Stadtohr

Stadtrundgang Köln · Station 4 von 16

Mahnmal für die schwulen und lesbischen Opfer des Nationalsozialismus in Köln

1995 · mahnmal, nationalsozialismus, verfolgung, gewerkschaft

Ausführlich

Sie stehen am Rheinufer an der Hohenzollernbrücke, mit dem Museum Ludwig und dem Dom im Hintergrund. Vor Ihnen steht ein Stein aus rosa und grauem Granit, 120 Zentimeter hoch, mit einer Kantenlänge von 69 Zentimetern. Die Aufschrift lautet: Totgeschlagen – Totgeschwiegen, den schwulen und lesbischen Opfern des Nationalsozialismus. Die beiden ersten Worte sagen zwei verschiedene Dinge. Totgeschlagen meint die Verfolgung im Nationalsozialismus. Totgeschwiegen meint die Zeit danach, die Situation der Opfer in der Nachkriegs-Bundesrepublik. Beide Worte hatten schon auf einer Gedenktafel am Berliner Nollendorfplatz gestanden. Der Standort ist nicht beliebig gewählt. Die Rheingegend an der Hohenzollernbrücke war lange ein Treffpunkt für homosexuelle Männer, weil sie anonyme Kontakte ermöglichte, ohne dass man sich im bürgerlichen Leben als Schwuler zu erkennen geben musste. An der Brücke stand bis zu seiner Zerstörung im Zweiten Weltkrieg ein Pissoir, das seit der Jahrhundertwende so genutzt wurde. In den Nachkriegsjahren wurden die kriegszerstörten Treppentürme der Brücke zum Treffpunkt. Der Weg zu diesem Stein war lang. Im März 1990 begann der Arbeitskreis Lesben und Schwule der Gewerkschaft ÖTV Köln mit der Initiative, der Initiator Jörg Lenk blieb bis zur Aufstellung die treibende Kraft. Es gab Widerstände, und sie sind dokumentiert. Zuerst wollte der Oberbürgermeister nur eine bestehende Tafel an der Kölner Messe erweitern, die an die Deportation der Juden, Sinti und Roma erinnert. Diese Idee wurde nach einer Stellungnahme des NS-Dokumentationszentrums fallen gelassen. Dann zweifelten Vertreter des Rates daran, dass Lesben überhaupt verfolgt worden seien. Das Dokumentationszentrum räumte diese Zweifel aus. Hier ist die Formulierung wichtig: Eine systematische Verfolgung von Lesben gab es im Nationalsozialismus nicht, aber ihre Lebensumstände und ihre Infrastruktur waren betroffen, und deshalb werden sie in der Aufschrift ausdrücklich genannt. Schließlich wollten Ratsvertreter die Worte schwul und lesbisch durch homosexuell ersetzen. Den Initiatoren erschien dieses Wort zu medizinisch. Sie bezeichneten sich selbst als Lesben und Schwule, und auf Initiative einer Fraktion wurde ihnen die Formulierung überlassen. 1993 folgte eine beschränkte Ausschreibung unter fünfundzwanzig vorgeschlagenen Künstlerinnen und Künstlern. Elf Arbeiten wurden eingereicht und vom 14. Juni bis 15. Juli 1994 öffentlich ausgestellt. Eine unabhängige Jury entschied sich einstimmig für die Arbeit des Rostocker Bildhauers Achim Zinkann. Vergeben wurde sie als zweiter Preis. Ein erster Preis wurde nicht vergeben. Finanziert wurde das Mahnmal über eine Spendensammlung, bei der 30.900 Mark zusammenkamen. Bei der Feier am 24. Juni 1995 sprach Oberbürgermeister Norbert Burger. Es war sein erster offizieller Auftritt überhaupt im Rahmen eines Christopher Street Day. Jedes Jahr am 27. Januar, dem Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus, werden hier Kränze und Blumen niedergelegt. Die Patenschaft für die Pflege hat ein Kölner Männerchor übernommen.

Kurzfassung

Sie stehen am Rheinufer an der Hohenzollernbrücke vor dem Mahnmal für die schwulen und lesbischen Opfer des Nationalsozialismus. Aufgestellt wurde es am 24. Juni 1995. Es besteht aus rosa und grauem Granit, ist 120 Zentimeter hoch und trägt die Aufschrift Totgeschlagen – Totgeschwiegen.

Für Kinder

Du stehst am Rhein, an der Hohenzollernbrücke. Vor dir liegt ein Stein aus rosa und grauem Granit. Er ist 120 Zentimeter hoch, also etwa so hoch wie du vielleicht bist. Auf dem Stein stehen zwei Wörter: Totgeschlagen und Totgeschwiegen. Sie erinnern an Menschen, die während der Zeit der Nationalsozialisten verfolgt wurden, weil sie Männer liebten oder Frauen liebten. Viele wurden in Lager gebracht. Das Wort Totgeschwiegen bedeutet: Auch nach dem Krieg wollte lange niemand darüber reden. Warum ist der Stein rosa? Weil im Lager ein rosa Dreieck auf die Kleidung dieser Männer genäht wurde. Aufgestellt wurde der Stein 1995, bezahlt mit Geld, das viele Menschen gespendet haben.

Quellen

Koordinaten: 50.9409, 6.96262 · auf der Karte

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