 16

St. Mariä Himmelfahrt

1629 · jesuitenkirche, barock, hochaltar, wiederaufbau

Ausführlich

Sie stehen vor St. Mariä Himmelfahrt an der Marzellenstraße. Diese Kirche ist ein Zwitter, und das ist ihr Reiz. Der Raum ist der mittelalterlichen Baukunst verpflichtet, Spitzbogen, Maßwerkfenster, Strebepfeiler. Lichtführung und Ausstattung prägen ihn aber frühbarock um. Der Grundstein fiel 1618, in Gebrauch war sie 1629, vollendet 1678. Die Pläne stammen von Christoph Wamser, Vorbild war die Jesuitenkirche in Molsheim im Elsass, die er selbst gebaut hatte. Ab 1623 übernahm Valentin Boltz aus Thüringen die Bauleitung und die Innenausgestaltung. Treten Sie ein und schauen Sie zuerst nach oben. Auf Konsolen mit üppigen herabhängenden Trauben ruht ein Netzgewölbe, flach wie eine halbe Tonne, mit hohen Stichkappen über den Fenstern. Das Rippennetz wechselt zwischen Stern und Quadrat und überspannt den ganzen Raum, ohne dass es herkömmliche Gurtbögen gibt. Darunter liegt ein gemusterter Fußboden aus schwarzen und weißen Marmorplatten. Die Fenster waren von Anfang an farblos. Barock heißt hier: helles Licht. Nun zum Hochaltar, denn an ihm hängt diese Station. Er wurde 1628 von Kurfürst Ferdinand von Bayern gestiftet und in der Kölner Kollegwerkstatt unter Valentin Boltz ausgeführt. Aus Holz geschnitzt, gefasst in Schwarz, Rot und Gold, durchmisst er in drei Geschossen die ganze Höhe des Chores, 22,50 Meter. Von einer Wendeltreppe im Glockenturm führen Türen zu drei Plattformen hinter dem Altar. Von dort konnten die Altargemälde den kirchlichen Festen entsprechend ausgetauscht werden. Das eigentliche Kunststück ist der Tabernakel, ein Meisterwerk jesuitischer Theatralik. Bei der Aussetzung des Allerheiligsten wurde hinter dem Altar mit einer Kurbel ein Mechanismus in Bewegung gesetzt. Ein walzenförmiges Expositorium schob sich etwa zwanzig Zentimeter nach vorn, zwei Türen öffneten sich, und es erschien eine feststehende Monstranz, über der Gottvater mit Engeln in den Wolken schwebte. Gleichzeitig bewegten sich zwei Leuchterengel in den Tabernakel hinein, machten eine Vierteldrehung und wandten sich präsentierend dem Allerheiligsten zu. Kirchgänger, die das noch vor dem Krieg erlebt haben, berichten, dass es nicht ohne erhebliches Quietschen vonstatten ging. Das ist der Wartung zuzuschreiben, nicht den barocken Konstrukteuren. Die Mechanik wurde rekonstruiert und wird heute elektronisch in Gang gesetzt. Die zylindrische Monstranz und die Darstellung Gottvaters sind im Original erhalten und wieder eingebaut. Dass man überhaupt rekonstruieren musste, hat einen Grund: Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche bis fast auf die Umfassungsmauern zerstört. Von 1949 bis 1979 erhielt sie ihre ursprüngliche Gestalt zurück, der Altar von 1964 bis 1979, unter Verwendung geborgener Originalfragmente. Die kleineren Heiligenfiguren in den Nischen der Emporenbrüstungen gingen bis auf zwei verloren.

Kurzfassung

Sie stehen vor St. Mariä Himmelfahrt an der Marzellenstraße, der ehemaligen Kollegkirche der Jesuiten. Der Grundstein wurde 1618 gelegt, 1629 nahm man die Kirche in Gebrauch, 1678 war sie vollendet. Nach dem Dom war sie lange die größte Kirche Kölns.

Für Kinder

Du stehst vor St. Mariä Himmelfahrt. Diese Kirche gehörte einem Orden, den Jesuiten. Sie wurde ab 1618 gebaut. Nach dem Dom war sie lange die größte Kirche in Köln. Geh hinein und schau nach oben. Die Decke ist mit steinernen Rippen überzogen, die Sterne und Vierecke bilden. Der Altar ist 22,50 Meter hoch, so hoch wie ein Haus mit sieben Stockwerken. Und nun das Beste: Im Altar steckt eine Maschine. Hinter dem Altar drehte jemand an einer Kurbel. Dann schob sich ein Kasten nach vorn, zwei Türen gingen auf, und zwei Engel mit Kerzen fuhren hinein und drehten sich zur Seite. Leute, die das früher gesehen haben, sagen: Es hat laut gequietscht. Was glaubst du, warum?

Quellen

Koordinaten: 50.943067, 6.956142 · auf der Karte

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