Stadtohr

Stadtrundgang Köln · Station 16 von 16

Orgeln des Kölner Domes

1948 · orgel, akustik, wiederaufbau, technik

Ausführlich

Hier endet der Rundgang, im Dom, bei den Orgeln. Und es ist der passende Schluss, denn an ihnen lässt sich die ganze Baugeschichte ablesen, die an der ersten Station begann. Die erste große Orgel erhielt der Dom 1573. Sie hatte 25 Register und wurde an der Trennwand aufgestellt, die damals den baulich vollendeten Chor vom unvollendeten Langhaus trennte. Hören Sie das heraus: Der Dom war 1573 eine halbe Kirche mit einer Wand in der Mitte, und davor stand die Orgel. 1764 bis 1770 wurde umgebaut, danach hatte das Instrument 36 Register. 1790 begann ein Umbau, der einem Neubau gleichkam. Er wurde unterbrochen, weil am 6. Oktober 1794 französische Truppen in Köln einzogen, und konnte erst 1821 abgeschlossen werden. Dann hatte die Orgel 42 Register. 1842 bekam sie einen neugotischen Prospekt, entworfen vom Dombaumeister Ernst Friedrich Zwirner. 1863 wurde die Trennwand abgerissen, weil das Langhaus baulich vollendet war. Damit verlor die Orgel ihren Platz. Die Suche nach einem neuen war akustisch schwierig, und erst auf Empfehlung des französischen Orgelbauers Aristide Cavaillé-Coll, den man zu einem Ortstermin bat, wurde sie an die Innenseite der nördlichen Querhausfassade umgesetzt. Diese Aufstellung war akustisch sehr ungünstig. Das Instrument konnte den großen Innenraum nicht in angemessener Lautstärke und Klarheit beschallen. Ein Umbau 1899 und ein grundlegender Umbau 1928 lösten das Problem nicht. Nach 1928 hatte die Orgel 52 Register, war aber für 115 angelegt. 1943 durchschlugen Bombentreffer die Gewölbe des nördlichen Querhauses, und die alte Orgel wurde vollständig zerstört. Was danach gebaut wurde, erklärt den merkwürdigen Standort, den Sie heute sehen. Die Querhausorgel wurde 1948 als Opus 1000 der Firma Klais mit 68 Registern erbaut und zur 700-Jahr-Feier des Domes eingeweiht. Ihr Platz auf einer Betonempore in verhältnismäßig geringer Höhe ist für gotische Kathedralen unüblich. Zwei Gründe gibt es dafür. Das Langhaus war bis 1956 wegen der Wiederaufbauarbeiten abgesperrt, und die Liturgie war vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil stärker auf Chor und Hochaltar ausgerichtet. Als das Langhaus fertig und die Trennwand weg war, erwies sich die Orgel als zu klein. 1956 wurde sie auf 86 Register erweitert, 2002 um ein Hochdruck-Solowerk ergänzt. Heute hat sie 88 Register auf vier Manualen und Pedal. 1998 kam die eigentliche Antwort: die Langhausorgel. Sie ist eine Schwalbennestorgel, und das Wort ist wörtlich zu nehmen. Sie wiegt etwa 30 Tonnen, ist etwa 20 Meter hoch und hängt etwa 20 Meter über dem Fußboden an vier Stahlstangen von 20 bis 35 Millimetern Dicke, die im Dachstuhl verankert sind. Sie hängt unmittelbar vor der nördlichen Langhauswand, ohne die Wand zu berühren. Dabei verdeckt sie teilweise ein Obergadenfenster, so dass um sie herum ein Lichtband erstrahlt. 53 Register, 3963 Pfeifen. Dieses Instrument behob die unbefriedigende Klangsituation der Nachkriegszeit. Es hat allerdings einen Preis: Es unterbricht das Raumkontinuum von Langhausmittelschiff, Vierung und Hochchor, das die neugotischen Architekten des 19. Jahrhunderts gewollt hatten. Schauen Sie es sich an und entscheiden Sie selbst. Damit sind wir am Ende. Wir haben mit einem Dom angefangen, an dem 632 Jahre gebaut wurde, und sind bei einer Orgel angekommen, deren Standort davon abhängt, wann welche Wand stand. Dazwischen lagen eine römische Brücke, römische Lagerhallen unter einer romanischen Kirche, eine gefälschte Klosterchronik, ein Hotelfenster, von dem aus ein Kaiser ein Fest beobachtete, ein Stein am Rheinufer mit zwei Worten darauf, und mehrere Nächte im Jahr 1942 und 1943, nach denen fast alles wieder aufgebaut werden musste. Wenn jetzt gespielt wird, hören Sie zu. Es ist das jüngste Stück dieses Hauses.

Kurzfassung

Hier endet der Rundgang, im Dom, bei den Orgeln. Die Anlage gehört mit 143 Registern zu den größten Orgeln Deutschlands. Sie besteht aus zwei Hauptorgeln und einem Hochdruckwerk. Die Querhausorgel wurde 1948 fertig, die Langhausorgel 1998, das Hochdruckwerk kam 2006 dazu.

Für Kinder

Du bist am Ende des Rundgangs, im Dom, bei den Orgeln. Zusammen haben sie 143 Register, das sind die Knöpfe und Züge, mit denen man verschiedene Klänge auswählt. Die eine Orgel hängt hoch oben an der Wand wie ein Vogelnest. Sie wiegt 30 Tonnen und hängt an nur vier Stahlstangen, die im Dachboden festgemacht sind. Die Wand berührt sie nicht. Sie hat 3963 Pfeifen. Früher stand im Dom eine Wand mitten im Raum, weil die Kirche noch nicht fertig war. Davor stand die alte Orgel. 1863 kam die Wand weg, und die Orgel hatte plötzlich keinen Platz mehr.

Quellen

Koordinaten: 50.94129, 6.95817 · auf der Karte

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