Stadtohr

Stadtrundgang Koblenz · Station 2 von 16

Schloss Philippsburg

1626 · residenz, barock, zerstoerung

Ausführlich

Sie stehen an einer Stelle, an der etwas fehlt. Hier stand das Schloss Philippsburg, eines der größten und bedeutendsten Barockbauten am Rhein. Erhalten ist davon nichts außer einigen Mauerresten. Zuerst die Zahlen. Kurfürst Philipp Christoph von Sötern war im Dreißigjährigen Krieg gezwungen, seine Residenz von Trier an einen sicheren Ort zu verlegen, und ließ sie ab 1626 unterhalb der sichersten Festung von Kurtrier bauen. Wann er einzog, dazu habe ich zwei Angaben: Ein Quelle nennt 1629, ein anderer sagt, die Kurfürsten residierten hier von 1632 bis 1786. Ich nenne Ihnen die ältere Angabe und sage dazu, dass es zwei gibt. Nun zum Bau, den Sie sich vorstellen müssen. Dreigeschossig, 160 Meter lang, sieben Flügel um drei rechteckige Höfe. Der mittlere Hof öffnete sich zum Rhein, die seitlichen dem Festungsberg zu. An den vier Ecken standen weithin sichtbare Türme mit abgestuften Hauben. Dazu eigene Befestigungen mit Wassergräben im Norden und Süden. Innen war es prächtig: Stuckaturen von Nicolo Carcano, ein Deckengemälde von Lazaro Maria Sanguinetti im 400 Quadratmeter großen Festsaal im dritten Obergeschoss, Fresken im Vorsaal und in fünf weiteren Zimmern. Warum zog der letzte Kurfürst dann weg? Nicht aus Prunksucht allein. Von 1778 bis 1786 wohnte Clemens Wenzeslaus von Sachsen im Dikasterialgebäude nebenan, weil er wegen Gebäudeschäden, schlechter Wohnqualität und der Gefahr von Felsstürzen nicht mehr im Schloss bleiben wollte. Felsstürze. Das Schloss stand direkt unter der Felswand. 1786 ging er nach Koblenz. Danach wurde die Philippsburg nur noch teilweise genutzt, unter anderem von metallverarbeitenden Betrieben, und verfiel. Einzelne Teile mussten wegen Baufälligkeit abgebrochen werden, schon vor der Zerstörung. Diese kam 1801. Die Franzosen mussten das rechte Rheinufer räumen und sprengten vorher die Festung oben. Das Schloss darunter wurde dabei so beschädigt, dass man es abbrechen musste. Teile der Ausstattung, vor allem aus der Hofkirche, wanderten in Kirchen der Umgebung. Und nun der Satz, bei dem ich kurz anhalten möchte. Der Name Philippsburg ist vermutlich erst im 19. Jahrhundert entstanden, also nach der Zerstörung. In den zeitgenössischen Quellen kommt er nicht vor. Dieses Schloss hat seinen Namen erst bekommen, als es nicht mehr stand. Schauen Sie sich die Nebenbauten an, die es noch gibt: die Pagerie von 1690 bis 1692, der einzige erhaltene Bau der alten Festung, dann das Dikasterialgebäude von 1738 bis 1749 nach Plänen von Balthasar Neumann und Johannes Seiz, dahinter der Krummstall und daneben der Marstall von 1762. Die Preußen nutzten sie ab 1815 als Kaserne. Im Giebel des Dikasterialgebäudes stehen drei Figuren: Wissenschaft, Gerechtigkeit und Landwirtschaft.

Kurzfassung

Sie stehen am ehemaligen Schloss Philippsburg in Ehrenbreitstein. Hier residierten die Kurfürsten und Erzbischöfe von Trier bis 1786. Vom Schloss selbst ist nichts mehr erhalten: Es wurde 1801 bei der Sprengung der Festung so beschädigt, dass man es abbrechen musste.

Für Kinder

Hier stand früher ein riesiges Schloss, 160 Meter lang, mit einem Turm an jeder Ecke. Heute siehst du davon fast nichts mehr, nur ein paar Mauerreste. Warum? Erst zog der Fürst weg, weil Steine von der Felswand fielen. Dann sprengten Soldaten 1801 die Festung oben auf dem Berg, und das Schloss unten wurde dabei so beschädigt, dass man es abreißen musste. Und jetzt kommt das Komische: Damals hieß es noch gar nicht Philippsburg. Diesen Namen bekam es erst, als es schon weg war. Findest du die alten Gebäude, die noch stehen?

Quellen

Koordinaten: 50.362, 7.61116 · auf der Karte

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